Einkaufszentrum

Clarashopping an Zürcher verkauft – das Haus braucht mehr Kunden

Zürcher Investoren haben das Clarashopping gekauft. Die letzten ansässigen Läden hoffen auf mehr Leben.

Aus 21 mach eins: Die Zürcher Investmentfirma Nova Property Fund Management AG hat das Basler Einkaufs- und Geschäftshaus Clarashopping an der Ecke Greifen- und Rebgasse im Kleinbasel aufgekauft. Zuletzt gehörte die Liegenschaft aus den 1980er-Jahren einer bunten Mischung von Eigentümern: Privatpersonen, Firmen und Pensionskassen.

Die neue Besitzerin zeigt sich von der Akquisition angetan. Von einer «Top-Lage in Kleinbasel», die «ideal» sei für eine Retail-Nutzung, spricht die Medienverantwortliche Sarah Ackermann. Tatsächlich aber ist im Haus selbst zurzeit wenig los. Grösster verbleibender Mieter ist die Kleiderkette H&M, die über Jahre die Flächen ehemaliger Mieter wie Interdiscount, Bodyshop, Champion, Merkur-Café und sogar des verblichenen Citydisc übernommen hat. Daneben belegt die Postfinance eine grössere Fläche.

Von den langjährigen Ladenmietern ist das Reisebüro Travel Point von Roger Berberat verblieben. Dazu gesellen sich ein Shop von Chocolatier Läderach, ein Stoffladen sowie ein paar kleine Boutiquen aus den Bereichen Kosmetik, Kleidung und Handy-Reparatur. Seit zudem Roche 2019 die Büros im Clarashopping geräumt und auf dem eigenen Firmenareal angesiedelt hat, steht zusätzlich eine ausladende Bürofläche leer.

Mehr Innovation dank eines Pop-Up-Projekts

Im einst von Lebhaftigkeit geprägten Geschäftshaus ist es schon lange ruhig. Der Reiseunternehmer und Inhaber von Travel Point, Roger Berberat, ist zugleich Präsident der IG Clarashopping. Er sagt: «Tatsächlich ist die Lage 1a. Aber vorsichtig ausgedrückt hat das Haus in den vergangenen Jahren etwas abgegeben.» Aus Sicht der IG hat die Liegenschaft nach wie vor Potenzial. Es brauche aber mehr Innovation bei Einrichtung und Bespielung sowie einige Investitionen. Denn: «Visuell ist das Haus immer noch vom Stil der Achtzigerjahre geprägt.»

Die IG arbeitet zurzeit an neuen Konzepten für die Bespielung leerstehender Flächen. So ist etwa ein Pop-Up-Restaurant im Obergeschoss in Planung, ebenfalls seien Co-Working-Spaces denkbar. Damit, so Berberat, würde das Haus zu mehr Charakter gelangen. Gleichzeitig könne das Clarashopping wieder attraktiver für neue Mieter aus dem Detailhandel werden. Entsprechend soll sich das Pop-Up-Angebot deutlich von den am Claraplatz ansässigen Schnellverpflegerketten abheben. Grosse Sprünge kann die IG auf eigene Faust allerdings keine machen. «Dafür fehlt es an Kapital», so Berberat.

Von baulichen Eingriffen wollen die neuen Eigentümer zurzeit noch nichts wissen. «Es bestehen keine konkreten Um- und/oder Ausbau-Pläne», schreibt Sarah Ackermann von der Nova Property Fund Management AG. Die Liegenschaft sei für den Swiss Central City Real Estate Fund gekauft worden. Dieser Fonds investiere in Immobilien in Zentrumslagen in der ganzen Schweiz. «Die neue Immobilie passt somit in die Anlagestrategie und ins Portfolio.» Das Kleinbasel ist den Investoren bekannt: Seit Mai 2019 ist die Central Real Estate Holding AG beziehungsweise deren Tochtergesellschaft Central Real Estate Basel AG eines ihrer Mandate. Dabei handelt es sich um just jene Investoren, die den Novartis-Teil des neuen Basler Quartiers Klybeckplus aufgekauft haben.

Claraplatz als Vorteil: Neuer Mix, neues Glück

Für IG-Präsident Berberat steht nun die Aufwertung des Geschäftshauses insbesondere für den Detailhandel im Vordergrund. Sofern die neuen Eigentümer die Liegenschaft dereinst nicht einfach weiterverkaufen wollen oder sogar einen radikalen Schnitt machen: In der Vergangenheit war bereits einmal angedacht, aus dem Clarashopping ein Hotel zu machen.

Vorstellungen, wie die Zukunft aussehen könnte, hat Roger Berberat auch bereits: «Für ein Fitnesscenter oder Arztpraxen wären das 2. Obergeschoss und die Büroflächen darüber ein idealer Standort.» Die Lage an der hochfrequentierten Kreuzung im Kleinbasel spreche für sich. Über die Anpassung der Mietzinse müssen sich die neuen Eigentümer wohl dennoch Gedanken machen. Denn diese stammen wie die Architektur noch aus den goldenen Zeiten des Detailhandels.

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