Basler Fasnacht
Comité streicht sieben Beizen aus der Schnitzelbank-Route raus

Um Staus in den Beizen zu verhindern, konzentriert das Comité die Schnitzelbank-Route auf die Innenstadt. Damit fallen sieben Beizen aus der Peripherie aus dem Fasnachts-Turnus. Was die Bänkler entlasten soll, ärgert die rausgeworfenen Beizer.

Muriel Mercier
Merken
Drucken
Teilen
Die Schnitzelbänke sind eines der Highlights an der Basler Fasnacht (Bild: Hanslimaa; Basler Fasnacht 2012)

Die Schnitzelbänke sind eines der Highlights an der Basler Fasnacht (Bild: Hanslimaa; Basler Fasnacht 2012)

Nars Kenneth

Jedes Jahr das gleiche Ärgernis an der Basler Fasnacht: Warten, warten, warten - bis die Schnitzelbänke in den Beizen auf die Bühne dürfen. Die Zwangspause kann bis zu 30 Minuten dauern. Ein Ärger für Dr. FMH und Co., denn die Bänkler wollen eigentlich einfach nur ihre Verse singen und das Publikum unterhalten.

Um ihre Pflicht als Comité-Bänkler aber zu erfüllen, müssen alle eine vorgeschriebene Anzahl Auftritte - pro Abend sind es 13 - garantieren. Folge der Warterei: Die Bänke können das vorgegebene Programm kaum in einer nützlichen Zeit absolvieren. Das Publikum, das sich in den Restaurants auf die Auftritte freut, wartet vergeblich, denn oft kommen nicht alle angekündeten Formationen vorbei. Und immer wieder entstehen in einigen Lokalen lange Pausen, was auch bei den Gastronomen Unzufriedenheit aufkommen lässt.

«Bänkler sollen wieder Spass haben»

Nun hat das Schnitzelbank-Comité eine Lösung für das Problem ausgearbeitet. 7 der 24 Lokale werden von der Liste gestrichen: das Alte Warteck, das Restaurant Aeschenplatz, das Swissôtel Plaza, das Hotel Europe, das Häbse-Theater, das Hotel Rheinfelderhof und das Restaurant Rhywyera.

Damit will das Schnitzelbank-Comité drei Parteien eine Freude machen. Erstens: «Die Bänkler sollen wieder Spass an den Auftritten bekommen, weil sie nicht mehr durch die Stadt hetzen müssen», betont Walo Niedermann, Obmann des Schnitzelbank-Comités. Zweitens: Das Publikum muss sich nicht mehr über das Fehlen einzelner Bänke ärgern. Drittens: Die Beizer regen sich nicht mehr auf über Lücken im Programm.

Wie es zur Auswahl der sieben Restaurants kam, ist einfach erklärt: «Es fallen vor allem die Lokale in der Peripherie weg», sagt Peter Burckhardt, Mitglied im Schnitzelbank-Comité. «Die Fasnacht wandelt sich und wir passen uns an.» Früher habe die Basler Fasnacht in der ganzen Stadt stattgefunden -, vom Aeschenplatz über die Steinen bis hin zum Messeplatz. «Heute zentralisiert sich alles in der Innenstadt. Hinter dem Claragraben hört die Fasnacht auf», sagt Burckhardt. Das Comité hat nun seinen Bänklern den Vorschlag zur Problemlösung unterbreitet und diese konnten ihre Meinung dazu sagen.

Reaktionen der Beizer

Christa Weiss, Restaurant Rhywyera: «Dass uns dieser Beschluss nur schriftlich per Brief und nicht mündlich zugetragen wurde, finde ich nicht in Ordnung.»


Beatrix Berchtold, Restaurant Aeschenplatz:
«Wir müssen uns überlegen, ob es noch Schnitzelbank-Abende geben soll. Damit diese rentieren, muss wirklich alles funktionieren. Denn der Aufwand ist jeweils riesig.»


H. J. Hersberger, Häbse-Theater:
«Viele gute Geschäfte sind aus dem Kleinbasel ausgezogen. Nun geht auch die Fasnacht. Als Nächstes soll die Mittlere Brücke für den Verkehr gesperrt werden. Wann wird das Kleinbasel aufgehoben?!»


Susanne Holderegger, Restaurant Zum alten Warteck:
«Da wir noch nicht kontaktiert wurden, höre ich zum ersten Mal davon. Weil wir nicht wissen, wie es Ende September hier weitergeht, ist fraglich, ob wir eine weitere Fasnacht erleben.»


Vincent Di Filippo, Hotel Rheinfelderhof:
«Wir sind sowieso stark in die Basler Fasnacht involviert. Unser Restaurant ist während dieser Zeit meistens voll. Damit können wir zufrieden sein.» (jag/ewi)

Leider fallen beinahe alle Beizen aus dem Kleinbasel weg, wie Burckhardt zugibt. «Heute gibt es nun mal kaum mehr Cliquen, die ihr Domizil im Kleinbasel haben.» Das Schnitzelbank-Comité habe dem Kleinbasel aber lange die Stange gehalten. «Jetzt haben auch wir kapituliert», gibt Burckhardt zu. «Natürlich ist das schmerzhaft.» Im minderen Basel treten die Comité-Bänkler nun nur noch im Café Spitz auf.

Comité rechnet mit Einbussen

Niedermann streitet ab, dass mit der Reduktion der Auftrittsorte eine Exklusivität in den noch verbleibenden 17 Lokalen einziehen soll. Auch, ob der Betrag steigt, den die Restaurants dem Comité bezahlen müssen, wurde nicht besprochen. «Wir werden finanzielle Einbussen haben.»

Wegen der 24 Lokale, die beim Comité bisher unter Vertrag standen, und wegen denen es Stau gibt, wurden in den letzten Jahren keine neuen Restaurants - bis auf den Teufelhof -, die sich beworben hatten, in die Route aufgenommen. Wie die sieben ausgeladenen Beizen auf die Absagen reagieren, weiss Walo Niedermann noch nicht. Die Lokale haben heute - wie auch die Medien - per Brief die Information erhalten. Fakt ist aber, dass in den sieben Lokalen weiterhin Bänke von noch bis zu drei anderen Gesellschaften auftreten werden.