Prävention

Coronakrise löst Ängste aus: Selbsthilfe-App soll Menschen in der Region Basel helfen

Die Coronakrise hat psychische Belastungen verstärkt. Eine App soll präventiv helfen. (Symbolbild)

Die Coronakrise hat psychische Belastungen verstärkt. Eine App soll präventiv helfen. (Symbolbild)

Isolation, Arbeitslosigkeit, Überforderung, Trauer: Die Coronakrise führt bei vielen Menschen zu einer höheren psychischen Belastung. Die psychiatrische Klinik Sonnenhalde in Riehen stellt daher für beide Basel eine präventive Selbsthilfe-App mit 10 Übungsmodulen zur Verfügung.

«Zuversichtlich in unsicheren Zeiten» heisst jenes der zehn Module, das am direktesten auf die Coronakrise eingeht. Schon im Introtext wird das klar: «Wir leben in einer seltsamen Zeit. Zu Beginn dieses Jahres dachte kaum jemand, dass wir in eine Corona-Krise geraten würden. Aber jetzt ist all das unser Alltag geworden: tagelang zuhause sitzen, strenge Regeln, Unsicherheit über Arbeitsplätze, über die eigene Gesundheit und die von anderen und über die Zukunft. Wie können Sie dafür sorgen, dass Sie gerade in dieser Zeit zuversichtlich bleiben?»

Nach ein paar Klicks folgen Fragen und Beispiele, die helfen sollen, die eigene Situation zu ergründen: Etwa «Was geht in Ihnen vor?» Zur Auswahl stehen unter anderem: «Ich weiss nicht, was oder wem ich in der aktuellen Situation glauben soll», «Ich habe Angst durch die Corona-Krise» oder «Ich komme nicht damit zurecht, dass ich so lange drinnen bleiben muss». Ergänzt wird das Selbsthilfe-Modul mit Erklärungen und Ratschlägen von Ärzten und Psychiatern. Man solle sich auf das fokussieren, worüber man die Kontrolle hat oder man solle sich bewusst machen, dass Ängste, Unsicherheit und Hilflosigkeit durchaus natürlich sind und vorhanden sein dürften. Am Ende der Übung folgt noch ein Check, ob die «inneren Schutzfaktoren» aktiv sind.

Die App ist sechs Monate gratis

«Die Selbsthilfemodule geben den Bürgerinnen und Bürgern eine Möglichkeit in die Hand, sich Wissen anzueignen und dank entsprechenden Hilfsmitteln selbstverantwortlich gesund zu bleiben», sagt Anja Oswald, CEO der psychiatrischen Klinik Sonnenhalde in Riehen, zur bz. Die Klinik lanciert heute Dienstag über ihre schon im April gestartete Online-Therapie-Plattform Mind Clinic die Selbsthilfe-App Minddistrict mit zehn thematischen Modulen. Dank der finanziellen Unterstützung durch die Basellandschaftliche Kantonalbank ist die Nutzung während der kommenden sechs Monate in beiden Basel kostenlos, wie die Klinik mitteilt. Zugang erhält man über die Mindclinic-Webseite der Sonnenhalde. Es ist zwar eine Registrierung notwendig, diese kann aber auch anonym geschehen. Die App kann im App Store heruntergeladen werden.

Die 10 Selbsthilfemodule

Die 10 Selbsthilfemodule

Unter den Modulen befinden sich «Mehr Entspannung», «Wege aus der Einsamkeit» oder auch «Homeoffice im Ausnahmezustand». «Bis anhin konnte nur nach initialem Krisengespräch auf wenige Selbsthilfemodule zugegriffen werden», sagt Oswald. Nun seien sie weiterentwickelt, um mehrere Module ergänzt worden und stünden unter dem Aspekt der Prävention jedem zur Verfügung. Entwickelt wurde das Programm von der holländischen Firma Minddistrict. Oswald betont aber, dass die Sonnenhalde die Module aktiv mitentwickelt und spezifisch für die eigene Klinik intern weiterentwickelt habe. Bereits seit Anfang 2019 laufe diese Zusammenarbeit.

Digitale Angebote werden immer wichtiger

Die Anstrengungen der Klinik Sonnenhalde geschehen auch aus der Überzeugung Oswalds, dass in der Psychiatrie modulare, digitale Behandlungsangebote und Prävention immer wichtiger werden. Dieser «Blended Therapy»-Ansatz sei bereits in vielen Ländern etabliert. «Dass der bestinvestierte Franken in die Prävention fliesst, predigt die Weltgesundheitsorganisation WHO bereits seit Jahrzehnten», so Oswald.

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