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Circus Camps anstelle von Festival Young Stage

Freuen sich auf die Circus Camps in den Sommerferien: v.l. Nadja Hauser, Johannes Muntwyler, Mario Muntwyler, Valentin Steinmann und Beat Läuchli.

Freuen sich auf die Circus Camps in den Sommerferien: v.l. Nadja Hauser, Johannes Muntwyler, Mario Muntwyler, Valentin Steinmann und Beat Läuchli.

Mit den Zirkusprofis in die Manege: Statt des Festivals Young Stage finden in Basel nun die Circus Camps statt. In den Sommerferien lernen Kinder und Jugendliche auf dem Areal der Station Circus beim Dreispitz wie es ist, in der Manege zu stehen.

Die Keulen halten sich mehrere Minuten in der Luft. Dann fällt eine, und der junge Jongleur hebt sie gekonnt auf. «Das letzte Training liegt eine Weile zurück», sagt Mario Muntwyler nachdenklich. Der 24-jährige Jongleur und Circus-Camps-Coach ist im Zirkus Monti aufgewachsen. Wegen der Coronakrise blickt er mit seiner Zirkusfamilie in eine ungewisse Zukunft. Die Folgen der Veranstaltungsrestriktionen treffen die Zirkusszene besonders hart.

Wir treffen Muntwyler und das motivierte Team der Circus Camps auf dem Areal der Station Circus beim Dreispitz. Am neuen Standort der mobilen Zwischennutzung soll mit stilechten Zirkuswagen und Zelten endlich wieder Bewegung in die Szene kommen. Während der zweiten und dritten Sommerferienwoche werden hier rund 160 Kinder und Jugendliche in diversen Disziplinen gecoacht.

«Kinder bringen die Geduld mit, welche es für die Artistik braucht», betont Mario Muntwyler und blickt zu seinem Vater, der soeben das Areal ausmisst. «Endlich wieder Zirkusluft schnuppern», sagt Muntwyler. Mit sechs Jahren stand er das erste Mal an der Seite seines Vaters in der Manege. «Zirkus ist mein Leben», sagt er. Die diesjährige Tournee des Zirkus Monti sei nicht abgesagt, sondern verschoben worden. «Diese Aussicht macht alles etwas erträglicher.» Er berichtet von befreundeten Artisten, deren Verträge von einem Tag auf den nächsten aufgelöst wurden. Als Zirkusartist könne man ohnehin selten Rücklagen machen.

Circus Camps geniessen in der Region viel Wohlwollen

Für Akrobaten, die auf eine Infrastruktur angewiesen sind, seien die geschlossenen Trainingsmöglichkeiten problematisch, sagt Festivaldirektorin Nadja Hauser. Die Situation sei besonders für Hochschulabgänger prekär, sagt sie: «Sie stehen am Anfang ihrer Karriere, sind körperlich auf der Höhe und dann fehlt das Publikum.» Hauser musste die 12. Ausgabe des renommierten Zirkusfestivals Young Stage absagen. «Wir sind jedoch Macher», sagt sie und steckt ihre Sonnenbrille im Haar fest. Innerhalb von knapp zwei Wochen lancierte die Eventmanagerin die Circus Camps. Die Website ging am Freitag online, Flyer würden diese Woche an sämtliche Basler Schulen verschickt. 80 Anmeldungen seien bereits eingegangen.

«Das Feedback war überwältigend», sagt Nadja Hauser. Es gelang ihr, die Christoph Merian Stiftung als Unterstützerin des Projektes ins Boot zu holen. Coaches wie die Artistin Nora Zoller oder das Basler Nachwuchstalent Marius Cavin hätten sofort zugesagt.

Die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden sei sehr wohlwollend, sagt auch ihr Projektpartner Beat Läuchli. Er habe gut umsetzbare Ratschläge zur Umsetzung der Schutzmassnahmen erhalten. An zwei zusätzlichen sanitären Einrichtungen zum Händewaschen werde noch gefeilt. Das Mittagessen für die Teilnehmenden werde nicht am Buffet geholt, sondern vom Team serviert. Und zwischen den Zelten werde eine Art Dorfplatz entstehen, sagt der Sportlehrer und gerät ins Schwärmen. Stillstand war gestern.

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