Wahlkampf
Christophe Haller ist der Anti-Gass und Gegen-Dürr

Christophe Haller (FDP) ist ein Freisinniger der alten Schule, am bürgerlichen Rand der FDP angesiedelt und überall dabei, wo man in Basel als Politiker dabei sein muss. Seinem Gegner von der SVP kommt er allerdings gefährlich nahe.

Nicolas Drechsler
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Christophe Haller versucht, sich im Wahlkampf von seinem Vorgänger Hanspeter Gass zu distanzieren, sich sozusagen als «Anti-Gass» zu etablieren. Nicht ganz einfach, will man den Parteigenossen nicht in die Pfanne hauen, was unanständig wäre. Und ausserdem unklug, so mitten im Grossratswahlkampf.

Christophe Haller

Christophe Haller ist 1957 geboren, in Basel aufgewachsen und hat hier Wirtschaft studiert. Er arbeitet als Generalagent Nordwestschweiz für die Vaudoise Versicherung. Haller hat drei Kinder und ein Enkelkind und lebt auf dem Bruderholz. Seit 2005 sitzt Haller für die FDP im Grossen Rat, wo er von 2006 bis 2012 die Fraktion präsidierte. Zudem war Haller von 1997 bis 2005 Bürgerrat und Vorstand des Waisenhauses. (DRE)

Das zweite Abgrenzungsproblem hat Haller bei seinem Konkurrenten von der SVP, Patrick Hafner. Nicht nur anhand eines Streitgesprächs in der bz zeigte sich: Zwischen dem am rechten Rand der FDP politisierenden Haller und dem gemässigten SVPler sind die Unterschiede nur marginal. Wenn jedes zweite Argument mit dem Satz «ich nehme an, das siehst Du gleich» aufhört, ist es schwierig, dem Wähler zu erklären, warum er nun den einen wählen soll und den anderen nicht.

Nur beschränkt liberal

Haller ist ein Freisinniger der alten Schule: liberal in Wirtschafts- und Steuerfragen, autofreundlich und für mehr Eigenverantwortung, wenn es um den Sozialbereich geht, aber ansonsten eher konservativ.Die Co-Präsidentin der Grünen, Mirjam Ballmer meint: «Er ist am bürgerlichen Rand der FDP angesiedelt. Ich würde das Wort liberal nicht für ihn verwenden. Dort wo ich liberal bin, ist er es nicht.» Denn in gesellschaftspolitischen Fragen tritt Haller jeweils konservativ auf. Auf Haller angesprochen, sagt FDP-Parteipräsident Daniel Stolz als Erstes: «Er ist engagiert. Sehr engagiert.» Das bekam Basel auch im Wahlkampf zu spüren: Monate, bevor die anderen Kandidaten ihre Kampagnen gestartet haben, hingen in der Stadt Plakate eines streng blickenden Christophe Haller, der mehr Sicherheit verspricht.

Sicherheit als Kernthema

Haller weiss genau, was er will, und das ist im Moment der Sitz seines Parteikollegen Hanspeter Gass in der Regierung. Der Versicherungsbroker legte einen Frühstart hin und erkannte, dass die Sicherheitslage in Basel wohl zum alles dominierenden Thema werden würde. Das dürfte mit dazu geführt haben, dass Haller seinem Parteikollegen und Mit-Kandidaten Baschi Dürr gefährlich werden könnte. Da sie beide das Handicap haben, nicht besonders volksnah zu wirken, will Haller umso mehr bei den Sachthemen punkten. Insbesondere bei der Sicherheit, einem Thema, bei dem Dürr es bisher an klaren Worten mangeln liess. Haller ist da anders. Er hat einen leicht poltrigen Politstil, ist um ein hartes Wort zur rechten Zeit nie verlegen und sagt klar, was er von einer Sache hält. Oder wie Ballmer es ausdrückt: «Ich erlebe ihn nicht als sehr zugänglichen Menschen. Wir sind nicht auf derselben Wellenlänge und finden auch selten Gesprächsthemen.»

Gut vernetzter Politiker

Hier widerspricht Stolz klar: «Christophe Haller ist ein sehr angenehmer Mensch, der gut zuhören kann. Er bleibt nicht stur bei seiner Meinung.» Und was möglicherweise matchentscheidend wird: Haller ist kein Einzelgänger, sondern überall dabei, wo man in Basel als Politiker dabei sein muss: Haller ist Mitglied der Fasnachtsclique Revoluzzer, in der auch Marcel Ospel trommelt. Er ist Statthalter der Zunft zum Goldenen Sternen und Präsident des TCS beider Basel. Beim Touring-Club habe er auch seine Managerqualitäten ausgespielt, so sein Parteipräsident: «Er beweist im TCS-Präsidium wirkliche Qualität, er brachte in den zerstrittenen Club Ruhe und ordnete die Finanzen.» Dieses Talent zu vermitteln, habe Haller auch als Präsident der FDP-Fraktion an den Tag gelegt: «Das ist nicht einfach, besonders nicht bei der FDP, und er hat gezeigt, dass er teamfähig und ausdauernd ist.»

Spannender Endspurt

Auch diese sehr unterschiedliche Wahrnehmung Hallers macht eine Wahl-Prognose schwierig. Das und die Tatsache, dass Haller politisch näher bei seinem Gegner von der SVP steht, als bei seinem Mitbewerber Baschi Dürr, und etliche Stimmen von rechts bekommen dürfte.