22 Velofahrer wurden im vergangenen Jahr in Basel-Stadt verletzt, weil Autofahrer die Wagentüre unvorsichtig geöffnet haben. Das geht aus der aktuellen Verkehrsunfallstatistik der Kantonspolizei hervor. Die Anzahl solcher Unfälle nimmt seit 2012 zu: Damals wurden zehn solcher Unfälle mit acht Verletzten registriert.

Dabei sind die Empfehlungen der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) eindeutig. «Die entsprechende Grundlage verlangt, dass Radstreifen mindestens 50 Zentimeter Abstand von längsparkierten Personenwagen aufweisen müssen», sagt Sprecher Marc Bächler. Untersuchungen hätten gezeigt, dass der Unfalltyp «Velo in sich öffnende Autotür» insbesondere bei Radstreifen vorkomme, die ohne Abstand entlang eines Längsparkfeldes führen.

Genau dies ist in Basel aber die Standardlösung, die auch weiterhin ausgeführt wird – beispielsweise bei der Umgestaltung der Jacob Burckhardt-Strasse. «Wir haben uns dafür entschieden, den zusätzlichen Platz, den wir durch die Aufhebung einer der beiden Fahrspuren gewonnen haben, für breitere Velostreifen die neu in beiden Fahrtrichtungen zur Verfügung stehen zu nutzen», erklärt Patrick Widmer von der Abteilung Verkehrstechnik im Basler Bau- und Verkehrsdepartement.

Breitere Velostreifen geplant

In Basel gebe es seines Wissens keine Velostreifen, die einen seitlichen Abstand zu Parkplätzen haben, wie dies etwa in Zürich der Fall ist. «Ein markierter Abstand zwischen Velostreifen und Parkplätzen hat den Vorteil, dass Velofahrende eher in der Mitte des markierten Radstreifens fahren und somit mehr Abstand zu den parkierten Autos einnehmen», sagt Widmer. Aber: «Diese an sich gute Lösung scheitert gerade auch bei uns oft am Platzproblem in den eher engen Strassen. Bei künftigen Projekten werden wir aber jeweils eine Velostreifenbreite von 1.80 Meter anstreben und wo immer möglich einen Sicherheitsabstand von 50 Zentimetern zwischen Velostreifen und Längsparkfeldern realisieren.»

Diese Meinung teilt Grossrat Raphael Fuhrer (Grüne). Er hat bereits im Sommer einen entsprechenden Vorstoss eingereicht, der im Parlament am vergangenen Mittwoch mit 55 zu 39 Stimmen an die Regierung überwiesen wurde. «Man hat als Velofahrer schlicht keine Chance, wenn sich vor einem im falschen Moment eine Autotüre öffnet. Die im Anzug geforderten zusätzlichen 30 Zentimeter können die entscheidende halbe Sekunde ausmachen, damit man noch ausweichen kann», begründete Fuhrer in der Debatte. Die Gegner aus dem bürgerlichen Lager hielten dagegen, dass die Vorgabe an vielen Stellen nicht umsetzbar sei.

LDP-Grossrat Heiner Vischer riet den Velofahrern, einfach vorsichtig zu fahren und einen Helm zu tragen. Andreas Ungricht (SVP) befürchtete gar, dass die Situation durch diese Massnahme noch verschärft würde. «Es wird an gewissen Stellen Verantwortung vom Autofahrer weggenommen. Weil die Massnahme aber nicht überall umsetzbar ist, besteht die Gefahr, dass sich die Fahrer daran gewöhnen», sagte er.

Türe öffnen nur mit rechter Hand

Die Regierung hat nun zwei Jahre Zeit, den Vorschlag zu prüfen und dem Grossen Rat einen Bericht vorzulegen. Fuhrer hofft, dass Lösungsvorschläge ausarbeiten werden. «Es gibt tatsächlich Stellen, wo es vom Platz her knapp ist für einen Velostreifen plus Abstand – aber auch dafür wird sich eine Lösung finden.»

Am liebsten hätte Fuhrer seinen Anzug noch durch einen weiteren Punkt ergänzt, den er aus Holland kennt. «Dort dürfen Autofahrer die Türe nur mit der rechten Hand öffnen, was automatisch dazu führt, dass sie sich abdrehen und nach hinten schauen müssen.» Dies sei jedoch nur via Bundesrecht möglich – doch er werde den Kontakt zur nationalen Partei suchen und mit seinem Anliegen vorstellig werden.