Basel-Stadt
Conex 2015: Soldaten tauschen Tarnanzug gegen weissen Kittel

Am Mittwoch startet die Volltruppenübung Conex der Schweizer Armee. 1000 Soldaten sind in Muttenz und Birsfelden im Einsatz. 150 Soldaten dienen im Unispital, viele davon als Pfleger und Pflegehelfer.

David Egger
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Ein Schriftzug an einem Container ruft zu einer Demo gegen die Truppenübung Conex 15 auf.

Ein Schriftzug an einem Container ruft zu einer Demo gegen die Truppenübung Conex 15 auf.

Keystone/Georgios Kefalas

Sind sie Wölfe im Schafspelz oder doch nur Schafe im Wolfsgewand? Diese Frage entzweit derzeit Basel. Die Rede ist von den 5000 Soldaten, die ab heute bis 25. September in der Nordwestschweiz dienen. Oder wie es die Armee formuliert: in der Ter Reg 2. Die Soldaten simulieren Einsätze, deren theoretischer Überbau ein zerfallendes Europa ist, in dem zum Beispiel Getreidevorräte geplündert werden. Solche Szenarien haben im Vorfeld für viel Kritik gesorgt. Vor allem, weil darin auch «grössere Flüchtlingsströme» vorkommen, die in Richtung Schweiz ziehen.

An der gestrigen Medienkonferenz im Stadtsaal von Zofingen gab die Armee vor rund 20 Journalisten weitere Informationen zur Volltruppenübung Conex zu Protokoll. Und versuchte dabei zu beschwichtigen. Das krasse Szenario eines zerfallenden Europas werde überbewertet, so die unterschwellige Botschaft. Es wurde schon vor Jahren entworfen und sei nicht Inhalt der einzelnen Übungen. «Wenn man so eine grosse Übung plant, muss man dafür irgendeine Ausgangslage schaffen. Diese Ausgangslage basiert auf einem absolut fiktiven Szenario», sagte Divisionär Andreas Bölsterli, Kommandant der Territorialregion 2.

Nur 150 Soldaten auf Stadtgebiet

Hört man den Militärs zu, wirkt Conex in der Tat nicht wie das regimegenerierte Kriegsspiel, als das es von den Kritikern verschrien wurde. Vor allem nicht in Basel-Stadt: Hier ist die Armee nur im Unispital tätig. Und zwar hauptsächlich in weissen Kitteln, wie Kai Tisljar erklärt, Kommandant des Spitalbataillons 75. Im zivilen Leben arbeitet er als Arzt fürs Unispital. Rund 150 Mitglieder seines 300 Personen zählenden Bataillons werden in den nächsten Tagen im Unispital im Einsatz sein. Ein grosser Teil davon als Pfleger oder Pflegehelfer – nicht in Tarnanzügen, sondern in Weiss. Vom gewöhnlichen Personal unterscheiden sich die Soldaten durch einen Badge auf der Brust. Der Badge weisst die Soldaten als Armeeangehörige aus. Patienten und Spitalpersonal wurden über den Armee-Einsatz informiert.

Armee wird Uni-Spital nicht bewachen

Die restlichen Mitglieder des Spitalbataillons werden zum Beispiel als Elektriker, Koch oder in der Logistik eingesetzt. Das Bataillon wird allerdings nicht das Spital bewachen, denn dieses habe einen eigenen Sicherheitsdienst, so Kommandant Tisljar. «Wir haben das Spital gefragt, wo es Unterstützung brauchen kann. Und in diesen Bereichen leisten wir unseren Einsatz.» Das Übungsszenario für den Spitaleinsatz geht von einer Ausnahmesituation aus, in der sehr viele Patienten anfallen, wie zum Beispiel bei einer Pandemie.

Manche Soldaten müssen schauspielern

Weniger friedlich ist das Conex-Szenario für zwei wichtige Orte am Rhein. Am Auhafen Muttenz und beim Kraftwerk Birsfelden leisten insgesamt 1000 Soldaten ihren Einsatz. Die Aufgabe dieser Infanteristen ist es, an diesen Orten das Eindringen Unberechtigter zu verhindern. So ist das Hafengelände zwar durch einen Zaun abgeschirmt. An den Eingangstoren sowie bei den Gleiszugängen werden allerdings Eindringlinge lauern, die von Soldaten gespielt werden. Bei diesem Rollenspiel sind auch Schiedsrichter im Einsatz. Diese Experten der Armee bewerten die Abwehrarbeit der Soldaten.

Trotz der speziellen Situation würden die Rheinhäfen in ihrem Betrieb nicht eingeschränkt, versicherte der für diesen Teil zuständige Oberstleutnant Matthias Laube. Auch die Fuss- und Velowege am Rhein seien während der gesamten Conex-Übung stets passierbar. An der Grenze vom Baselbiet zu Frankreich, zwischen Allschwil und Kleinlützel, helfen Soldaten dem Grenzwachtkorps bei den Kontrollen. Diese Teilübung wurde bereits im August einmal durchgeführt. Diese Woche wird sie wiederholt. Die Einsatzleitung des Grenzwachtkorps zeigte sich gestern zufrieden mit dem Einsatz der Soldaten. Auch bei der Bevölkerung seien die gemeinsamen Kontrollen gut angekommen. So seien die Soldaten mit Gipfeli und Baguettes beschenkt worden.

Russische Militärs besuchen Conex

Gerne hätte die Armee die Conex-Übung zusammen mit der deutschen Bundeswehr und den Forces armées françaises durchgeführt. Diese sagten jedoch ab. Es habe einfach zeitlich nicht gepasst, erklärte Kommandant Bölsterli gestern. Eine internationale Zusammenarbeit kam aber zustande: So fungiert das deutsche Pendant zum Schweizer Zivilschutz – das Technische Hilfswerk (THW) – während der Conex als Partner der Schweizer Armee. Weitere Partner in der gesamten Nordwestschweiz sind Teile von Polizei Feuerwehr, Zivilschutz, Sanität und SBB.

Armeebeobachter aus anderen Ländern sind ebenfalls vor Ort: Delegationen aus Portugal, Rumänien und Russland werden die Schweizer Armee im Rahmen der Conex besuchen. Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise könnte dies für zusätzliche Kritik sorgen.

Neue Europäische Bewegung kritisiert Conex

Die Kritik am fiktiven Szenario, das am Anfang der Volltruppenübung steht, reisst derweil nicht ab: Gestern meldete sich die Neue Europäische Bewegung Schweiz (NEBS) zu Wort. Die überparteiliche Organisation schreibt in ihrer Mitteilung: «Horrorszenarien eines zerfallenden Europas festigen die Grenzen in unseren Köpfen. Wir werden auch nur dasjenige Europa erhalten, dessen Bild wir entwerfen und in die Köpfe junger Rekruten pflanzen.»

Widerstand mit Peace-Fahnen

Das Bündnis Grüne Basta hat vor Wochenfrist dazu aufgerufen, Peace-Fahnen aus dem Fenster zu hängen. Verschiedene linksgerichtete Organisationen werden am Freitag auf dem Claraplatz und am Samstag auf dem Barfüsserplatz gegen die Conex demonstrieren. Sollte es an den Demos zu Zwischenfällen kommen, ist die Polizei zuständig. Dies gilt auch dann, falls Aktivisten eine der Übungen sabotieren sollten.

Die Armee warb an der Pressekonferenz auch für die Conex-Expo, die vom 19. bis 22. September in Muttenz stattfindet. Ab Bahnhof Muttenz verkehren Shuttlebusse zur Militär-Ausstellung auf dem Feldreben-Areal.