Daniel Egloff ist bester Laune. Und der Direktor von Basel Tourismus hat allen Grund dazu: Die eben veröffentlichte Hotelstatistik zeigt, dass die Belegung der Basler Hotelzimmer im Februar gegenüber dem Vorjahr über 20 Prozent zugenommen hat. Mit dieser Zahl liegt Basel schweizweit an der Spitze. Eine stark wachsende Gruppe in der Statistik sind Touristinnen und Touristen aus dem asiatischen Raum. Egloff: «Sie spielen im Moment rein zahlenmässig zwar noch eine eher kleine Rolle, allerdings hat sich ihre Zahl in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt.»

Tatsächlich: Gemäss dem Tourismusbericht des Basler Amts für Statistik machten Gäste aus Asien 2014 rund 90 000 Logiernächte aus. Während die Rangliste lange von Gästen aus Japan angeführt worden ist, hat sich die Zahl der chinesischen Touristinnen und Touristen in dem Zeitraum vervierfacht: Sie stehen mit fast 20 000 Nächten im Jahr 2014 nun an der Spitze – gefolgt von Reisenden aus Indien.

Basel ist nur Zwischenstopp – noch

Doch wo sind sie denn, die Massen an asiatischen Gästen? Bei einem Augenschein in der Stadt verirrt sich am Dienstagnachmittag während einer geschlagenen Stunde bloss eine einzige asiatisch aussehende Gruppe auf den Münsterplatz. «Wir kommen von den Philippinen und machen Familienferien in Europa», sagt Ricah, die sich als Sprecherin der Familie entpuppt. Sie seien eben erst in Basel angekommen, bereits am Abend gehe es auf einem Rheinschiff weiter nach Amsterdam.

Dass Besucher aus Übersee in Basel oft nur einen kurzen Zwischenhalt einlegen, bestätigt auch Basel Tourismus-Direktor Egloff. Und hier sieht er Potenzial. Der Individualtourismus nehme bei Asiatinnen und Asiaten immer mehr zu, die Leute reisten zunehmend alleine und weniger in der Gruppe oder dem Bus. «Wir laden deshalb ausländische Reisejournalisten nach Basel ein oder versuchen, in die Kataloge von asiatischen Reiseveranstaltern zu kommen», sagt Egloff. Auch Social Media sei natürlich wichtig: Dem Basler Tourismusdirektor schwebt ein für Hotelgäste kostenloses W-Lan-Netz vor, das es ihnen erleichtern soll, der Welt ihre tollen Erfahrungen mit der Stadt auf sozialen Netzwerken mitzuteilen.

Die Altstadt ist beliebt

Die philippinische Familie ist derweil auch ohne gratis W-Lan begeistert von Basel. Sie seien durch die Altstadt flaniert, hätten sich den Markt- und den Barfüsserplatz angeschaut und das Tram ausprobiert. Eine kleine Recherche auf dem Tourismus-Portal www.tripadvisor.com zeigt, dass neben dem Kunstmuseum und der Papiermühle vor allem die Altstadt mit dem Münster und der Rheinfähre bei den Besucherinnen und Besuchern aus Asien hoch im Kurs sind und die meisten Empfehlungen erhalten.

Dies deckt sich mit Egloffs Beobachtungen, wonach vor allem bei chinesischen Gästen Sightseeing im Allgemeinen, der Zolli sowie Shopping beliebt sei.

Touristische Sprachoffensive

Wie wichtig die asiatische Zielgruppe ist, beweist auch der Umstand, dass die Stadt pro Woche durchschnittlich eine bis zwei Stadtführungen auf Chinesisch durchführt. Basel Tourismus beschäftigt zu diesem Zweck eigens zwei Mitarbeiterinnen mit chinesischem Migrationshintergrund. Und schliesslich gibt es laut Egloff für www.basel.ch gar eine chinesische und eine japanische Startseite, die jedoch bloss von den jeweiligen Herkunftsländern aus angesteuert werden können.

Auf Ricah und ihre philippinische Familie hat Basel heute jedenfalls einen guten Eindruck gemacht. «Wenn wir können, werden wir nach Basel zurückkommen», sagen sie. Und spazieren weiter in Richtung Leu-Fähre.