Vergangene Woche wurde publik, dass die älteste Basler Bank La Roche an Notenstein verkauft wird. Warum?

Christoph Gloor, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bank La Roche: Wir sind 2014 in einer Analyse zum Schluss gekommen, dass der Konsolidierungsprozess auf dem schweizerischen Finanzplatz jetzt einsetzen wird. Das heisst, es wird zu Zusammenschlüssen kommen. Wir wollten frühzeitig in diesem Prozess aktiv werden und vor allem zu einem Zeitpunkt, zu dem wir sehr attraktiv sind. Und wir wollten sicher nicht die letzten im Umzug sein, um dann alleine dazustehen.

Was heisst «attraktiv sein»? Sie sind also sehr rentabel.

Wir sind immer sehr rentabel gewesen. Wir haben eine Cost-Income-Ratio (Aufwand-Ertrags-Verhältnis, die Red.) von unter 70. Das ist im heutigen Umfeld eine sehr gute Zahl. Das heisst, auf knapp 70 Franken Kosten kommen 100 Franken Ertrag. So konnte die Bank im letzten Jahr einen Gewinn von rund 17 Millionen Franken erwirtschaften.

Was ist unter dem Strich der grosse Vorteil des Zusammengehens?

Wir haben in einem frühen Stadium den optimalen Partner finden können. Innerhalb der Notenstein La Roche Privatbank AG wird Basel neben St. Gallen der grösste Standort. Wir werden nicht marginalisiert. Und wir haben in dieser neuen Bank durchaus ein Gewicht. Das war uns sehr wichtig. Ebenso wichtig war es, das wir unsere Kunden an den bisherigen Standorten betreuen können.

Gab es überhaupt andere Optionen?

Da wir in einem frühen Stadium aktiv wurden, hatten wir verschiedene Optionen, und je attraktiver man ist, desto mehr Optionen hat man. Für uns stand das Wohl unserer Kunden im Vordergrund.

Der Finanzplatz Basel hat 2009 bis 2011 über 10 Milliarden Franken Kundenvermögen verloren, mehr als 11 Prozent. Haben Sie das auch gespürt?

Bei uns gab es auch einen Abfluss von Kundengeldern, vor allem im Zusammenhang mit der Offenlegung von ausländischen Vermögenswerten, die im Rahmen der Nachzahlung von Steuern entsprechend geschrumpft sind.

Wie viel floss denn ab?

Das kann ich so nicht sagen.

Sie sagen, dass alle Kunden zu Notenstein transferiert werden, ausser US-Kunden. Sind das viele?

Nein, es sind 50 Kundenbeziehungen. Sehr überschaubar.

Schweizer Banken mussten sich gegenüber den USA in Gruppen einteilen. In welcher Kategorie hat sich Bank La Roche eingestuft?

In die Kategorie zwei. Diese umfasst diejenigen Banken, die damit rechnen, dass sie Kunden mit unversteuerten Vermögen haben. Aus Sicht der USA haben wir uns damit der Beihilfe der Steuerhinterziehung schuldig gemacht. Zu diesem Zweck schliessen wir mit dem US-Justizdepartement ein «Non-Prosecution Agreement» ab und bezahlen eine Busse. Aber dann ist die Lage mit den USA bereinigt.

Wie viel haben Sie für diese Busse zurückgestellt?

Diesen Betrag kommunizieren wir nicht. Aber wir haben ausreichende Vorkehrungen getroffen.

Müssen heute Ihre Kunden Ihnen gegenüber deklarieren, dass sie ihr Geld ordentlich versteuert haben?

Wir akzeptieren nur noch Neugeld, wenn wir nach unseren internen Kriterien überprüfen können, dass es versteuert ist. Die Kunden müssen keine Erklärung unterzeichnen, aber wir haben Mechanismen eingebaut, dass wir davon ausgehen können, dass die Gelder versteuert sind. Kunden aus dem EU-Raum müssen beispielsweise die Offenlegungserklärung von der EU-Zinsbesteuerung unterschreiben.

Aber bisherige Kunden müssen das nicht tun?

Im Moment nicht, aber wir machen uns Gedanken in diese Richtung. Wir werden das aber in Abstimmung mit Notenstein machen.

Und Mitarbeitende werden alle übernommen?

Ja, gut 100.

Wo werden sie arbeiten?

An den bisherigen Standorten in Basel, Bern und Olten.

Was geschieht mit dem La-Roche-Sitz an der Rittergasse?

Er wird Sitz der neuen Notenstein La Roche Privatbank AG.

Und im Schilthof am Bankenplatz?

Dort ist die Asset-Management-Einheit der Notenstein. Es sind im Wesentlichen die Leute, die vor gut einem Jahr von der Bank Sarasin zu Notenstein gekommen sind. Für die Mitarbeitenden ändert sich faktisch sehr wenig.

Bleibt die Marke «La Roche» bestehen?

Ja, sie wird im neuen Namen weiterleben. Ob auch das Logo bestehen bleibt, wissen wir noch nicht.

Sie haben einige Sponsoringaktivitäten. Behalten Sie diese bei?

Unser grösstes Engagement ist bei der Baloise Session. Dort haben wir einen laufenden Vertrag und bleiben dabei. Dann haben wir die «K1/28», die Kammermusik um halb Acht. Das ist ein sehr bewährter Anlass, sodass wir keinen Grund sehen, hier etwas zu ändern. Weiter unterstützen wir das Martinů-Festival. Auch das kommt bei Kunden und Gästen sehr gut an.