Herr Eichenberger, die Regierungen von Basel-Stadt und Baselland werden am kommenden Montag eine gemeinsame Strategie präsentieren zur Zusammenarbeit in der Spitalpolitik. Sie sind Chef des grössten Privatspitals der Region. Was erwarten Sie von den Regierungsräten?

Peter Eichenberger: Ich erwarte ein Zukunftsbild, eine Vision, wie die Zusammenarbeit der beiden Kantone bei den öffentlichen Akutspitälern aussehen könnte. Im Frühjahr verkündeten die beiden Gesundheitsdirektoren, dass sie bei den Spitälern enger zusammenarbeiten wollen. In drei, vier Monaten lässt sich kein fixfertiges Konzept ausarbeiten, das bereits klar definiert, welches Spital an welchem Standort künftig welche Leistungen anbieten soll.

Doch wie könnte dieses Zukunftsbild aussehen, das die Regierungen beider Basel vor Augen haben?

Ich bin überzeugt, dass ein wichtiger Pfeiler dieser Strategie die Stärkung der hoch spezialisierten Medizin sein wird, dies am Standort des Universitätsspitals in Basel (USB), aber vielleicht auch am Standort Liestal des Kantonsspitals Baselland (KSBL). Ich rechne damit, dass der Standort Bruderholz umgekrempelt werden soll, sprich: Dass die Gesundheitsdirektoren klar festschreiben, dass auf dem Bruderholz künftig eine Grundversorgung mit einem ambulanten Zentrum angeboten werden wird.

Die Privatspitäler werden in dieser Strategie nicht auftauchen. Ärgert Sie das?

Wir haben immer betont, dass wir gerne an diesen Gesprächen teilnehmen würden. Die Regierungsräte haben uns gegenüber betont, dass in einem ersten Schritt der Einbezug der Privatspitäler nicht vorgesehen sei, man aber auf uns zukommen werde. Wir warten nun auf eine Kontaktaufnahme. Wir haben mit unseren inhaltlichen Schwerpunkten sehr wohl etwas zu bieten, das bei Ausarbeitung einer regionalen Spitalstrategie in die Waagschale geworfen werden kann.

Zum Beispiel?

Das Claraspital könnte mit seinem hoch spezialisierten Bauch- und Tumorzentrum eine noch wichtigere Rolle spielen in der Diskussion um das regionale Angebot in der hoch spezialisierten Medizin. In der Region sind wir als Erbringer spitzenmedizinischer Leistungen ja anerkannt.

Weshalb ist eine solche Anerkennung wichtig?

Es geht auch darum, im Hinblick auf künftige Investitionen festzuhalten, welches Spital sich auf welche Schwerpunkte fokussiert. Die Spezialisierung in der Gesundheitswirtschaft wird weiter zunehmen, das ist quasi der natürliche Lauf der Dinge. Aus meiner Sicht ist es sinnvoll, wenn eine Region ihr Angebot an Spitalleistungen von Spitälern mit klaren Schwerpunkten erbringen lässt.

Weshalb ist im Bereich der Spitzenmedizin eine Koordination unter den Spitäler nötig?

Dort, wo die Fallzahlen kritisch sind im nationalen Vergleich, dort muss es eine Zusammenarbeit geben, um diese Leistungen überhaupt in der Region halten zu können. Das gilt zum Beispiel für die Neurochirurgie, für Organtranspantationen, für Stammzellen-Therapien. Im Bauch- und Tumorbereich, in welchem das Claraspital stark ist, haben wir meines Erachtens genügend Fälle für zwei regionale Standorte, einen öffentlichen und einen privaten. Das gewährleistet dann auch einen gewissen Wettbewerb.

KSBL-Chef Jürg Aebi hat in der bz klargestellt, dass die Konkurrenz nicht zwischen Stadt und Land stattfinde, sondern zwischen öffentlichen und privaten Spitälern. Das muss für Sie wie eine Kampfansage klingen.

Aus Jürg Aebis Aussage lese ich den Wunsch nach einem Schulterschluss zwischen den öffentlich-rechtlichen Spitälern, der ja mit den kommunizierten Kooperationsverträgen bereits initiiert wurde. Ich beurteile die Konkurrenzsituation so: Wir gemeinnützigen Privatspitäler haben uns bereits derart stark spezialisiert, dass wir uns gegenseitig nicht mehr gross auf die Füsse stehen. Deshalb ist der Wettbewerb mit den öffentlichen Spitälern vordergründiger. Aber: Das KSBL steht aber mindestens so stark in Konkurrenz mit dem USB wie zu den Privatspitälern. Schliesslich nimmt auch am USB die Zahl der Baselbieter Patienten stark zu.

Das Claraspital ist seinerseits 2014 eine enge Zusammenarbeit mit der Merian-Iselin-Klinik eingegangen. Existieren Bestrebungen für weitere Kooperationen unter den Privaten?

Wir stehen laufend in Gesprächen mit privaten, aber auch öffentlichen Anbietern. Es bestehen teilweise auch schon Vereinbarungen mit öffentlichen Spitälern, zum Beispiel mit dem Hôpital du Jura, das etwa Bauchpatienten an uns überweist und wir sie vor Ort in der Grundversorgung unterstützen. Wir arbeiten eng zusammen mit dem Gesundheitszentrum Fricktal und seinen Spitalstandorten Rheinfelden und Laufenburg. Aus unserer Sicht macht die strikte Trennung zwischen privaten und öffentlichen Anbietern keinen Sinn.

Baselland kämpft mit stark steigenden Spitalkosten. Gesundheitsdirektor Thomas Weber schliesst als Ultima Ratio eine Einschränkung der Patientenfreizügigkeit nicht aus. Was hiesse das fürs Claraspital?

Nichts. Thomas Weber weiss, dass dies der Kanton Baselland telquel gar nicht tun darf. Das Krankenversicherungsgesetz garantiert die freie Spitalwahl. Etwas kann Baselland aber tun, und das hat Thomas Weber damit implizit wohl gemeint: Er kann die Patientenfreizügigkeit mit dem Universitätsspital Basel einschränken. Dies aber nur, weil das USB einen höheren Tarif (Baserate) als die Baselbieter Spitäler verrechnet. Der Kanton Baselland muss jenen Patienten, die das USB wählen, einen höheren Betrag vergüten, als wenn diese Patienten für dieselbe Behandlung ein Baselbieter Spital wählen. Das ist aus Sicht des Kantons Baselland natürlich unschön, vor allem dann, wenn es um Routine-Eingriffe geht, die in einem Baselbieter Spital – zu einem günstigeren Tarif als am USB – ebenfalls hätten vorgenommen werden können. Das USB könnte eine solche Einschränkung vermeiden, indem es entweder den Tarif nach unten anpasst oder die Differenz zum Tarif der Baselbieter Spitäler selber berappt.

Und was ist mit dem Claraspital?

Das Claraspital verfügt über einen etwas tieferen Tarif als das KSBL. Eine Einschränkung der Patientenfreizügigkeit würde demnach Baselland gar keine Einsparungen bringen, im Gegenteil. Ganz abgesehen davon, dass die Einschränkung für diesen Fall gesetzlich nicht vorgesehen ist. Und das ist mit gutem Grund so.

Was für ein «guter Grund» ist das?

Mit dem per 1. Januar 2012 eingeführten neuen Krankenversicherungsgesetz wurde die freie Spitalwahl beschlossen und dadurch die privaten Spitäler den öffentlichen weitgehend gleichgestellt. Die Kantone sind zwar gleichzeitig Regulatoren im Spitalwesen als auch Eigentümer, doch sollten sich diese beiden Rollen nicht vermischen. Das ist allerdings der Fall, wenn die Kantone die Patientenfreizügigkeit einschränken und damit ihren eigenen Spitälern Patienten zuschanzen.

Wird Baselland also versuchen, die Patientenfreizügigkeit mit dem USB einzuschränken, was für die Baselbieter Patienten hiesse, dass sie eine Zusatzversicherung abschliessen müssen, wenn sie das USB wählen?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Kanton Baselland eine solche Massnahme ergreift. Alleine deshalb nicht, weil man nun wie eingangs erwähnt die Zusammenarbeit intensivieren will.

Regierungsrat Weber sagt, mit einer Verlagerung vom stationären hin zum ambulanten Bereich würden sich Kosten sparen lassen.

Das ist so, allerdings nur dann, wenn teure stationäre Behandlungen durch günstigere ambulante ersetzt werden. Für den Kanton Baselland mit den stark steigenden stationären Behandlungen kann dies eine Sparmassnahme sein, auch deshalb, weil der Kanton an stationäre Behandlungen 55 Prozent bezahlt, aber nichts an ambulante Behandlungen. In vielen anderen Kantonen, darunter auch Basel-Stadt, präsentiert sich ein anderes Bild: Die Zahl der stationären Behandlungen ist stabil, jene der ambulanten steigend. Dies schlägt sich überproportional in steigenden Krankenkassenprämien nieder, eben weil bei ambulanten Behandlungen die Krankenkassen den vollen Betrag tragen müssen.