Die «Basler Zeitung» gehört seit Dezember 2011 zu hundert Prozent der MedienVielfalt Holding AG (MVH) mit Sitz in Zug. Deren Aktienkapital in Höhe von vierzig Millionen Franken reichte allerdings nicht aus, um die Zeitungsakquisition zu finanzieren. Hauptaktionär Tito Tettamanti sagte, darauf angesprochen, es sei für die Aktionäre kein Problem, einen Bankkredit zu erhalten. Filippo Leutenegger, Verwaltungsratsdelegierter der MVH, erzählte nun im Mai am Rande einer Tagung der Holding, wie die konkrete Finanzierung bewerkstelligt wurde: Neben dem Aktienkapital der Holding habe die Neue Helvetische Bank einen Kredit in gleicher Höhe zur Verfügung gestellt – und dafür bürge Christoph Blocher. Eine offizielle Bestätigung des Sachverhalts wollte Filippo Leutenegger auf Anfrage des «Sonntags» nicht geben. Auch auf mehrere Nachfragen, ob diese Darstellung korrekt sei, schwieg er sich aus.

Die offizielle Lesart hiess bisher, Christoph Blocher beziehungsweise seine jeweils unterzeichnende Tochter Rahel habe sich vom BaZ-Engagement zurückgezogen. Er habe sich lediglich bereit erklärt, die Kosten zu übernehmen, die im Rahmen der Restrukturierung des Druckbereichs entstehen würden. Offenkundig glaubte sich Leutenegger im geschützten Rahmen, als er Transparenz schuf.

Journalisten als Missionare

Ort der Offenbarung war das Hotel Savoy Baur en Ville am Zürcher Paradeplatz. Dorthin hatte Marina Masoni, die Verwaltungsratspräsidentin der MVH, auf den 15. Mai zu einer Art Seminarveranstaltung geladen. Eine Begrüssung durch die Präsidentin, drei Kurzreferate und eine Diskussion standen vor dem Apéro auf dem Programm, das dem «Sonntag» vorliegt. «Weltwoche»-Kolumnist Kurt W. Zimmermann referierte über «Die Medienkarte und die Meinungskarte». Der St. Galler Assistenzprofessor Christian Pieter Hoffmann stellte die für ihn rhetorische Frage «Tendieren Journalisten nach links?». Markus Somm, Chefredaktor der «Basler Zeitung», stilisierte sich schliesslich «Als einsamer Rufer in der Wüste. Ansichten eines liberalen Journalisten».

Die zur Veranstaltung eingeladene Zürcher Journalistin Suzanne Speich machte in einem Bericht für das Branchenportal «Kleinreport» auf den Anlass aufmerksam. Sie zitiert Masoni, die in ihrem Eingangsreferat erklärt habe, im Schweizer Journalismus finde ein Kulturkampf statt und es gebe viele verdeckte Agenden: «Die Medien, mit denen wir geflutet werden, haben immer weniger Qualität, ihre Journalisten verstehen sich nicht mehr als objektive Beobachter, sondern als Missionare.»

Masoni bestätigt auf Anfrage des «Sonntags» die erstmalige Austragung dieser medienpolitischen Veranstaltung. Die Zahl der Teilnehmer sei auf siebzig Personen begrenzt gewesen, um noch eine Debatte zu ermöglichen. «Eingeladen sind unsere Aktionäre und ein Freundeskreis, Vertreter der Medien und der Politik», erklärt Masoni. Für den Herbst sei eine zweite Veranstaltung geplant.

Hans Rudolf Gysin war einer der Gäste. Für ihn, den Alt-FDP-Nationalrat, abtretender Direktor der Wirtschaftskammer Baselland sowie Verwaltungsrat der BaZ Holding, sei es ein gesellschaftlicher Anlass gewesen, um Personen wie Masoni oder Tettamanti wieder einmal zu treffen. Da er jemanden mitnehmen konnte, fiel die Wahl auf Thomas de Courten, SVP-Nationalrat und seit kurzem Wirtschaftsförderer Baselland. Die Diskussion sei munter gewesen, erzählt Gysin. Ihm sei aufgefallen, wie eloquent die Podiumsteilnehmer gewesen seien; an die Voten könne er sich allerdings nicht mehr erinnern. Vielleicht kann sich auch Filippo Leutenegger nicht mehr erinnern, was er am anschliessenden Apéro über die Finanzverhältnisse bei der «Basler Zeitung» erzählt hat.