Innovationen

Christoph Franz: «Roche ist kein Wanderzirkus»

«Der Innovationswettbewerb wird immer stärker»: Christoph Franz, Roche-Präsident.

«Der Innovationswettbewerb wird immer stärker»: Christoph Franz, Roche-Präsident.

Der Roche-Präsident gab am Montagabend ein Plädoyer für den Standort Schweiz und warnte vor der um sich greifenden Schneckenhaus-Mentalität.

Nicht jede Idee oder Erfindung ist per se schon eine Innovation; sie ist es erst, wenn sie sich auf dem Markt durchsetzt. Das sei nicht immer sofort erkennbar. «Vor gut 100 Jahren, als die ersten Automobile auf Strassen kreuzten, sagte Wilhelm II., letzter deutscher Kaiser und preussischer König: ‹Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist nur eine vorübergehende Erscheinung!›» Roche-Präsident Christoph Franz, der am Montag in der Uni-Aula vor der Statistisch-Volkswirtschaftlichen Gesellschaft sprach, erntete Lacher.

Innovation geschehe weniger in grossen Sprüngen, sondern meist in «kleinen Schritten, die für Patienten jedoch viel bedeuten». Die Diagnose «chronische lymphatische Leukämie» etwa sei in den 80er Jahren noch ein Todesurteil gewesen, heute sei dieser Blutkrebs zu über 90 Prozent heilbar. Nicht zuletzt dank Innovation aus der Schweiz.

Zusammen mit der Medtech-Branche ist der Life-Science-Cluster in der Regio Basel für rund die Hälfte der Innovationen in der Schweiz verantwortlich. Direkt hängen von ihm 40'000, indirekt rund 180'000 Beschäftige ab, zeigen Studien. Und die Wertschöpfung pro Pharma-Arbeitsplatz ist mit rund 420'000 Franken dreimal so hoch wie der Schweizer Durchschnitt.

Im letzten Jahr seien erstmals für über 70 Milliarden Franken Medikamente ins Ausland verkauft worden, sagte Franz. Das sei ein Drittel aller Exporte. Ein Rekord.

Wichtige Partnerschaften

Derzeit stamme gut ein Drittel der Roche-Pharma-Produkte aus der Zusammenarbeit mit Partnern. Die Idee für das Blutkrebsmedikament Gazayvaro stamme ursprünglich von einem ETH-Spin-off (Glycart), heute «Roche Innovation Center Zürich». Roche suche heute vermehrt auch strategische Partnerschaften, die man früher typischerweise nicht verfolgt habe, Stichwort sind hier Kooperationen mit Universitäten und Hochschulen. Die Schweiz sei hierzu ein vorzüglicher Standort, so Franz.

Zentral für Innovation seien somit nicht nur die beiden Schweizer Pharma-Grosskonzerne, sondern auch das Zusammenspiel mit KMU, Start-up sowie Universitäten/Fachhochschulen; «Das Wissen ist zwar der einzige Rohstoff der Schweiz, aber auch der einzige Rohstoff, der sich bei Gebrauch vermehrt», sagte Franz. Krebs und andere komplexe Krankheiten könne man heute nur in Zusammenarbeit mit Partnern wirksam bekämpfen.

Roche verfolge beispielsweise mit der Uni Basel gemeinsame Projekte in den Bereichen Neurowissenschaften und Onkologie; auch werden derzeit 17 klinische Studien zusammen mit dem Universitätsspital Basel durchgeführt.

Innovation werde überall auf der Welt forciert. «Wer sich ins alpenländische Schneckenhaus zurückzieht, wird abgehängt.» Der Wohlstand der Schweiz hänge direkt von einer liberalen, weltoffenen Wirtschaftsordnung ab. Diese sei teilweise in Gefahr, und deshalb sei die Wirtschaftspolitik gefordert. Franz fordert, dass die Masseneinwanderungsinitiative mit Augenmass umgesetzt werden solle. Und zwar so, dass die bilateralen Verträge mit der EU nicht fallen. Die Personenfreizügigkeit sei extrem wichtig, gerade für die Region Basel, wo 61'000 Grenzgänger beschäftigt sind.

Der Roche-Präsident ist dennoch optimistisch, dass Politik und Wirtschaft gemeinsam die anstehenden Herausforderungen meistern werden. Pragmatisch, konsensorientiert, vorausschauend. Für Roche ist die Schweiz noch immer ein sehr guter Innovationsstandort. Franz: «Roche ist kein Wanderzirkus. Wir bleiben hier und investieren hier auch in Zukunft.»

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