Kooperation
Christian von Wartburg: «Wir brauchen weiterhin Französisch»

Für den Regio-Politiker Christian von Wartburg ist Zusammenarbeit über die Grenzen im Dreiland vor allem Kommunikation.

Peter Schenk
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C. von Wartburg.

C. von Wartburg.

zvg

Der SP-Grossrat Christian von Wartburg (49) ist neuer Präsident der Regiokommission und der Schweizer Delegation des Oberrheinrates. Beide Gremien engagieren sich für Basel im Dreiland in der grenzübergreifenden Zusammenarbeit (siehe Box).

Herr von Wartburg, stört es Sie, dass die Regiokommission im Grossen Rat manchmal nicht so recht ernst genommen wird?

Christian von Wartburg: Sie steht sicher nicht im Fokus der Arbeit des Grossen Rats. Das hängt auch damit zusammen, dass die Kommission nicht alle drei Monate ein neues Geschäft hat und ein neues Gesetz beraten muss. Wir haben umgekehrt eine gewisse Freiheit, unsere Themen selber zu setzen. Beim Agglomerationsprogramm, dem Bahnknoten und der Trinationalen S-Bahn werden wir versuchen, uns in den politischen Prozess einzubringen. Ich hoffe und glaube, dass wir als Bindeglied über die Grenzen auch Gehör finden werden. Wir leben direkt an der Grenze: Die trinationale Zusammenarbeit verdient deshalb einen grösseren Stellenwert. Wir sind zudem ein kleiner Stadt-Kanton und haben nur wenig Land. Deshalb müssen wir uns mit unseren Nachbarn ernsthaft und kontinuierlich auseinandersetzen.

Im Districtsrat behält der SVP-Grossrat Heinrich Ueberwasser den Vorsitz. Sie sind in der SP. Warum treten sie ihm das Amt so einfach ab? Ist es nicht so wichtig?

Heinrich Ueberwasser hat mehr Erfahrung als ich und ist gewählter Präsident des Districtsrats. Da macht es Sinn, dass er dort über die Legislatur hinaus weiter den Lead für Basel hat. Ich wünsche mir in der Regiokommission möglichst wenig Partei-, sondern Sachpolitik und Leute, die sich mit Lust und Engagement für die Region einsetzen.

Was ist derzeit das Hauptproblem in der Kooperation?

Wir sollten sicherstellen, dass die vielen spannenden grenz- und regionsüberschreitenden Projekte besser bekannt werden, und dass die grosse Arbeit, die hier von vielen Stellen her geleistet wird, von den Menschen auch wahrgenommen wird. Wichtig ist sicher auch, dass wir nicht zulassen, dass die sprachlichen Barrieren zu Frankreich zu gross werden. Zusammenarbeit ist vor allem Kommunikation und es wäre leichtsinnig zu meinen, dass wir Französisch nicht mehr brauchen.

Was möchten Sie erreichen?

Dass die Menschen sich hier sich auch über die Grenzen hinaus als Region begreifen, entsprechend leben und wir ihnen das erleichtern. Dazu braucht es zum Beispiel einen Tarifverbund. Es gibt generell Bestrebungen, Verkehrsfragen besser zu koordinieren. Ein kleiner Beitrag der Regiokommission ist, dass man über die Grenzen im ständigen Gespräch ist.

Die Oberrheinregion reicht bis über Karlsruhe hinaus. Ist Ihnen das nicht zu gross und zu abstrakt?

Ich sehe eine grosse Chance darin, die Kraft der Oberrheinregion mit ihren sechs Millionen Einwohnern, mit ihrem enormen kulturellen Reichtum und ihrer soliden Wirtschaft so zu nutzen, dass diese Zusammenarbeit allen zu Gute kommt.

Im Oberrheinrat kommen nur 11 von 71 Vertretern aus der Nordwestschweiz. Sie haben wenig Einfluss.

Es ist kein Parlament, in dem es auf die Mehrheit ankommt, sondern auf den Einsatz. Wichtig ist, dass wir dabei sind. Die Zahl scheint mir nicht entscheidend. Ich erwarte nicht, dass es ständig knappe Abstimmungen gibt, die man dann verliert.