Alexandra Dill, worüber plaudern wir?

Über Zeit.

Für Sie sicher ein knappes Gut, mit Ihrem Engagement in der Markthalle, in der Politik und als Mutter – Sie haben drei Kinder und drei Stiefkinder.

Absolut. Negativ sehe ich das nicht. Ich kenne Eltern, die sagen: «Ich hätte gerne ein bisschen Zeit für mich.» Klar, ich auch, manchmal kann ich nicht mal alleine aufs WC (lacht). Aber: Ich habe mich für all das bewusst entschieden. Und geniesse die Zeit im Job oder mit den Kindern.

Wie schaffen Sie es, all das so entspannt auf die Reihe zu bekommen?

Das ist meinen Kindern zu verdanken! Oft herrscht die Meinung vor, man müsse sich ein Stück weit aufgeben, wenn man Kinder hat. Ich sehe das anders; Menschen, die noch nicht lange auf der Welt sind, bringen so erfrischende Sichtweisen ein. Von meinen Kindern lerne ich echt viel.

Zum Beispiel?

Mehr den Moment zu geniessen. Mich nicht zu grämen über das Gestern, mir keine Sorgen zu machen, was morgen ist. Gerade, wenn mein Terminkalender voll ist.

Und wenn sich doch ein Zeitfenster für Sie auftut?

Hach, dann nehme ich ein Bad. Mit Duftessenzen und Badesalz – grossartig.

Es ist gerade Mittagszeit. Nehmen Sie sich Zeit für eine Pause?

Ich esse meist in der Markthalle. Eine Pause in dem Sinne ist das nicht, weil ich die Zeit nutze, um zu beobachten: Wie viele Besucher hat es? Wirken sie zufrieden? Ist die ganze Bandbreite von Menschen vertreten, mehr jüngere, mehr ältere, solche im Anzug, Kinder? Dampft es bei einem Stand zu stark? Wo stehen die Leute an?

Wie viele Essenstände stehen derzeit zur Auswahl?

Rund 25. Wir könnten durchaus noch mehr nehmen, Interessenten hat es genug. Aber diese Grösse stimmt für uns.

Welches Food-Angebot fehlt noch?

Ich wünschte mir einen Anbieter von lokaler oder Schweizer Küche.

Und hinsichtlich Spezialmärkten?

Damit bin ich sehr glücklich. Im Februar fand ein Olivenöl-Markt statt, der gut angekommen ist. Wir werden versuchen, noch mehr auf solche Nischen im Bereich Food zu fokussieren. So werden wir in diesem Jahr wieder den Chirsi- und den Öpfel-Tag durchführen. Und erstmals einen Markt mit Wintergemüse, «Kraut und Rüben».

Welches Angebot in der Markthalle mögen Sie persönlich am liebsten?

Die Flohmärkte. Die laufen sowieso mega gut. Ich kaufe zunehmend gebrauchte Dinge ein, nicht nur Kleider. Konsumiere immer bewusster. Hauptsächlich aus ökologischen Gründen. Und weil ich mich nicht über das Materielle definiere. Deshalb arbeite ich auch hier. Woanders könnte ich vielleicht das Doppelte verdienen. Aber mir ist es wichtiger, meine Lebenszeit in sinnvolle Projekte zu investieren.

Trotz Spezial- und Flohmärkten: Zur Mittagszeit scheint die Markthalle immer noch am besten besucht. Sind die Abende nun besser ausgelastet?

Ja, das hat sich deutlich verbessert. Gerade die Abende an den Wochenenden liegen mittlerweile mit den Mittagszeiten gleich auf. Das ist unter anderem Events wie Konzerten oder eben den Nachtflohmärkten zu verdanken.

Dann machen die Standbetreiber sicher mehr Umsatz. In der Vergangenheit wurde die Markthalle AG von ihnen aber immer wieder kritisiert, weil die Mietpreise pro Quadratmeter stetig anstiegen. Wie ist die Stimmung heute?

Sicher besser. Obschon wir die Gebühren vor kurzem nochmals erhöhen mussten, weil auch wir gegenüber der Hausbesitzerin, der Edith Maryon AG, einen hohen Mietzins bezahlen. Zugunsten der Standbetreiber fiel die Erhöhung kleiner aus als vorgesehen – es handelt sich um ein paar Franken pro Quadratmeter. Wenn das für einen Betreiber zu viel wird, weil er noch nicht genug rentabel ist, haben wir ein offenes Ohr und finden immer eine Lösung – zugunsten der Diversität! Wir sind nicht gewinnorientiert, sondern gemeinnützig unterwegs.

Macht die Markthallen AG Gewinn?

Wir kommen gerade so raus, hoffen aber demnächst auf schwarze Zahlen, damit wir reinvestieren können. So träumen wir etwa von einer zweiten Ebene, auch einem besseren Lüftungssystem. Beides enorm teuer.

Die Edith Maryon AG ist vor drei Jahren als Hauseigentümerin eingestiegen. Wie läuft die Zusammenarbeit?

Es herrscht ein guter Austausch. In unserem Mietperimeter sind wir weitgehend autonom. Bei Entscheiden zu Flächen im UG und in den Randbauten der Markhalle, etwa bei der frei gewordenen Fläche des Bächli Bergsport-Ladens, werden wir miteinbezogen.

Sie haben gesagt, diese Fläche soll für Produktion, etwa weitere Küchen, genutzt werden.

Das ist noch nicht sicher. Der Entscheid liegt bei der Hauseigentümerin.

Sie sind nicht nur in, sondern auch ausserhalb der Markthalle aktiv. Die Markthalle AG hat vom Tiefbauamt den Zuschlag für die Organisation der neuen Küchenkarawane erhalten, die an sechs Plätzen in der Stadt rotieren soll. Am 10. Februar war für potenzielle Anbieter Anmeldeschluss. Haben Sie schon eine Auswahl getroffen?

Wir sind da dran, haben tolle Bewerbungen von Food Trucks erhalten. Jetzt müssen wir zusehen, dass sich die ausgewählten sechs gut ergänzen. Auf jeden Fall ist es nach wie vor realistisch, dass wir im Mai loslegen.

Es war ein klares politisches Ziel, diese Plätze – darunter Voltaplatz und Hebelschanze – mit einem Essensangebot zu bereichern. Seit zwei Jahren politisieren Sie selber im Grossen Rat, sind aber noch nicht wirklich aufgefallen. Finden Sie keine Zeit für Vorstösse?

Das ist sicher ein Grund. Und ich musste mich erst mit den politischen Prozessen vertraut machen, das war Neuland für mich, ich komme ja aus der Praxis. Aber gerade hinsichtlich Vorstössen kommt für mich Qualität vor Quantität, die kosten jedes Mal Geld. Ich gehe lieber mit Bedacht vor. Sie werden hinsichtlich Vorstössen aber bald mehr von mir hören.

Zu welchen Themen?

Sie werden sich unter anderem um Klimafragen drehen. In diesem Zusammenhang steht die Frage, wie das Entsorgungssystem in dieser Stadt optimiert werden kann, gerade in Bezug auf Plastikabfälle. Ich brauche aber wirklich noch ein wenig Zeit, diese Vorstösse aufzugleisen.