Borderline
Club-Türsteher bricht einem Gast die Nase – jetzt wurde er wegen Körperverletzung verurteilt

Ein ehemaliger Security-Mitarbeiter des Basler Clubs Borderline verpasste einem Gast einen Kopfstoss und brach ihm damit die Nase. Das Basler Strafgericht verurteilte den Mann am Montag wegen Körperverletzung.

Patrick Rudin
Merken
Drucken
Teilen
Ein ehemaliger Security-Mitarbeiter des Club Borderline wurde am Montag verurteilt.

Ein ehemaliger Security-Mitarbeiter des Club Borderline wurde am Montag verurteilt.

facebook.com

«Theoretisch ist es möglich, dass es so war, wie Sie es schildern. Aber vom Kausalverlauf her ist das schon eine eher ungewöhnliche Geschichte», meinte Einzelrichter René Ernst am Montag im Gerichtsaal.

Für den 36-jährigen ehemaligen Security-Mitarbeiter des Club Borderline an der Basler Hagenaustrasse war das keine gute Nachricht: Das Gericht verurteilte ihn wegen Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 30 Franken. Dies, weil er im Februar 2017 spätnachts einem Gast einen Kopfstoss versetzt und ihm damit die Nase gebrochen hatte. Der 36-Jährige hatte vehement bestritten, den Gast verletzt zu haben.

Man sei wohl im Gedränge zufällig zusammengestossen. Tatsächlich gab es in jener Nacht zuvor eine Schlägerei auf der Tanzfläche, der 36-Jährige musste daraufhin einige Leute vor die Türe stellen. Offenbar war er in jenem Moment gegen halb vier Uhr morgens alleine, die anderen Mitarbeiter standen vor der Türe oder kümmerten sich um die Abrechnung.

Seit jener Nacht bot ihn der Club nicht mehr als Türsteher auf. Der Veranstalter wurde dazu vor Gericht befragt, konnte sich aber an den Vorfall gar nicht mehr erinnern.

Der genaue Ablauf der Auseinandersetzung blieb auch sonst unklar: Ein unbeteiligter Mann wollte dem 36-Jährigen offenbar mitteilen, dass man eh gerade gehen wollte und einen der soeben vor die Türe gestellten "Problemtänzer" gleich mitnehme, daraufhin packte ihn der Security-Mitarbeiter und verpasste ihm den Kopfstoss.

Schlag war vermutlich eine Verwechslung.

«Ich habe ihm auf die Schulter geklopft, und da hat er mich mit der Hand hinten am Hals gepackt und mir den Stoss versetzt», schilderte der Geschädigte am Montag vor Gericht. Der Security-Mitarbeiter habe seinen Fehler wohl rasch bemerkt, denn hinterher habe er ihn gleich auf die Toilette begleitet und sich mit Servietten um das blutüberströmte Gesicht des Opfers gekümmert. «Er hat mir dann auch gleich geholfen. Ihm war wohl klar, dass er Scheisse gebaut hat», meinte der Geschädigte. Schadenersatzforderungen stellte er nicht.

Einiges an der Geschichte blieb allerdings unklar: Das Gericht hörte auch die Freundin des Geschädigten als Zeugin an, diese meinte, die Schlägerei auf der Tanzfläche sei etwa eine halbe Stunde vorher passiert.

Ungeklärt blieb auch der Vorwurf, die Frau sei danach ihrerseits mit ihrer Handtasche auf den 36-jährigen Security losgegangen: Sie betonte, sie habe die Handtasche gar nicht in den Club mitgenommen. Ein Mitarbeiter des Clubs bestätigte allerdings, die Frau habe ziemlich hysterisch herumgeschrieen. Als die Polizei im Club eintraf, hatte sich die Situation allerdings bereits wieder beruhigt. Der Geschädigte mit dem Nasenbeinbruch erstattete schliesslich Anzeige.

Der 36-jährige Angeklagte arbeitete laut seinem Verteidiger seit 18 Jahren in verschiedenen Clubs als Türsteher und sei erfahren.

Inzwischen hat er allerdings aus familiären Gründen den Job gewechselt und arbeitet als Chauffeur. Mit dem Schuldspruch muss er auch Verfahrenskosten von rund 1200 Franken übernehmen und seinen eigenen Anwalt bezahlen. Den Schuldspruch kann er noch weiterziehen.