Coronavirus

Coronavirus auf Mega-Baustelle – Roche: «Einige wenige Fälle», doch Unia will Baustellen schliessen lassen

Die Basler Pharma-Firma Roche verzeichnet mehrere bestätigte Fälle von Covid-19 auf ihren Baustellen. Trotz Einhaltung aller Vorschriften des Bundesamts für Gesundheit durch Roche fordert die Gewerkschaft Unia nun erneut die Schliessung.

Die Baustellen des Basler Pharmakonzerns Roche an der Grenzacherstrasse in Basel gehören zu den grössten der Schweiz. Hier entsteht nicht nur Bau 2, das dereinst neue höchste Gebäude der Schweiz, sondern auch das milliardenteure Forschungs- und Entwicklungszentrum. Doch ausgerechnet hier tauchen nun Fälle von Corona auf. Wie Roche-Standortleiter Jürg Erismann auf Anfrage sagt, handle es sich allerdings um «einige wenige Fälle», in denen eine Infektion mit Covid-19 bestätigt wurde. In sämtlichen Fällen seien die sofort nötigen Massnahmen ergriffen worden, inklusive Quarantäne der Betroffenen sowie Isolation von weiteren Kontaktpersonen.

Die Bekanntmachung der Fälle bei Roche erfolgte durch die Gewerkschaft Unia, die bereits am Dienstag vermeldet hatte, dass drei Corona-Infektionen festgestellt worden seien. Roche reagierte umgehend und teilte gegenüber der bz mit, dass es sich zu jenem Zeitpunkt lediglich um Verdachtsfälle gehandelt habe. Gestern Donnerstag legte die Unia nach und berichtete von weiteren drei Fällen.

«Diese drei Fälle wurden uns von mehreren Bauarbeitern bestätigt», sagt der regionale Unia-Verantwortliche Thomas Leuzinger auf Anfrage. «Es werden aber weitere Zahlen herumgereicht, die wir noch nicht überprüfen konnten.» Hinzu komme, dass sich einige Arbeiter in Selbstquarantäne befänden und sich nicht testen liessen. Insofern müsse mit einer gewissen Unschärfe der Angaben gerechnet werden. Roche hingegen kann nur beziffern, was an Testresultaten vorliegt. Das ist die genannte «tiefe einstellige Zahl», wie es Standortleiter Jürg Erismann formuliert.

Rigide Umsetzung der BAG-Auflagen bei Roche

Hinter dem Zahlenspiel steckt eine politische Forderung: Die Gewerkschaft verlangt, dass nun diverse Baustellen geschlossen werden, auf denen die Sicherheitsstandards des Bundesamts für Gesundheit (BAG) nicht eingehalten würden. Dies betreffe laut Unia eine Vielzahl von Baustellen auf dem ganzen Kantonsgebiet.

Roche ist der prominenteste Name, aber als Exempel zugleich der schwierigste. Denn das Unternehmen setzt zurzeit alles daran, dass die BAG-Vorschriften zum Weiterbetrieb auf dem Bau eingehalten werden. So wurde der Personalbestand drastisch reduziert, der Zweimeterabstand durchgesetzt, es patrouilliert Sicherheitspersonal, das Gruppen von über fünf Personen auflöst. Aus Abstandsgründen wurden weitere Pausenräume eingerichtet, mehrmals täglich wird gereinigt und desinfiziert. Die Liste ist lang. Von einem möglichen Infektionsherd auf dem Areal könne nicht die Rede sein, sagt Erismann. Ebenso fänden regelmässig Inspektionen der Baustellen statt: durch interne Teams, aber auch durch eine ständige Abgeordnete des Kantons.

Bauarbeiter beklagen Fälle in ganz Basel

Roche gilt aufgrund der Grösse als Vorbild unter den Bauherren. Dass es die Firma trotz Umsetzung aller Auflagen trifft, zeigt, wie schnell sich das Virus verbreitet. Trotz des Massnahmenkatalogs verlangt die Unia einen Baustopp auf dem Gelände. Für Roche ist das zurzeit kein Thema. Einige Bereiche würden ruhen, weil dort gerade Sicherheitsmassnahmen umgesetzt werden.

Klagen von Bauarbeitern erreichen die Unia von mehreren Seiten. Leuzinger erzählt von Baustellen, die von der Bauherrschaft eigentlich geschlossen werden sollten, aber mangels Kurzarbeitsbewilligung weiterarbeiten. Ein Aufruf der Unia habe innert weniger Tage rund 250 Rückmeldungen von knapp 100 Baustellen ergeben. Arbeiter machen sich Sorgen, weil die BAG-Vorgaben nicht eingehalten würden.

Die Gewerkschaft pocht nun auf eine strenge Durchführung der kantonalen Kontrollen und eine unverzügliche Schliessung der Baustellen, wenn Missstände festgestellt werden. «Wir haben noch keinen Bauarbeiter angetroffen, dem ein kantonaler Kontrolleur begegnet ist. Angaben zur Zahl der Kontrollen gibt es ebenfalls keine.» Dem widerspricht der Kanton: Laut Auskunft des Amts für Wirtschaft und Arbeit fänden zurzeit laufend Kontrollen auf Baustellen in Basel statt.

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