Crowdfunding
Crowdfunding gegen den Konkurs: Ein paar Strohhalme in der Krise der Basler Event-Branche

Verluste mit Crowdfunding auffangen: Das Lokal Schall und Rauch kann wohl noch ein halbes Jahr überleben. Doch nicht bei allen Kulturlokalen läuft es mit Gönnern so gut. Für Atlantis und Parterre wird’s eng, den ganzen finanziellen Schaden abdecken zu können.

Rahel Koerfgen
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Ein Bild aus unbeschwerteren Tagen: Larry Carlton bei seinem Konzert im Atlantis.

Ein Bild aus unbeschwerteren Tagen: Larry Carlton bei seinem Konzert im Atlantis.

Roland Schmid

Es ist ein schönes Jubiläumspräsent: Just zum ersten Jahrestag des Kleinbasler Kulturlokals und Clubs Schall und Rauch sind via Crowdfunding-Plattform Wemakeit die angepeilten 10000 Franken von privaten Gönnern zusammen gekommen. In vierzig Tagen, sechs Tage vor dem Ende der Aufschaltung. Geschäftsführer Nikhil Bigler freut sich: «Wir sind sehr dankbar und gerührt über die Unterstützung. Es stellt für unser junges Unternehmen die Bestätigung dar, dass die Leute nicht auf das ‹Schall und Rauch› verzichten wollen und es sich lohnt, weiter zu kämpfen.»

Mit dem Funding-Betrag sei das Lokal allerdings noch nicht gerettet; laut Bigler wird der Betrag dazu verwendet, die laufenden Kosten des Aprils zu decken. «Ein finanzielles Polster haben wir nach einem Jahr noch nicht aufbauen können, deshalb haben uns die Corona-Massnahmen besonders hart getroffen.» Das Crowdfunding sei vielmehr Teil diverser Bemühungen gewesen, um das Bestehen des «Schall und Rauch» an der Rheingasse zu sichern. So habe man etwa dank einer privaten Garantie das Eigenkapital nochmals aufstocken können. «Ein halbes Jahr können wir so überleben, und wir hoffen, dass bis dann weitgehend Normalbetrieb herrscht,» sagt Bigler.

Herzflattern bei Atlantis und Parterre One

Deutlich weniger erfolgreich läuft das Crowdfunding bis dato dem Verein der Kulturlokale Parterre One und Atlantis. Seit Anfang April sind erst 50 Prozent der als Ziel gesetzten 77000 Franken für die beiden Institutionen gespendet worden, wie man auf «Wemakeit» einsehen kann. Und es verbleiben nur noch 18 Tage, um die weiteren 50 Prozent zugunsten des Vereins «Förderkreis Kultur- und Sozialprojekte» zu erhalten. Der Betrag würde gleich mal ausreichen, um die Personalkosten des «Atlantis» und den Ausfall des «Songwriter Slam & Open Mic» im «Parterre One» zu decken – nicht aber den ganzen Schaden über 500000 Franken, der durch den Lockdown entstanden ist.

Was es für die beiden bedeutenden Basler Kulturlokale bedeuten könnte, wenn der Funding-Betrag nicht zustande kommt, hatte Lawrence Pawelzik, der den Kulturbereich der beiden zur Parterre-Gruppe gehörenden Lokale führt, bereits vor zwei Wochen in der bz angetönt. Nämlich, dass man dann «über die Bücher» müsse und «schauen, was überhaupt noch möglich ist».

Gestern am Telefon konstatierte Pawelzik, dass er schon langsam das Herzflattern bekomme angesichts der dringlichen Situation. In den nächsten 18 Tagen wollen er und sein Team nochmals kräftig die Werbetrommel für die Funding-Aktion rühren. Täglich sollen via die sozialen Medien entsprechende kurze Videoclips mit Statements von prominenten Personen und auch den Teammitgliedern veröffentlicht werden, die zur Rettung des «Atlantis» und des «Parterre One» in der Kaserne aufrufen. «Zudem stellt uns Kulturservice Basel 150 Plakate kostenlos zu Verfügung. Das wird die Visibilität der Aktion noch erhöhen», gibt sich Pawelzik zuversichtlich. Des Weiteren würden Stammkunden per Post angeschrieben.
Die Coronakrise kommt für die beiden Institutionen zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. Seit Sommer vergangenen Jahres sei klar, dass die langjährige Mäzenin, die den defizitären Kulturverein des «Parterre One» bisher finanzierte, dies nicht weiter tun werde, so Pawelzik. «Wir sind seither im Gespräch mit verschiedenen Stiftungen und Sponsoren. Es hat sich bis heute aber noch nichts konkretisiert.»

Überwältigender Erfolg für Oberbaselbieter Beiz

Heinz Lauper, der Wirt des Restaurants Löwen in Rünenberg, ist von der Solidarität der Bevölkerung beeindruckt. Das Crowdfunding zugunsten seiner Beiz erreichte nach knapp drei Wochen einen Kontostand von gut 10000 Franken. Ab nächstem Montag ist der «Löwen» wieder offen. «Vorerst mit kleiner Karte und 35 Sitzplätzen», schränkt Lauper ein. Initiant Urs Grieder ist vom Erfolg der Spendenaktion überwältigt. Als Ziel waren ursprünglich 2000 Franken veranschlagt. «Sehr bemerkenswert», kommentiert auch Eigentümer Urs Siegenthaler das Ergebnis. Einziger Wermutstropfen: «Was trägt die Gemeinde dazu bei?», stellt Siegenthaler als rhetorische Frage. Denn die Rechnung für die Parkplatzmiete sei prompt eingetroffen – obwohl das Restaurant wegen einer behördlichen Anordnung schliessen musste. (uf)