Klassenzimmer sind in Basel-Stadt Mangelware. Auch wenn der Kanton seine Mittel für Schulraumplanung vor zwei Jahren noch einmal um rund 100 Millionen Franken aufgestockt hat, ein Überschuss an Klassenzimmern ist nicht in Sicht. Denn die Stadt wächst, auch am Sockel demographischen Pyramide. Doch beim Basler Erziehungsdepartement will man nicht ins Blaue hinaus zusätzliche Schulhäuser bauen.

Zu Beginn des Schuljahres kommt es deshalb zu einem Paradigmenwechsel, der Kanton setzt verstärkt auf die Karte Container, wie Recherchen zeigen. Diese sollen in Zukunft nicht nur dann eingesetzt werden, wenn ein Schulhaus umgebaut wird, sagt Schulraumkoordinator Thomas Riedtmann: «Ab Schuljahr 2018/19 nutzen wir unsere temporären Schulbauten erstmals auch zum Brechen von Bedarfsspitzen. Dabei handelt es sich um jene Modulbauten, die dem Kanton gehören.» Die Container stehen derzeit noch beim Bäumlihofschulhaus, werden dort aber nach Abschluss der Renovation nicht mehr gebraucht. Nun kommen sie zum Gotthelf- und zum Neubadschulhaus, wie dem Kantonsblatt zu entnehmen war.

Eigene und gemietete Container

Denn neben den mobilen Klassenräumen, die der Kanton besitzt, benutzt Basel-Stadt derzeit auch noch gemietete Container. Die gekauften waren bisher im Einsatz, wenn ein Schulhaus vorübergehend nicht zur Verfügung stand, weil es gesamtsaniert wurde. Die Gemieteten stehen derzeit auf der Voltamatte, bis das Lysbüchelschulhaus gebaut werden kann.»

Was nun als Notlösung daherkommt, findet breiten Anklang. Joël Thüring, SVP-Grossrat und Mitglied der Bildungs- und Kulturkommission sagt: «Das macht Sinn. Diese Container erfüllen ihren Zweck vollumfänglich, insbesondere dann, wenn die langfristige Entwicklung beim Bedarf nicht klar abzusehen ist.» Dem stimmt Riedtmann vollumfänglich zu. Dort, wo die Stadt wächst, die Zahl der Kinder also nachhaltig ansteigt, macht temporärer Schulraum dagegen wenig Sinn: «Dass wir auf dem Lysbüchel ein neues Schulhaus bauen, hat mit mehrjährigen deutlichen Anstieg der Schülerzahlen in St. Johann/Volta zu tun.

Hier geht es nicht darum Spitzen zu brechen, wie etwa im Neubad oder beim Gotthelfschulhaus, wo wir Modulbauten aufstellen wollen. Im Lysbüchel, auf dem Wolf und irgendwann einmal auch im Klybeck entsteht neuer permanenter Schulraumbedarf, da braucht es auch neue Schulhäuser.» Widerstand gegen die Pavillonbauten ist in Basel nicht in Sicht. Thüring erzählt, er sei selbst auch einmal in einem Container zur Schule gegangen, und habe daran keine unangenehmen Erinnerungen. Ausserdem seien die Container, die heute im Einsatz stünden, noch einmal von ganz anderer Qualität als jene, die man vor 20 Jahren verwendet habe.

Das sagt auch Riedtmann, der das Wort «Container» schon gar nicht mehr in den Mund nehmen mag: «Bei diesen Modulbauten handelt es sich längst um hochmoderne mobile Schulbauten, die absolut gleichwertig zu fest gebauten Klassenzimmern sind. Darum nennen wir sie auch nicht Container, sondern eben temporäre Schulraum.»

Nur wenig Kritik

Es gebe hin und wieder Misstrauen, wenn eine Containerlösung angekündigt werde. Aber wenn die Kinder, Lehrkräfte und Eltern die Räume einmal von Innen gesehen hätten, dann schwinde dieses. Der Schweizerische Lehrerverband hatte sich in den letzten Jahren immer wieder kritisch zu Container-Lösungen geäussert. Sie brächten eine Verschlechterung der Arbeitsbedinungen mit sich. Doch meist steht ein ganz anderes Thema im Fokus der Kritik an Container-Schulbauten. Nämlich, dass durch die provisorischen Bauten Grünflächen oder Pausenplätze zugestellt werden. Aus genau diesem Grund ist dem Kanton Basel-Stadt auch daran gelegen, dass das «Containerdorf» auf der Voltamatte möglichst rasch wegkommt.

Es stellt wertvolle Grünfläche zu. Der Baubeginn hängt hier nicht zuletzt auch vom Grossen Rat ab, derzeit beschäftigen sich gleich zwei Kommissionen mit dem Geschäft. Widerstand gegen das schulhaus und die geplanten Wohnnutzungen auf dem Lysbüchelareal kommt vor allem vom Gewerbeverband, der um Gewerbeflächen bangt. Doch nicht nur der Bedarf nach Grünfläche spricht für eine rasche Lösung auf der Voltamatte.

Die Container, hier handelt es sich ja eben um zugemietete, kosten eine siebenstellige Summe im Jahr. Eigene Klassenräume mobiler Natur besitzt Basel insgesamt 132. Diese verteilen sich auf zwölf zweigeschossige Bauten mit je vier Klassenzimmern und sieben Dreigeschossige Bauten mit je sechs Klassenzimmern. Das sind eben jene Bauten, die nun auch in Zukunft Basler Schülerinnen und Schüler beherbergen werden.