Corona
Logopäden werden geimpft, Lehrpersonen nicht: Unmut an Baselbieter Schulen

Lehrpersonen ärgern sich, dass sie täglich engen Kontakt zu Schülerinnen und Schülern ohne Maske haben und dennoch nicht prioritär geimpft werden. An der Sitzung vom Donnerstag reichen drei SP-Landräte Fragen zum prioritären Impfen ein.

Kelly Spielmann
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Lehrpersonen werden noch nicht geimpft – Logopäden aber schon.

Lehrpersonen werden noch nicht geimpft – Logopäden aber schon.

Kenneth Nars

Bei Baselbieter Lehrpersonen macht sich derzeit Unmut breit. Schon länger fordern sie eine Priorisierung besonders exponierter Berufsgruppen beim Impfen, wie dies in anderen Kantonen der Fall ist. Nun haben sich mehrere Politiker entschieden, am kommenden Donnerstag im Landrat aktiv zu werden.

So beispielsweise Miriam Locher, SP-Landrätin und Lehrerin. Sie kann nicht nachvollziehen, dass es im Schulbetrieb Berufsgruppen gibt, die prioritär geimpft werden – Logopädinnen und Logopäden beispielsweise werden gemeinsam mit dem Gesundheitspersonal geimpft. «Uns allen liegt viel daran, dass alle schnell geimpft werden», sagt Locher, «in diesem Fall ist aber schon viel Unverständnis da.»

Kanton hält sich an den Fahrplan

Dass Logopädinnen, die in einem Spital arbeiten, früher geimpft werden, verstehe man. Kein Verständnis hat man aber, dass auch diejenigen an den Schulen geimpft werden: Dort würden diese meist mit einzelnen Kindern und Plexiglasscheibe arbeiten. «Kindergarten- oder Primarlehrpersonen, die täglich mehrere Stunden mit 20 Kindern ohne Maske verbringen, haben ein viel höheres Ansteckungsrisiko», so Locher. «Das wirft schon Fragezeichen auf.»

So auch die Erklärung des Kantons: Die Logopädie sei eine medizinische Fachdisziplin, erklärt Roman Häring vom Informationsdienst des kantonalen Krisenstabs. «Die Impfempfehlung des Bundes hat Gesundheitspersonal mit Patientenkontakt als priorisierte Berufsgattung deklariert. Wir halten uns an diese.»

Viele Lehrpersonen jedoch hätten kein Verständnis dafür, dass Berufsgruppen innerhalb der Schulen ungleich behandelt würden. «Da hätte man im Kanton die Impfstrategie anpassen müssen», meint Locher. Sie reicht am Donnerstag eine Fragestunde mit Fragen zur Priorisierung von Lehrpersonen, Kita-Mitarbeitenden und Blaulichtorganisationen ein.

Alter spielt bald keine Rolle mehr

Auch ihre Parteikollegen Ernst Schürch und Adil Koller haben je eine Fragestunde vorbereitet: Seklehrer Schürch will wissen, weshalb sich der Regierungsrat gegen eine weitere Impfpriorisierung ausgesprochen hat. Koller hat Fragen zum weiteren Impfvorgehen des Kantons – dieser fasst die letzten drei Impfgruppen ohne Priorisierung zusammen, die Reihenfolge ist bald vom Anmeldetermin abhängig. Eine 49-jährige Person, die sich heute registriert, könnte so nach dem vorregistrierten 18-Jährigen an der Reihe sein. Koller fordert vom Regierungsrat Antworten zu dieser Strategie.