Baloise Session
Costello war an diesem Abend nicht auf der Höhe seiner Kunst

Elvis Costello war an seinem gestrigen Abend eher enttäuschend. Und das musste er sogar selber einräumen. Vom Publikum gab es lediglich freundlichen Applaus.

Stefan Schuppli
Merken
Drucken
Teilen
Elvis Costello mit seinen Markenzeichen: Weisser Hut, dunkle Brille.

Elvis Costello mit seinen Markenzeichen: Weisser Hut, dunkle Brille.

Georgios Kefalas/Keystone

Auf einer Rock-Legende wie Elvis Costello lasten grosse Erwartungen, sehr grosse. Das erhöht das Risiko einer Enttäuschung enorm. Für viele Baloise-Session-Besucher dürfte das Konzert der Musiklegende Elvis Costello am Dienstagabend eine solche Enttäuschung gewesen sein. Oft, zu oft, bekundete er Mühe in den hohen Lagen. Ein paar Mal mag das durchgehen, und es hat ja durchaus seinen Reiz, wenn ein Blues daherschmiert und gepresst wird. Aber nicht durchs Band. Costello war – buchstäblich – nicht auf der Höhe seiner Kunst. Und er musste dies sogar selber einräumen. Ehrlich, aber tragisch. Das Publikum spendete lediglich freundlichen Applaus.

Trotzdem erhielt Costello von den Baloise-Session-Veranstaltern den diesjährigen Musician’s Award. Der Preis wurde ihm wegen seiner grossen musikalischen Bandbreite als Komponist, Produzent und Gitarrist zugesprochen – und weil er zahlreiche grosse Musiker gefördert und beeinflusst hat.

Costello hat durchaus Pfeffer. Das zeigte er in seinem lärmigen Stück mit der elektroakustischen Gitarre, irritierend und ungemütlich. Ein kurzer Zauber kam auf, als er zum Schluss ein paar Takte völlig unverstärkt sang. Gehört dieser Costello vielleicht eher in einen kleinen Musikschuppen als in einen grossen Saal?

Eine positive Überraschung waren hingegen die norwegische Sängerin Rebekka Bakken und ihre Band. Ihre Wandelbarkeit ist fast beängstigend. Die zuckersüsse Ballade mit Augenaufschlag beherrscht sie ebenso wie einen Rock-Kracher oder einen Tom-Waits-Song. Ausserdem legten sich die beiden Gitarristen kräftig ins Zeug – der glatte Hammer. Wie «Ten Years After» vor vierzig Jahren.