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Conrad E. Müller: «Das Kinderlachen wird mir fehlen»

Sieben Jahre lang war Conrad E. Müller Direktor des Universitäts-Kinderspitals beider Basel (UKBB). Ein Gespräch über Wartezeiten im Notfall, Parkplätze und wieso Patienten im Kindesalter mehr Zeit und Personal brauchen.

Annika Bangerter
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Der 59-jährige Conrad E. Müller übernimmt nach der Leitung des Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) mit der Klinik Hirslanden Zürich das grösste Privatspital der Schweiz.

Der 59-jährige Conrad E. Müller übernimmt nach der Leitung des Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) mit der Klinik Hirslanden Zürich das grösste Privatspital der Schweiz.

Roland Schmid

Herr Müller, nach dem Umzug des UKBB sagten Sie in einem bz-Interview, dass Sie das Kinderspital «noch mehr zum Glänzen bringen» wollen. Verlassen Sie nun ein Schmuckstück?

Conrad E. Müller: Ja, definitiv. Ich verlasse ein schön gebautes Spital mit hoch motivierten Mitarbeitenden. Unsere Qualität wurde national ausgezeichnet, und auch die Eltern sind gemäss der Umfragen zufrieden mit unseren Leistungen. Mit unseren fünf Schwerpunkten in der hoch spezialisierten Medizin – Neugeborenen- und Lungenmedizin, Viszeralchirurgie, Kinderorthopädie und Onkologie – strahlen wir weit über die Nordwestschweiz hinaus. Für Behandlungen in diesen Bereichen reisen Kinder aus der ganzen Schweiz an.

Dennoch war an der UKBB-Medienkonferenz von grossen Herausforderungen die Rede.

Die Kindermedizin wird immer noch mit demselben System wie die erwachsene Akutmedizin abgegolten. Das ist ein grosses Problem für uns, denn die Behandlung von Kindern braucht viel mehr Zeit und Personal als jene von Erwachsenen. Einem Vierjährigen eine Tablette zu geben oder von seinem Arm ein Röntgenbild anzufertigen, kann schnell einmal eine halbe Stunde dauern. Neben diesen finanziellen Fragen braucht das UKBB vor allem noch eine Lösung für die Parkplatzproblematik.

Was für Möglichkeiten gibt es?

Eine Option ist, dass wir auf unserem kleinen Stück Land direkt vor dem Eingang zusätzliche Parkplätze kreieren. Dazu müssen wir die Rabatten verkleinern, was bis zu acht neue Parkplätze ermöglicht. Diesen Umbau können wir aber erst machen, wenn das Gebäude der Life Science fertig ist. Für den Bauplatz wird ein Stück Land von uns benötigt. Auch der Kanton prüft verschiedene Möglichkeiten. Mit dem Bau des Life-Science-Turms benötigt das Quartier sowieso zusätzliche Parkplätze. Wir sind auf die Unterstützung angewiesen. Mittlerweile haben wir pro Jahr 34 000 Besucher auf der Notfallstation. Mit neun Parkplätzen vor dem Haus funktioniert das nicht.

Neben den Parkplätzen werden die Wartezeiten im Notfall bemängelt. Wie lange dauert es, bis ein Patient behandelt wird?

Seitdem wir im Neubau sind, arbeiten auf unserem Notfall Kinderärzte, die sonst eigene Praxen führen. Das ist vor allem in unseren Spitzenzeiten wie am Wochenende der Fall. Diese Zusammenarbeit läuft sehr gut. Wer auf den Notfall kommt, wird von einer ausgebildeten Pflegeperson empfangen. Sie entscheidet, wie dringend der Fall ist. Dafür gibt es ein Stufenmodell. Für jede Stufe definierten wir eine maximale Wartezeit. Es kann vorkommen, dass ein leichter Fall an einem Wochenende zwei Stunden warten muss, bis ein Arzt das Kind anschaut. Ich habe grosses Verständnis, dass die Behandlung ihres Kindes für die Eltern dringend ist. Aber wir müssen Prioritäten setzen.

Neben dem Umzug des UKBB haben Sie auch die Verselbstständigung des Kinderspitals erlebt. Wieso gehen Sie jetzt, wo die turbulentesten Zeiten vorbei sind?

Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Aber ich bewege gerne Dinge – und das Kinderspital ist inzwischen sehr gut positioniert. Es ist eine Herausforderung für mich, mit der Zürcher Hirslanden-Klinik das grösste Privatspital der Schweiz zu übernehmen.

Vor Ihrem Wechsel hagelte es Kritik wegen Personalengpässen und überlasteten Angestellten. Haben Sie deshalb das Angebot angenommen?

Nein, da besteht kein Zusammenhang. Die Anfrage der Hirslanden-Klinik erhielt ich Anfang Juli. Das war noch vor der Baz-Kampagne, die eine Überlastung auf der Intensivstation thematisierte. Das ist aber ein Problem vieler Spitäler. Wir waren erstaunt, dass dies nur am Beispiel des UKBB beleuchtet wurde.

Wie ist die Situation auf der Intensivstation des UKBB heute?

Aktuell haben wir keine Engpässe. Diese können aber schnell wieder auftauchen: Es reichen Krankheitsfälle oder Mitarbeitende, die ihr Pensum reduzieren. Diese Problematik kennen alle Spitäler: Es gibt in der gesamten Schweiz zu wenig Intensivpflegende.

Aktuell ist der Entscheid der UPK umstritten, die Kinder- und Jugendpsychiatrie auf ihrem Areal zu bauen. Braucht es die Nähe zum UKBB?

Wir arbeiten eng mit den Kinderpsychiatrien in beiden Basel zusammen. Zudem gibt es im UKBB eine psychosomatische Abteilung. Dort sind dieselben Ärzte im Einsatz, die in den beiden Kinderpsychiatrien arbeiten. Für uns ist die Nähe zu unseren Partnern wichtig. Ideal wäre eine räumliche Nähe der Infrastrukturen. Ist dies nicht möglich, dann braucht es eine Alternative. Wichtig ist, dass das Projekt nicht hinausgeschoben wird.

Diese Woche haben Sie Ihren letzten Arbeitstag am UKBB. Was werden Sie vermissen?

Viele Mitarbeitende des UKBB wurden zu Freunden. Sie werde ich vermissen. Fehlen wird mir auch das Kinderlachen; der kleine Junge, der einen trotzig anschaut oder das kleine Mädchen, das dem Bär ein Bonbon gibt. Die sieben Jahre am UKBB waren eine spannende Zeit, die ich nie missen möchte.

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