Herr Eymann, könnten Sie sich einen Numerus clausus bei den Geisteswissenschaften an der Universität Basel vorstellen?

Christoph Eymann: Nein, der Numerus clausus muss eine Ausnahme und Notmassnahme bleiben.

Wäre es für die Uni Basel, die in den Geisteswissenschaften gut positioniert ist, heikel, einen Numerus clausus bei diesen Fächern einzuführen?

Ein Numerus clausus macht nur bei stark frequentierten Fächern Sinn, wo ohne Numerus clausus die Qualität bedroht wäre. Diese Situation ist an der Uni Basel nicht gegeben. Bei einzelnen kritischen Fächern wurden in den letzten Jahren die Betreuungsverhältnisse verbessert.

Ist es überhaupt möglich und sinnvoll, via Zugangsbeschränkungen den Bildungsmarkt zu beeinflussen?

Der Numerus clausus ist eine universitätsbezogene Massnahme, die ergriffen wird, wenn eine Universität an ihre Kapazitätsgrenzen stösst. Der Bildungsmarkt wird nachfrageseitig davon kaum tangiert. Ich halte den Numerus clausus grundsätzlich nicht für sinnvoll, solange die Schweiz den gegebenen akademischen Fachkräftemangel ausweist. Zudem verteidige ich die Wahlfreiheit und Chancengleichheit für die Bildungswilligen auch auf der tertiären Stufe.

Bei den Medizinern zeigt sich, dass der Numerus clausus auch Probleme mit sich bringt. Wie könnte man dies verbessern?

Der Eignungstest selbst ist unbestritten und hat sich als guter Indikator für den zukünftigen Studienerfolg erwiesen. Die Probleme ergeben sich in erster Linie aus der Schere zwischen Angebot und Nachfrage und der allgemeinen Auffassung, die Schweiz sollte mehr Medizinerinnen und Mediziner ausbilden. Die Forderung steht allerdings noch etwas unfundiert im Raum und muss konzeptuell und finanziell noch unterlegt werden.

Sind die Geisteswissenschaften grundsätzlich kein wirtschaftlich lohnendes Studium?

Wissenszuwachs ist ein grundsätzlicher gesellschaftlicher Wert, der über das rein Ökonomische hinausgeht. Es kommt aber dazu, dass jedes akademische Studium mehr oder weniger nahtlos dem Individuum eine Erwerbstätigkeit ermöglicht und sich damit sowohl individuell als auch kollektiv gesehen wirtschaftlich lohnt. Die Schweiz kennt keine Arbeitslosigkeit bei Akademikerinnen und Akademikern.