Strahlend betritt Lukas Engelberger das Vorzimmer des Grossratssaals. Applaus von den Bürgerlichen, Glückwünsche allenthalben. Doch gewählt ist der CVP-Mann noch nicht. Im Raum stehen auch Eduard Rutschmann von der SVP und Martina Bernasconi von den Grünliberalen - und strahlen. Und auch sie dürfen sich über Gratulationen freuen. Bernasconi ist in der Tat ein Achtungserfolg geglückt: Mit 16'000 Stimmen liegt sie nach dem ersten Wahlgang lediglich knappe 3000 Stimmen hinter dem Favoriten Engelberger.

Und Rutschmann? Der meint: «Ich bin froh ist es vorbei, es macht müde, ich habe doppelt so viel Schlaf gebraucht wie sonst. Ich hätte nach dem Mittagessen immer pennen gehen können.» Er, der für die SVP in letzter Sekunde einsprang, nachdem der ursprüngliche Kandidat abgesprungen war, hat gut 8'000 Stimmen geholt. Viel zu wenig um eine Chance im zweiten Wahlgang zu haben, aber immerhin.

Bernasconi will noch mal

Bernasconi dagegen ist sich sicher, sie will noch einmal antreten, sieht ihre Chancen am 22. Juni im zweiten Wahlgang gewählt zu werden gar «bei 50 Prozent». Nicht ganz so euphorisch ist ihr Parteipräsident, David Wüest-Rudin: «Das müssen wir uns nun überlegen.» Das Resultat zeige das Potenzial der Grünliberalen. Aber: «Nun, man muss sich schon überlegen, was heisst das für die Parteikasse und für unsere Leute, ein Wahlkampf ist immer teuer und das sind die Überlegungen, die wir uns nun machen müssen.»

Und in einem zweiten Wahlkampf gibt es keine Abstimmungsvorlagen, die die Wähler an die Urne locken. Insbesondere viele Linke dürften sich dann überlegen, zu Hause zu bleiben. Sie waren es wohl zu einem grossen Teil, die Bernasconi zu ihren Stimmen verhalfen. Hinzu kommen jene 2000 Stimmberechtigten, die ihre Wahlzettel leer einlegten und so das absolute Mehr nach oben verschoben. Dieses wird am 22. Juni keine Rolle mehr spielen.

Erwartungen nicht enttäuschen

Aber Wüest-Rudin sieht sich auch in einem gewissen Zugzwang: «Wir müssen uns schon überlegen, wie das bei den Wählern ankäme, würde man nun sagen, wir ziehen uns zurück und Engelberger ist sozusagen in stiller Wahl gewählt.» Das würde wohl viele Leute enttäuschen.

Marcel Schweizer, Präsident des Gewerbeverbandes ist hier schon etwas weiter mit seiner Planung und entschlossener in seinen Absichten: «Im zweiten Wahlgang werden die Karten immer neu gemischt. Ich bin zuversichtlich, dass Lukas Engelberger hier reüssieren wird und wir werden ihn als Gewerbeverband sicher auch im zweiten Wahlgang unterstützen.» Tipps für Engelberger habe er keine, meint der ehemalige FDP-Gemeinderat von Riehen. Aber auch er anerkennt, dass Martina Bernasconi einen beachtlichen Stimmenanteil für sich beanspruchen konnte.

Riehen war Bernasconi nicht grün

So beachtlich offenbar, dass auch ihr Parteipräsident nicht damit gerechnet hatte: «Ich habe gehofft es werden über zehntausend Stimmen. Ich hätte nicht erwartet, dass es 15 000 werden.» Nur in Riehen, im Heimatdorf von Eduard Rutschmann gelang es ihm, Bernasconi vom zweiten Platz zu verdrängen, wenn auch nur ganz knapp. Aber auch Rutschmann will noch nichts ausschliessen. Die Strategie werde von der Parteiführung festgelegt, von der er nur «ein kleiner Teil» sei, sagt der SVP-Vizepräsident. Und freut sich darüber, dass noch nie vor ihm ein SVP-Kandidat so viele Stimmen geholt hat bei einer Regierungsratswahl wie er. Überhaupt: Hätte nur Riehen die Regierung gewählt, wäre der Fall klar gewesen. Hier war Engelbergers Vorsprung deutlich grösser, als in der Stadt. Die Landgemeinde zeigte wieder einmal, dass sie deutlich bürgerlicher ist, als Basel.

Die Basler jedenfalls dürfen sich freuen: In den nächsten Wochen werden erneut Wahlplakate aufgehängt und der Duft von brutzelndem Fleisch wird in die Nasen steigen: Bereits am nächsten Samstag gibt es auf dem Barfüsserplatz Engelbergers «Burger für Bürger». Und falls Eduard Rutschmann wieder Glacé verteilt, stimmt nun wenigstens das Wetter. Das letzte Mal regnete es in Strömen bei 10 Grad.

Klar auf Platz eins, aber doch mit einem eher überraschend knappen Abstand zur Verfolgerin. Auf was führen Sie das zurück? Der erste Platz ist für mich das wichtigste an diesem Zwischenergebnis, die etwa 41 Prozent sind am oberen Rand meiner Erwartungen, das motiviert mich und ich möchte mich bei allen Leuten, die mich gewählt haben, bedanken. Ich glaube, es ist eine gute Ausgangslage für den zweiten Wahlgang. Täuscht der Eindruck, dass es vor allem eine Mann-Frau-Abstimmung war? Ich bin nicht so sicher, ob es wirklich eine Mann-Frau-Ausmarchung war. Wenn man die Stimmenverhältnisse anschaut, dann habe ich deutlich mehr Stimmen gemacht als die Parteien, die mich unterstützen. Die SVP ist nicht dabei, die GLP ist nicht dabei, die Rot-Grünen-Parteien sind nicht dabei, das heisst, ich habe auch Wähler über die Grenzen hinaus - nach Links Stimmen gemacht. Wenn mich flächendeckend Frauen nicht gewählt hätten, wäre ich nicht auf ein so gutes Resultat gekommen. Ich denke, es ist eher eine Links-Rechts-Frage geworden. Die SP und das Grüne Bündnis waren nicht mit eigenen Kandidaturen an der Wahl und deshalb haben wohl viele von ihnen Frau Bernasconi gewählt. Was bedeutet das für den zweiten Wahlgang? Ich bin optimistisch für den zweiten Wahlgang. Es wird da verstärkt um die Mobilisierung gehen, es gibt keine Sachabstimmung, die uns das abnimmt, darum wird man mobilisieren müssen und deshalb ist die Ausgangslage gut für mich, weil es doch viele Leute gibt, die es wichtig finden, dass es einen dritten, bürgerlichen Sitz in der Regierung gibt, auch in der Kontinuität mit Carlo Conti. Ich bin deshalb optimistisch, dass wir gut mobilisieren können.

Lukas Engelberger

Klar auf Platz eins, aber doch mit einem eher überraschend knappen Abstand zur Verfolgerin. Auf was führen Sie das zurück? Der erste Platz ist für mich das wichtigste an diesem Zwischenergebnis, die etwa 41 Prozent sind am oberen Rand meiner Erwartungen, das motiviert mich und ich möchte mich bei allen Leuten, die mich gewählt haben, bedanken. Ich glaube, es ist eine gute Ausgangslage für den zweiten Wahlgang. Täuscht der Eindruck, dass es vor allem eine Mann-Frau-Abstimmung war? Ich bin nicht so sicher, ob es wirklich eine Mann-Frau-Ausmarchung war. Wenn man die Stimmenverhältnisse anschaut, dann habe ich deutlich mehr Stimmen gemacht als die Parteien, die mich unterstützen. Die SVP ist nicht dabei, die GLP ist nicht dabei, die Rot-Grünen-Parteien sind nicht dabei, das heisst, ich habe auch Wähler über die Grenzen hinaus - nach Links Stimmen gemacht. Wenn mich flächendeckend Frauen nicht gewählt hätten, wäre ich nicht auf ein so gutes Resultat gekommen. Ich denke, es ist eher eine Links-Rechts-Frage geworden. Die SP und das Grüne Bündnis waren nicht mit eigenen Kandidaturen an der Wahl und deshalb haben wohl viele von ihnen Frau Bernasconi gewählt. Was bedeutet das für den zweiten Wahlgang? Ich bin optimistisch für den zweiten Wahlgang. Es wird da verstärkt um die Mobilisierung gehen, es gibt keine Sachabstimmung, die uns das abnimmt, darum wird man mobilisieren müssen und deshalb ist die Ausgangslage gut für mich, weil es doch viele Leute gibt, die es wichtig finden, dass es einen dritten, bürgerlichen Sitz in der Regierung gibt, auch in der Kontinuität mit Carlo Conti. Ich bin deshalb optimistisch, dass wir gut mobilisieren können.

Warum haben Sie so viele Stimmen erhalten? Ich bin seit 18 Jahren in der Basler Politik. Ich glaube, die Bevölkerung hat das wahrgenommen. Meine Kampagne in den letzten zwei Monaten war sehr gut. Das Resultat ist auch ein klares Zeichen dafür, dass Basel reif ist für eine zweite Frau im Regierungsrat. Vor allem das letztere war wohl sehr wichtig. Viele Menschen möchten eine Frau. Ist das Frau sein wichtiger als die Parteizugehörigkeit? Ich glaube, bei dieser Wahl war das wichtiger, ja. Aber mit Einschränkung. Ich bringe ja alles andere mit. Die Parteizugehörigkeit, die politische Erfahrung, alles. Jetzt, in dieser Stichwahl, war sicher das Geschlecht ein wichtiger Faktor. Wie sieht das beim nächsten Wahlgang aus? Treten Sie noch einmal an und wenn ja mit welcher Prognose? Ja, ich trete noch einmal an, ich möchte diesen Sitz erobern. Meine Chancen sind sehr gut, das wird ein Kopf an Kopf Rennen. Ich habe eine 50 Prozent Chance. Interview: Nicolas Drechsler

Martina Bernasconi

Warum haben Sie so viele Stimmen erhalten? Ich bin seit 18 Jahren in der Basler Politik. Ich glaube, die Bevölkerung hat das wahrgenommen. Meine Kampagne in den letzten zwei Monaten war sehr gut. Das Resultat ist auch ein klares Zeichen dafür, dass Basel reif ist für eine zweite Frau im Regierungsrat. Vor allem das letztere war wohl sehr wichtig. Viele Menschen möchten eine Frau. Ist das Frau sein wichtiger als die Parteizugehörigkeit? Ich glaube, bei dieser Wahl war das wichtiger, ja. Aber mit Einschränkung. Ich bringe ja alles andere mit. Die Parteizugehörigkeit, die politische Erfahrung, alles. Jetzt, in dieser Stichwahl, war sicher das Geschlecht ein wichtiger Faktor. Wie sieht das beim nächsten Wahlgang aus? Treten Sie noch einmal an und wenn ja mit welcher Prognose? Ja, ich trete noch einmal an, ich möchte diesen Sitz erobern. Meine Chancen sind sehr gut, das wird ein Kopf an Kopf Rennen. Ich habe eine 50 Prozent Chance. Interview: Nicolas Drechsler

8000 Stimmen haben Sie gemacht, wie zufrieden sind Sie? Ich bin enorm zufrieden, diese Zahlen sprechen für sich. Aber sie sprechen auch dafür, dass Basel noch nicht einen SVPler in der Regierung haben muss. Aber ich glaube die Zeit wird kommen, aber nicht mit meiner Person, sondern mit jemandem, den man vorbereiten kann, nicht mit jemandem, der so schnell in die Bresche springen muss. Ist das Ergebnis also doch schlecht? Es sieht so aus, als hätten wir eine solide Wählerbasis. Ich bin froh ist es vorbei, es macht müde, ich habe doppelt so viel Schlaf gebraucht wie sonst. Ich hätte nach dem Mittagessen immer pennen gehen können. Das heisst der zweite Wahlgang findet ohne Sie statt? Nein, nein, nein. Ich bin ein Teil der Partei, nur ein kleiner. Je nachdem, was der Vorstand morgen entscheidet treten wir an oder nicht. Es gibt noch Verhandlungen mit anderen Parteien und je nachdem was die ergeben, müssen wir auch diese Ergebnisse berücksichtigen. Interview: Nicolas Drechsler

Eduard Rutschmann

8000 Stimmen haben Sie gemacht, wie zufrieden sind Sie? Ich bin enorm zufrieden, diese Zahlen sprechen für sich. Aber sie sprechen auch dafür, dass Basel noch nicht einen SVPler in der Regierung haben muss. Aber ich glaube die Zeit wird kommen, aber nicht mit meiner Person, sondern mit jemandem, den man vorbereiten kann, nicht mit jemandem, der so schnell in die Bresche springen muss. Ist das Ergebnis also doch schlecht? Es sieht so aus, als hätten wir eine solide Wählerbasis. Ich bin froh ist es vorbei, es macht müde, ich habe doppelt so viel Schlaf gebraucht wie sonst. Ich hätte nach dem Mittagessen immer pennen gehen können. Das heisst der zweite Wahlgang findet ohne Sie statt? Nein, nein, nein. Ich bin ein Teil der Partei, nur ein kleiner. Je nachdem, was der Vorstand morgen entscheidet treten wir an oder nicht. Es gibt noch Verhandlungen mit anderen Parteien und je nachdem was die ergeben, müssen wir auch diese Ergebnisse berücksichtigen. Interview: Nicolas Drechsler