Der Bisherige

Conradin Cramers Erfolg: Weniger Schüler am Gymnasium

Conradin Cramer (LDP) möchte im Oktober erneut in den Basler Regierungsrat gewählt werden.

Conradin Cramer (LDP) möchte im Oktober erneut in den Basler Regierungsrat gewählt werden.

Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer verfolgt weiter den Kurs seines Vorgängers und macht sich damit nicht nur Freunde. Zudem erlebte er im März dieses Jahr seinen schwierigsten Moment.

Conradin Cramer steht zwischen den neuen Primarschülerinnen und -schülern. Es ist ein besonderes Jahr für den Erziehungsdirektor, der seit 2017 jeweils im August die neuen Schulkinder begrüsst. In drei von vier Jahren trug er zu diesem Anlass seine typische rote Krawatte. Dieses Jahr komplettierte eine weisse Stoffmaske mit schwarzen kleinen Baslerstäben das Outfit.

Cramers Vorgänger im Erziehungsdepartement ist sein Parteikollege und heutiger Nationalrat Christoph Eymann. Dieser krempelte in seinen 16 Jahren als Regierungsrat das Basler Schulsystem um: weg von Orientierungs- und Weiterbildungsschule, hin zu Harmos. Die Reform machte den LDP-Politiker beliebt bei den Lehrpersonen.

Auf der Spur seines Vorgängers

Gleichzeitig trieb er die Einführung der integrativen Schule sowie die Schulraumerweiterung im Stadtkanton voran. Besonders von Letzterem profitiert auch Cramer, der das umgebaute Gymnasium Bäumlihof sowie das Schoren-Schulhaus eröffnen durfte – dankbare Medienauftritte.

Die kritischen Basler Wählerinnen und Wähler könnten also behaupten, Cramer habe sich in ein gemachtes Nest setzen können. Und sie lägen damit nicht falsch. Der 41-Jährige beschäftigte sich in den vergangenen vier Jahren seiner ersten Legislatur vorwiegend mit der Feinjustierung. Den Kurs seines Vorgängers behielt Cramer mehrheitlich bei. Kein Wunder lautet der Wahlslogan «Erfahrung, Verlässlichkeit und Stabilität»: Cramer und seine drei bürgerlichen Mitstreiter – Baschi Dürr, Lukas Engelberger und Stephanie Eymann – verweisen bei jeder Gelegenheit darauf.

Niedrige Gym-Quote als grosses Ziel

Als Erziehungsdirektor zeigt sich Cramer gerne volksnah: Zwar immer mit Krawatte, Hemd und Jackett gekleidet, aber er ist sich nicht zu schade, im Kostüm an der Schulfasnacht teilzunehmen. Während er sich auf dieser Stufe vor allem für die Erweiterung der Tagesstruktur starkmachte, gehörte die im schweizweiten Vergleich hohe Gymnasialquote zu den angestrebten Veränderungen. Von anfangs 48 Prozent konnte er das Verhältnis auf 34,5 Prozent in diesem Jahr senken. «Eine zu hohe Gymnasialquote dient niemandem», sagte Cramer zu dieser Zeitung. Gleichzeitig schnitt der Kanton in nationalen Schulvergleichen stets auf dem letzten Platz ab.

Um den Maturaabschluss nicht weiter zu entwerten und die berufliche Ausbildung zu fördern, führte er das so genannte Notenband als ein. Seit Sommer 2018 sind die Klassendurchschnittsnoten an Sekundarschulen zwischen 4 und 5 zu halten. Das sei eine intensive Phase gewesen, sagt Cramer heute. Etliche Basler Lehrpersonen kritisierten seinen Entscheid. Cramer räumte damals gegenüber der bz ein, er suche normalerweise den Dialog: «Bei diesem Anstieg aber war der Zeitdruck gross.» Er habe gewusst, dass er einen «unpopulären Entscheid» getroffen hatte.

Bereits 2019 konnte Cramer dann mitteilen: «Aufgrund der aktuellen Zahlen dürfen wir davon ausgehen, dass mehr junge Leute dort zur Schule gehen, wo sie ihren Leistungen entsprechend bestmöglich gefördert werden können.»

«Es war prägend für alle, die dabei waren»

Aus seinen ersten vier Jahren als Regierungsrat sticht für Cramer der März 2020 heraus: «Die Schulschliessung aufgrund der Coronapandemie war eindeutig der schwierigste Moment für mich.» Bis zuletzt habe er dies nicht kommen sehen. Cramer: «Es war prägend für alle, die dabei waren. Die Gewissheit, dass die Schule immer stattfindet, wurde erschüttert.»

Der Wahlkampf, den Conradin Cramer vor vier Jahren führte, sei «radikal anders» als der jetzige: «Eigentlich würde ich möglichst viele Leute treffen wollen, ihnen die Hand schütteln, ihnen auf die Schulter klopfen. Das fällt dieses Jahr komplett weg. Der Wahlkampf verlagert sich ins Virtuelle.» Gleichzeitig habe er als Bisheriger eine andere Ausgangslage. Mit seinem Leistungsausweis der vergangenen vier Jahre sei er zufrieden. Bewusst habe er bei seiner Wahl keine grossen Versprechen gemacht, die er nicht habe einhalten können. Er fügt an: «Wir werden sehen, ob die Wählerinnen und Wähler es auch so sehen.»

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