Velo-Demo

Critical Mass in Basel: «Es ist eine sehr offene Bewegung»

Video Critical Mass Velo-Demo Basel

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Was sind das für Leute, die jeweils am letzten Freitag des Monats mit ihren Velos durch die Stadt ziehen?

Die Bewegung nennt sich Critical Mass und hat ihren Ursprung in den USA. Dort haben sich 1992 erstmals Velofahrende getroffen, um auf ihre Rechte aufmerksam zu machen. Seit Juni 2019 finden die Velodemos auch in Basel statt. Die letzte Critical Mass setzte sich am vergangenen Freitag vom Petersplatz aus in Bewegung – mit dabei zwischen siebzig und hundert Personen. Die «Schweiz am Wochenende» hat mit zwei Teilnehmern gesprochen und sie gefragt, was ihre Motivation ist und welche Anliegen sie vertreten.

Wie lange sind Sie schon Teil von Critical Mass?

Rosa-Lin Meessen: Ich bin seit der ersten Critical Mass in Basel dabei. Die Velofahrten habe ich oft dokumentiert, das heisst ich habe gefilmt und fotografiert. Ansonsten fahre ich mit und helfe zum Beispiel beim «Corken» (blockieren von Strassenkreuzungen, Anm. d. Red.) oder bei der Kommunikation innerhalb der Masse. Dies dient massgeblich der Sicherheit, für die alle Teilnehmenden mitverantwortlich sind.

Armand Schmiedlin: Heute bin ich zum fünften Mal Teil der Critical Mass. Das heisst, ich war im Oktober 2019 zum ersten Mal dabei. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, mit Musik für ein attraktives und gemütliches Klima zu sorgen.

Fast hundert begeisterte Velofahrende gesellten sich am Freitagabend zu der Critical Mass.

Fast hundert begeisterte Velofahrende gesellten sich am Freitagabend zu der Critical Mass.

Was möchten Sie mit Ihrem Engagement erreichen?

R: Ich bin davon überzeugt, dass die selbst ernannte «Velostadt Basel» noch sehr vom motorisierten Verkehr dominiert wird. Durch die Aktionsform Critical
Mass bekommen Velofahrende Aufmerksamkeit und es wird symbolisch gezeigt, dass wir präsent sind und den Platz auf der Strasse brauchen. Ich setze mich für bessere Velobedingungen in der Stadt-Basel ein und denke auch, dass diese Bewegung zu einer umweltfreundlicheren Mobilität beiträgt. Bei Critical-Mass-Aktionen entstehen viele neue Diskussionen und Ideen für bessere Bedingungen des nicht-motorisierten Individualverkehrs. Auf diesem Weg lässt sich ausserdem zeigen, wie viele Menschen in einer Stadt bereit sind, für die Förderung des Veloverkehrs auf die Strasse zu gehen. Es ist ein Weg, den motorisierten Verkehrsteilnehmern aufzuzeigen, wie das Fahren auf den Strassen wäre, wenn die Kräfteverhältnisse umgekehrt wären. Wenn viele Velofahrende gemeinsam durch die Stadt fahren, nehmen sie sich gleich viel Platz wie der motorisierte Verkehr. Dabei entsteht ein Stau, bei dem aber kein CO2 in die Luft gelangt. Es ist ein sozialer Stau, bei dem man miteinander reden kann und sich nicht hinter einer Scheibe versteckt.

A: Ich will mit meiner Präsenz zeigen, dass wir Velofahrende auch gültige Verkehrsteilnehmer sind und vor allem die verwundbarsten. Das Velo ist für mich die Zukunft, was Verkehrsmittel in der Stadt anbelangt. Das zeigt auch der vor kurzem veröffentlichte Verkehrsindex der Stadt Basel. Ich hoffe, dass ich den Menschen, welche nicht Velo fahren, zeigen kann, dass das eine tolle Alternative gegenüber dem motorisierten Individualverkehr, allem voran dem Auto, ist.

Was sind das für Leute, die mit ihren Velos an die Critical Mass kommen?

R: Von Kindern bis zu älteren Menschen gibt es alles. Critical Mass ist eine sehr offene Bewegung, bei der jeder und jede mit einem nicht-motorisierten Fahrzeug teilnehmen kann.

A: Das ist eine gute Frage, ich kenne natürlich nicht alle persönlich. (lacht) Es ist auf jeden Fall eine grosse Durchmischung in jeglicher Hinsicht zu erkennen. Ob alt oder jung, mit oder ohne Kinder, mit Cargobike, Tandem oder Eigenkonstruktion; es gibt alles. Ein oder zwei Mal ist auch jemand mit dem Skateboard mitgefahren. Ich finde es äusserst spannend, zu sehen, wie viele verschiedene Menschen sich jeweils zusammenfinden. Die Stimmung war bis anhin immer super und vor allem positiv.

Sehen Sie die Critical Mass als Teil der Klimabewegung?

R: Ich sehe Critical Mass nicht als Teil der Klimabewegung. Jedoch haben wir, was die Umweltfreundlichkeit des Verkehrs angeht, die gleichen Ansichten. Das Velo bleibt ein klimaneutrales, platzsparendes und gesundes Verkehrsmittel. Wir sind aber eine unabhängige Bewegung, die selbstorganisiert, scheinbar zufällig und unhierarchisch abläuft.

A: Die Critical Mass ist kein Teil der Klimabewegung. Es ist vermutlich schon so, dass es einige Überschneidungen in den Ansichten und Anliegen der Teilnehmenden gibt. Für mich unterscheidet sich die Critical Mass aber grundlegend hinsichtlich Form und Philosophie.

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