Opferhilfe beider Basel

Codewort Luisa: Hilfe für sexuell belästigte Frauen in Basler Clubs

In Menschenmengen müssen Frauen immer wieder Berührungen über sich ergehen lassen. (Symbolbild)

Die Opferhilfe beider Basel will im Herbst das sogenannte Luisa-Projekt lancieren. Mit der Code-Frage «Ist Luisa hier?» sollen sich Frauen in Basler Clubs ans Personal wenden können, wenn sie sexuell belästigt werden.

Manche Männer überschreiten im Ausgang die Grenzen. Versuchen sich auf der Tanzfläche, an Frauen zu schmiegen, sie zu küssen oder an den Hintern zu fassen. Mit steigendem Alkoholpegel fallen die Hemmungen, aus lockeren Anmachsprüchen werden ernstzunehmende Belästigungen. Die Opferhilfe beider Basel mag nicht mehr zuschauen, was die Frauen in Basels Nachtleben über sich ergehen lassen müssen. Sie fordert die Clubbetreiber auf, sich dem sogenannten Luisa-Projekt anzuschliessen, das einst in der deutschen Stadt Münster erfunden und in der Schweiz bisher von Zürich und Winterthur adaptiert worden ist.

Die Idee: Belästigte Frauen sollen sich in einem Club oder einer Bar mit der codierten Frage «Ist Luisa da?» ans Personal wenden können, welche so viel bedeutet wie: «Ich werde belästigt und brauche Hilfe». Daraufhin werden die belästigten Frauen in Sicherheit gebracht, wenn nötig ein Taxi nach Hause bestellt und in schwereren Fällen die Kontaktdaten der Opferhilfe mitgegeben.

Bar Rouge hat dem Projekt eine Absage erteilt

Sabine Jackwert von der Opferhilfe beider Basel hofft, dass sich rund zwanzig Clubs dem Projekt anschliessen werden. Die Opferhilfe werde für die Personalschulung verantwortlich sein – schliesslich müssen die Barkeeper wissen, wie sie in den entsprechenden Situationen zu reagieren haben. Im September und Oktober sollen die Plakate gedruckt werden, im November, so der Plan der Opferhilfe, sollten die Medien darüber informiert werden.

Derzeit hätten sich rund ein Dutzend Clubs verpflichtet, mitzumachen – Namen wollte Jackwert aber keine verraten. Einige Clubs stellten sich auf den Standpunkt, dass sie Security-Personal hätten, das geschult sei, auffällige oder angetrunkene Besucher zu erkennen. «Dabei ist ihr Blick vor allem auf diese Gruppe von Menschen gerichtet», sagt Jackwert von der Opferhilfe. Betroffene, vor allem Frauen, würden oft nicht gesehen.

Gleichwohl wollen sich einige Barbetreiber dem Luisa-Projekt nicht anschliessen. Die Bar Rouge etwa hat der Opferhilfe bereits abgesagt, weil sie ihr eigenes Code-Wort-System hat. Manager Martin Kistler sagt, man verfüge über mehrere Sicherheitsvorkehrungen. Das Codewort etwa hängt in den Frauentoiletten der Bar Rouge. Ausserdem achteten die Security-Leute beim Einlass darauf, dass der Anteil der weiblichen und männlichen Gäste ausgeglichen sei. «Es ist nun mal so», sagt Kistler, «dass die Stimmung kippen kann, wenn es zu viele Männer hat, die Jagd auf die wenigen Frauen machen». Am stark frequentierten Wochenende ist es daher in der Bar Rouge gar so, dass die Männer in Frauenbegleitung kommen müssen.

Insofern unterscheide sich sein Club von einigen Orten vor allem in der Steinenvorstadt, die sich in jüngster Zeit wieder zu einer belebten – aber von vielen Frauen gemiedenen – «testosterongeschwängerten» Ausgangsmeile entwickelt habe, wie Kistler sagt.

Die meisten Frauen sind schon mal belästigt worden

Spätestens seit der «MeToo»-Bewegung ist das Thema auch ein Politikum. Die Jungsozialistinnen verschickten vergangene Woche eine Medienmitteilung, in der sie von den Gastrounternehmen Awareness-Konzepte verlangen. «Sie sollen dafür sorgen, dass sich die Frauen im Ausgang sicher fühlen», schreiben die Jungpolitikerinnen.

Mitinitiantin ist Juso-Nationalratskandidatin Jessica Brandenburger. Die Politikerin arbeitet im Club Sud und sagt, das Team sei nicht darauf geschult, die Gäste zu beobachten und in Situationen, die heikel erschienen, lieber einmal zu viel als zu wenig zu fragen. Mitarbeiter kontrollierten alle 15 Minuten die Toiletten.

Brandenburgers Beobachtungen decken sich mit jenen der Opferhilfe. «Ich kenne keine junge Frau, die nicht schon belästigt worden ist – auch wenn es kleine, subtile Dinge sind wie ungewollte Berührungen der Hüfte», sagt Jessica Brandenburger.

Für den Sud-Betreiber David Giger ist klar, dass sein Club dem Aufruf der Opferhilfe folgen werde. «Als Basler Club hat man dazu zu stehen», findet er.

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