Corona-Virus

Corona-Notstand in der Region Basel: Was Sie jetzt unbedingt wissen müssen

Das Corona-Virus: Die Lage in der Region Basel hat sich verschärft, jetzt ist es wichtig, die Übersicht zu wahren.

Das Corona-Virus: Die Lage in der Region Basel hat sich verschärft, jetzt ist es wichtig, die Übersicht zu wahren.

Die Kantone Basel-Stadt und Baselland reagieren unterschiedlich auf die verschärften Weisungen des Bundesrats. In dieser Übersicht finden Sie die wichtigsten Informationen und Eckdaten zum Umgang mit dem Virus nach den Notmassnahmen.

Vieles erinnerte an jene historische Pressekonferenz, als die Basler Regierung vor zwei Wochen die Fasnacht absagte. Es war gestern Freitagnachmittag der gleiche Saal, der gleiche Anlass und doch hatte sich die Dynamik in den vergangenen Tagen so stark verändert, dass die zu verkündenden Massnahmen noch viel tiefere Einschnitte in das Leben der Region bedeuteten.

In Baselland hingegen wartete die Öffentlichkeit vergeblich auf den Auftritt ihrer Regierung. Erst am Abend publizierte sie eine kurze Pressemitteilung.

Im Folgenden hat die «Schweiz am Wochenende» zusammengefasst, was die Entscheide des Bundesrats für die Region bedeuten und wie die Behörden damit umgehen.

Schulen: Not-Massnahmen für Härtefälle

Noch am Donnerstag hatte es Conradin Cramer kaum für möglich gehalten, am nächsten Tag musste er es kommunizieren: Sämtliche Schulen bleiben zu. Dasselbe gilt für Kindertagesstätten und Spielgruppen. Basel-Stadt reagiert allerdings auf drohende Notsituationen mit einem Betreuungsangebot, etwa für Eltern, die in Gesundheitsberufen arbeiten. Am Montag öffnen zur Sicherheit alle Schulen, dort werden die sich einfindenden Kinder betreut. Gemäss Cramer sei davon auszugehen, dass nicht alle Familien von der Schulschliessung erfahren haben werden.
Auch im Baselbiet findet ab Montag an den Schulen aller Stufen kein Unterricht vor Ort mehr statt. Interessant ist, dass Kindergärten und Primarschulen laut Mitteilung beauftragt sind, «eine Betreuung an den Schulstandorten sicherzustellen». Ausserdem heisst es im Gegensatz zu Basel-Stadt: «Die Tagesstätten im ganzen Kantonsgebiet bleiben in Betrieb.» Auf Nachfrage erklärt Regierungssprecher Nic Kaufmann, dass man trotzdem davon ausgehe, dass deutlich weniger Kinder die Schulen und Kitas aufsuchen werden. «Die Idee ist, dass wir jenen Eltern ermöglichen zu arbeiten, die keine andere Betreuung organisieren konnten.» Über das Wochenende würden Schulen, Eltern und Schüler noch genauer über Details informiert.

Der oberste Basler Lehrergewerkschafter Jean-Michel Héritier meinte zum Entscheid: Es sei einerseits eine Erleichterung, dass der Gesundheitsschutz der Lehrer ernstgenommen werde. Im Schulzimmer würden bekanntermassen viele Ansteckungen passieren. Und die Lehrer würden ohnehin «oft zuerst an die Kinder denken, bevor sie Rücksicht auf sich selbst nehmen», so Héritier. Auf der anderen Seite macht er sich besonders um die jüngeren Schüler Sorgen. Die älteren könne man möglicherweise gut mit digitalen Aufgaben versorgen, aber bei den jüngeren sei dies schwieriger. «Es geht hier nicht nur darum, dass die Schule als Bildungsinstitution fehlt, sondern auch als soziale Institution.» Héritier fürchtet, dass manche Kinder zu Hause stundenlang vor den Bildschirm gesetzt würden – je nach Betreuungssituation.

Spitäler: Kapazitäten werden erhöht

Das Basler Unispital arbeitet gemäss Gesundheitsdepartementssprecherin Anne Tschudin «am Limit». Als positiv erweise sich die Predigerkirche als Lokal für Corona-Tests. Um auf eine weitere Zunahme vorbereitet zu sein, baut das USB Wände in bestehende Zimmer und schafft so zusätzliche Räume. Stand Freitag waren in Basel-Stadt neunzig Personen mit dem Corona-Virus infiziert; darunter sind zwei bis drei schwere Fälle.

In Baselland kamen am Freitag 16 neue Corona-Fälle dazu, wodurch die Gesamtzahl auf 42 anstieg. Am Kantonsspital Baselland sei die Auslastung «sehr hoch», heisst es auf Anfrage. Noch habe man aber ausreichend Betten. Sollte sich die Lage weiter verschlimmern, habe man Eskalationspläne vorbereitet, um den Notfall und die Isolierstation zu erweitern.

Veranstaltungen: Museen zu, Sonderfall Parlament

In Basel-Stadt schliessen per sofort alle kantonalen Museen und Sportanlagen. Damit reagiert der Kanton auf das neue landesweite Versammlungsverbot. Auch die Fondation Beyeler ist bis auf weiteres geschlossen. Die Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann kündigte für nächste Woche eine Sitzung mit den kantonalen Museen an, um finanzielle Abfederung der Ereignisse zu diskutieren. Alle Veranstaltungen mit über 100 Personen sind abgesagt. Eine Ausnahme könnte der Grosse Rat bilden: Das Parlament muss für seine Sitzung vom Mittwoch allerdings eine Bewilligung beantragen. Die Basellandschaftliche Kantonalbank hat ihre 34. Versammlung der Inhaberinnen und Inhaber von Kantonalbankzertifikaten vom 20. und 21. April ersatzlos gestrichen. Daran hätten rund 5500 Personen teilgenommen. Abgesagt worden sind ebenfalls die Abgeordnetenversammlung des Eidgenössischen Schwingerverbands von diesem Wochenende in Pratteln sowie mehrere Gemeindeversammlungen.

Grenzen: Internationale Zusammenarbeit

Trotz verstärkter Grenzkontrollen bleiben die Landesgrenzen für Einreisende aus Frankreich und Deutschland offen. Die Basler Regierung begrüsst dies und steht in Kontakt mit den dortigen Behörden, wie der Basler Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin sagte. Im Landkreis Lörrach nimmt die Zahl der Erkrankten weiter zu und hat sich gestern auf zehn erhöht. Die Gemeinden sind als Ortspolizeibehörden für die Umsetzung der Massnahmen zuständig. Damit reagieren die Landkreise vor allem auf die Situation im angrenzenden Frankreich, das mit stark steigenden Infektionszahlen zu kämpfen hat.

Einkaufsmöglichkeiten: Keine Einschränkungen

In Basel-Stadt gibt es keine Einschränkungen bezüglich der Einkaufsmöglichkeiten. Es wird auch in den grossen Einkaufsorten keine Einlasskontrolle geben.

Öffentlicher Verkehr: Türen öffnen automatisch

Der öffentliche Verkehr bleibt in beiden Kantonen bestehen, eine Taktverdichtung wäre kontraproduktiv. Ab heute ist in allen Bussen der Autobus AG Liestal, der Basler Verkehrs-Betriebe sowie der Baselland Transport AG jeweils die erste Sitzreihe gesperrt. Zudem öffnen die Türen an den Haltestellen in der Regel automatisch. Die vorderste Tür bleibt jedoch weiterhin geschlossen; sehbehinderte Fahrgäste können nach wie vor bei der ersten Tür warten und dort ins Fahrzeug steigen.

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