Basler Fasnacht

Christoph Bürgin: «Das Umweltthema fehlt mir dieses Jahr»

Letztes Jahr gab’s am Morgestraich unter anderem Putin zu sehen. (Archiv)

Letztes Jahr gab’s am Morgestraich unter anderem Putin zu sehen. (Archiv)

Comité-Obmann Christoph Bürgin analysiert die diesjährige Auswahl an Sujets an der Basler Fasnacht.

Herr Bürgin, besteht die Gefahr, dass man sich nicht lange an die diesjährige Fasnacht erinnern wird, weil es kein Hauptsujet gibt?

Christoph Bürgin: Das glaube ich überhaupt nicht. Im Gegenteil. Für die Medien wird es ein bisschen schwieriger, das Schwergewicht zu finden. Ich glaube aber nicht, dass die Fasnacht von einem Topsujet abhängig ist. Mit dieser Vielfalt sieht man doch, wie die Fasnacht lebt.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie die verschiedenen Sujets wahrgenommen haben?

Das war sehr spannend, was dann aber in Arbeit ausgeartet ist. Es ist natürlich einfacher, wenn man 54 Mal beim «Selfie» ein Strichlein macht, wie es das letzte Jahr der Fall gewesen ist. Die Vielfalt ist das Tolle daran. Man spricht sich vorher überhaupt nicht ab. Das Komitee ist erst Anfang Januar informiert, sobald die Verantwortlichen vom Rädäbäng alles zusammengestellt haben.

Fehlt Ihrer Meinung nach ein Sujet, das Sie gerne gesehen hätten in diesem Jahr?

Ja, das Umweltthema. Auch die Beziehung zwischen der Schweiz und dem Ausland wird mir zu wenig thematisiert. Die EU ist für mich nirgends erkennbar. Vielleicht kommt es doch – das weiss man ja nicht so genau. Es ist immer alles ohne Gewähr.

Die Fasnacht ist schon lustiger gewesen, wenn man die Sujets genauer betrachtet. Bildet dies ab, wie stark Politik und Zeitgeschehen im Vordergrund stehen?

Jeder stellt fest, dass es schon fröhlichere Zeiten gegeben hat. In den letzten Jahren sind auch die Farben der Fasnachtszüge dunkler geworden. Fakt ist, dass sich die aktuelle Situation auch auf die Sujets auswirkt. Wobei zu erwähnen ist, dass bei den grossen Cliquen die Sujetwahl schon eine Zeit lang her ist. Im September oder Oktober ist die Lage aber auch nicht viel besser gewesen.

Ist es bei den internationalen Themen ernster geworden?

Ja, es ist deutlich ernster geworden. Es wird spannend zu beobachten sein, wie die Cliquen diese auf den Strassen umsetzen. Das sind hochpolitische Themen, wie der eiserne Wind aus Moskau oder Pegida. Das Sujet «die bruuni Suppe brodlet wiider» (Sujet der Stammclique J.B.-Clique Santihans) – darunter kann man sich auch einiges vorstellen. Da gibt es schon ganz markante Sujets. Aber auch gesellschaftspolitische Themen werden angesprochen, in welchen man sich selber hinterfragen muss.

Ist Ihnen ein Thema sofort ins Auge gesprungen, als Sie die Sujetliste durchgeschaut haben?

Der Völkerball, in welchem das Flüchtlingsthema ausgespielt wird. Da erwarte ich etwas. Oder die ganze Thematik über das Plastik im Meer. Das ist ja weltweit ein Riesenproblem. Auch das könnte sehr spannend werden.

Rädäbäng Der Fasnachtsführer ist ab heute für 8 Franken bei Sutter-Begg, Bider & Tanner, bei den BVB am Barfi und am Blumenrain 16 erhältlich.

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