Wenn jemand noch das Genre der Revue bis ins Detail beherrscht, dann ist das fraglos Caroline Rasser mit ihrem Team des Theater Fauteuil. Nimmt man dazu die Fasnacht als Thema, dann hat man das «Pfyfferli»: Ein sicherer Wert in der Basler Vorfasnacht. Und die basiert ja schliesslich in ihrer traditionellen Bühnenform auf dem Modell der Revue, des beschwingten Musiktheaters.

Das Leitmotiv dieses Jahr: China. China im Prolog, China in Intermezzos, China musikalisch persifliert, China sogar in einem Schnitzelbangg. China hält dabei als Projektionsfläche für allerlei Witze und, leider auch, Witzchen her. Aber warum China? Nun, da gibt es der Pointen ja durchaus einige: Die Städtepartnerschaft Basel-Schanghai, die Basler Agrochemiefirma Syngenta, die in chinesischen Händen ist, zunehmenden Tourismus aus China, das chinesische Mondfest auf dem Münsterplatz. Alles nicht ganz neu, aber der Gedanke ist interessant: China ist durchaus präsent im «Städtchen am krummen Fluss», wie Basel auf der Bühne genannt wird, markant sogar, aber im öffentlichen Diskurs ist das kein Thema.

Die Rassismus-Debatte – und dann China?

Die Inszenierung ist schwungvoll, die Hingabe des Ensembles leidenschaftlich. Auch dann, wenn es darum geht, ausgiebig Stereotypen nachzuahmen, wie etwa die scheinbare Unfähigkeit der, Zitat: «Gelben», den Buchstaben «r» zu rollen oder ausuferndes Kichern nachzuformen. Natürlich, es geht immer auch wieder darum, dass man ja kaum mehr etwas sagen darf, ein Vorwurf, der aus Fasnachtskreisen reflexartig zur Rassismus-Debatte über Logos und Namen der zwei Guggenmusiken «Negro Rhygass» und «Mohrekopf» aufflammte und der zu diskutieren ist.

Also hält jetzt der Chinese seinen Kopf mit dem «geschlitzten Auge» hin, um der politischen Unkorrektheit, der Meinungsäusserungsfreiheit im fasnächtlichen Rahmen genüge zu tun. Doch trifft die mit Spannung erwartete geniale Wendung, wie man nun aus diesem Dilemma zwischen humoristischer Absicht und bitterem Ernst ausbrechen kann, an der Premiere nicht ein. Es bleibt, zumindest in diesem Teil der Darbietung, zu reich an Gags und zu rar an Schlüssen, die in diesem Diskurs mittlerweile bitter nötig wären.

Der Geldadel: Abgerupfte Vögel

Doch das ist nicht alles in diesem Programm. Schliesslich ist es das Wesen des Pfyfferli, eine Revue aus bissigen Pointen und fiesen Bemerkungen zu sein, die sich eben der Stereotypen bedient, um sie zu unterlaufen und nicht, um sie zu verhöhnen. Bemerkenswert die Nummer «Im goldige Keefig», man merkt: Hier kommt irgendwas mit Vögeln. Und was für Vögel das sind. Abgerupfte Geier aus dem Daig, dem Basler Geldadel, denen eine Krähe aus dem Volk den Kauf der «Basler Zeitung» schmackhaft machen will, bevor Tamedia zuschlägt.

Es ist ein treffendes, bitterböses Zeugnis für die, denen die Krähe am Schluss vorwirft, dass ihre vielen vorgeschobenen Termine ja alles Hobbys seien und gar keine Arbeit. Und sie deswegen die BaZ nicht kaufen wollten, denn das würde erst recht Arbeit bedeuten. Sehr gemein auch, wie der Vogel der Familie Vischer – ein etwas selbstgefälliger Pfau – bemerkt, dass man übrigens die Familienfeiern künftig auf dem Wolfgottesacker abhalten wolle. So könnten noch mehr Familienmitglieder dabei sein. Am Schluss flattern alle davon zu Golf, Bridge, Tenniscourt, und die Zeitung ist verloren.

«Stärbe z Hölschte isch am Töllschte»

Gelungen auch «D Schublade», eine lebensnahe und frische Szene einer Ehe, die just diese eine Schublade thematisiert, die jeder Gatte in einer gemeinsamen Wohnung hegt und pflegt und an die er seine Frau niemals ranlassen würde. Heerrlig die Nummer «Alles digital», die im Rückgriff auf ein Stück von César Keiser die Hilflosigkeit einer alten Frau beim Telefongespräch mit einer digitalen Bank aufnimmt. Gross der Monolog von Caroline Rasser zur Sterbehilfe im Baselbiet, der einem alten Basler Spruch treu bleibt, der seit der Kantonstrennung im Städter-Gen verankert ist: «Ins Baselbiet gangi erscht, wenni tot bi.» Da fliegen dann die Slogans einem dankbaren Publikum zu: «Stärbe z Hölschte isch am Töllschte!» Punktgenau die Diagnose in «Gits e Fasnacht z Timbuktu», wo ein betrunkener Fasnächtler die unzeitige Geburt des ersten Kindes am Morgestraich beklagt und nicht zuletzt ist da der Auftritt des Fasnachts-Comités, das zu «Leave your hat on» auf offener Bühne strippt. «Chapeau!» lautet der Name der Nummer und das Verdikt dazu auch.

Und musikalisch? Das Ensemble mit Caroline Rasser, Salomé Jantz, Myriam Wittlin, David Bröckelmann und Roland Herrmann legt sich dabei richtig ins Zeug. Begleitet wird das Programm von der beeindruckenden Perkussion des jungen Corentin Marillier, der sich bestens mit Pfyfferli-Pianist Daniel Wittlin ergänzt. Fraglos gut dazu die Trommelgruppe «Chriesibuebe», die an der Premiere mit «LagoMio» von Chriesibueb Ivan Kym glänzten. An den Piccolos sorgen die Barfiessler für satte, aber auch fein ziselierte Klänge und ja, wenn dann als Bängg dr Heiri und dr Spitzbueb auf der Bühne stehen, ist das Publikum ohnehin bestens versorgt.