Die links-grün dominierte Regierung wiederum warnte ungewöhnlich deutlich vor der Initiative. Das brachte insbesondere Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin und Finanzdirektorin Eva Herzog in die unangenehme Lage, gegen ihre eigene Partei - die SP - argumentieren zu müssen. Diese unterstütze das Anliegen mit einer eigenen Kampagne.

Für die Befürworter der 1:12-Initiative in Basel ist das Schlussresultat von 40.85 Prozent Ja-Stimmen denn auch eher eine Enttäuschung. Nach Bekanntgabe des Resultats wahrten bekannte 1:12-Verfechter wie Nationalrat Beat Jans oder Grossrätin Sarah Wyss zwar demonstrativ Fassung. Zumindest eine leichte Enttäuschung war ihnen aber anzusehen. Christoph Brutschin - der sich gestern nicht im Abstimmungsforum im Rathaus blicken liess - gibt sich im bz-Interview dafür erleichtert.

Herr Brutschin, in Basel haben fast 60 Prozent der Bevölkerung Nein gesagt zur 1:12-Initiative. Überrascht Sie dieses deutliche Resultat?

Christoph Brutschin: Bei dieser Initiative war das Resultat schwierig vorauszusehen. Ich hätte keine Prognose gewagt.

Die 1:12-Initiative hat eine riesige Diskussion im Land ausgelöst. Am Schluss ist sie doch deutlich gescheitert. War die Aufregung umsonst?

Wie gesagt, eine Prognose war schwierig. Es hätte auch anders herauskommen können. Ich bin im Nachhinein aber froh, dass es nicht nur ein Nein, sondern ein deutliches Nein gab.

In Basel wären ja relativ viele Unternehmen von der Initiative betroffen gewesen. Haben Ängste um diese am Schluss entschieden?

Das ist gut möglich. Bei dieser Initiative war es sehr schwer abzuschätzen, was bei einem Ja passieren würde. Den Baslern waren die möglichen Risiken wohl zu gross. Aber 40 Prozent Zustimmung sind nicht einfach nichts. Ich hoffe, dass die Wirtschaft - dort, wo es anzeigt ist - entsprechende Anpassungen bei den Löhnen vornimmt.

Ist dieses Resultat nun eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts Basel?

Ich glaube nicht, dass man einen so direkten Zusammenhang herstellen kann. Ein Ja hätte sicher zu einer Unsicherheit geführt. Das Nein ist nun aber eher eine Beruhigung.

Wird das Thema Abzockerlöhne weiter so kontrovers diskutiert werden?

Es kommt darauf an, wie es nun weitergeht. Ich habe den Eindruck, dass seit der Minder-Initiative einzelne Unternehmen schon reagiert haben und vernünftiger geworden sind. Wenn die Entwicklung in diese Richtung weitergeht, wird das Thema sicher bald sicher nicht mehr so weit oben in der Agenda stehen.

Sind Sie nun auch persönlich froh, dass es vorbei ist? Sie stellten sich bei 1:12 ja gegen ihre eigene Partei.

Solche Sachen sind nie angenehm. Man stellt sich ungern gegen die eigene Partei. Das ging auch Finanzdirektorin Eva Herzog so. Diesmal waren wir in der Basler Regierung aber wirklich überzeugt, dass der Weg falsch ist. Indem man den Lohn deckelt, hätte man direkt in die Produktionsfaktoren eingegriffen. Deshalb hat sich die Regierung bei dieser Initiative auch so deutlich geäussert, was für eine nationale Vorlage doch eher unüblich ist.

Eine Pause wird ihnen als Wirtschaftsdirektor aber nicht gegönnt. Es stehen eine Reihe von weiteren Vorlagen an, die die Wirtschaft schwächen könnten. Etwa die Masseneinwanderungsinitiative der SVP, über die am 9. Februar abgestimmt wird, oder die Ecopop-Initiative.

Es ist in der Tat so. Es geht Schlag auf Schlag. Bei der 1:12-Initiative waren die Auswirkungen auf die Wirtschaft ja noch eher unklar. Bei der Masseneinwanderungsinitiative kann man den Schaden für die Wirtschaft aber relativ klar beziffern und voraussagen. Nun gilt es, diese zu bekämpfen.

Wird sich die Basler Regierung bei der Masseneinwanderungsinitiative auch so deutlich äussern wie bei 1:12?

Ich kann dem Entscheid der Regierung nicht vorgreifen. Wir werden das diskutieren. Ich bin aber der Meinung, dass dies bei der Masseneinwanderungsinitiative gerechtfertigt wäre.