Medien
Christian Degen verlässt die «Tageswoche»

Nach etwas mehr als einem Jahr wird er sein Engagement als Geschäftsführer und Chefredaktor beenden – offenbar nicht ganz freiwillig.

Daniel Ballmer
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Nicole Nars-Zimmer

Die offizielle Medienmitteilung ist sehr diplomatisch verfasst. «Christian Degen beendet sein Engagement als Geschäftsführer und Chefredaktor», teilte die «Tageswoche gestern kurz nach 16 Uhr mit. Und weiter: In gut einem Jahr habe es Degen verstanden, den Betrieb neu zu strukturieren und zu stabilisieren. Zudem habe er die «notwendigen, nicht einfachen Entscheidungen umgesetzt, die aufgrund der vorgegebenen finanziellen Rahmenbedingungen getroffen werden mussten». Oder anders: Weil die von Roche-Miterbin Beatrice Oeri finanzierte Stiftung die Unterstützung gekürzt hat, musste Degen im Dezember fünf der insgesamt 31 Mitarbeitenden kündigen.

Genau diese Kündigungen sollen Degen letztlich zum Verhängnis geworden sein. Bereits seit Monaten ist aus der «Tageswoche» zu hören ist, dass Degen innerhalb der Redaktion einen schweren Stand habe. Vorab inhaltliche Bedenken seien auch dem Verwaltungsrat angemeldet worden. In den letzten Wochen fanden mehrere Aussprachen statt. Dem steigenden Druck habe Degen nun nachgegeben und seine Stelle gekündigt. In der offiziellen Mitteilung ist von «unterschiedlichen betriebsinternen Auffassungen» die Rede.

Dass Stellen abgebaut werden mussten, sei auch für die Redaktion nachvollziehbar. Immerhin hat sich die finanzielle Situation drastisch geändert: Während bislang der grösste Teil der Ausgaben durch die Stiftung finanziert war, muss das Medienprojekt neu den grössten Teil der Kosten selber decken. Konkrete Zahlen wurden bisher nicht bekannt. Gut informierte Kreise berichten aber, dass die Unterstützung für die nächsten drei Jahre auf zwei Millionen Franken halbiert worden sei. Anschliessend werde nur noch eine Million im Jahr ausgeschüttet. Klar sei, dass die Tageswoche so in der heutigen Form nicht weitergeführt werden könne, hatte Degen bereits im Dezember erklärt. Die Auswahl der entlassenen Mitarbeiter aber hatte nicht nur in der Öffentlichkeit einigen Wirbel ausgelöst. Auch innerhalb der Redaktion stiess sie auf viel Unverständnis: «Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht.»

Auch habe Christian Degen der Redaktion «mehr unternehmerische Verantwortung» übertragen wollen. Journalisten hätten nebenbei für Einnahmen sorgen sollen. Verwaltungsratspräsident Oscar Olano betont einzig, dass Degens Ausscheiden keine Änderung der strategischen Ausrichtung bedeute. Schliesslich hätten sich die Rahmenbedingungen nicht geändert.

Über die Nachfolge von Degen will der Verwaltungsrat in Kürze informieren. Die Stelle werde nicht sofort ausgeschrieben, sagt Olano. Im Vordergrund stehe zunächst eine gute Übergangslösung. Noch allerdings soll gar nicht klar sein, ob der bisherige Chefredaktor und Geschäftsführer eins zu eins ersetzt werden soll. Die Rede war auch schon von einem «demokratischer gestalteten Modell». Der Verwaltungsrat will sich nun auch mit der Redaktion absprechen, «damit es nicht wieder gleich endet», wie ein Journalist trocken kommentiert.

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