Die von den Spitzen der bürgerlichen Parteien CVP, FDP, LDP und SVP erst am 1. April beschworene Allianz wackelt bereits heftig. So will die FDP die Unterstützung für Frehner bei den Wahlen vom 23. Oktober nochmals überdenken, wie Parteichef Daniel Stolz gegenüber der bz verrät.

Frehner sei als gemeinsamer Kandidat der bürgerlichen Parteien angetreten – nicht als Kandidat der SVP. «Nach dem bedauerlichen Entscheid der CVP stehen wir vor einer neuen Situation», findet Stolz. Allerdings: Die Empfehlung für Frehner wurde auch in eigenen Reihen kritisiert: Geschichtsprofessor und FDP-Mitglied Georg Kreis nannte die bürgerliche Allianz in der «Basler Zeitung» einen «historischen Fehler.» Stolz lässt durchblicken, dass eine Kandidatur der FDP wieder zur Disposition steht.

Das Aus nach Blochers Kampfansage

Auch die LDP diskutierte gestern Abend kontrovers darüber, ob sie Frehner tatsächlich unterstützen soll. Dies, obwohl die Parteileitung nach dem CVP-Entscheid kurzfristig beantragt hatte, das heikle Geschäft zu streichen. Zu einem Beschluss kam es aber nicht, vielmehr wurde der Vorstand beauftragt, nochmals über die Bücher zu gehen. LDP-Vizepräsidentin Patricia von Falkenstein ärgert sich jedoch, dass die Allianz bereits Geschichte sein soll. Auch in der LDP sei die Basis gespalten gegenüber der SVP, betont sie und fügt an. «Dennoch hätten wir das durchziehen müssen.»

CVP-Vizechef Lukas Engelberger betont, die Parteileitung habe Frehner und die drei Partner auf die Vorbehalte in den eigenen Reihen aufmerksam gemacht. «Offenbar haben wir die Skepsis unterschätzt», räumt er ein. Nach der Kampfansage der nationalen SVP an den Ständerat sei es schwierig geworden, der Basis die Unterstützung eines SVP-Kandidaten zu vermitteln. Über die Folgen des Zerwürfnisses mag Engelberger nicht spekulieren. Er stellt aber klar: «Wir bleiben eine bürgerliche Partei.»

Das Ende bürgerlicher Kooperation

Das nimmt ihm Ständeratskandidat Frehner nicht ab: «Die CVP hat sich aus dem bürgerlichen Lager verabschiedet.» Ihn habe der Entscheid der CVP trotz der Hinweise überrascht. Schade sei, dass es den Bürgerlichen einmal mehr nicht gelinge, gemeinsam gegen Rot-Grün anzutreten. Für den SVP-Präsidenten ist eine grosse bürgerliche Zusammenarbeit auf Jahre hinaus erledigt. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass die SVP 2012 einen Regierungsratskandidaten der CVP unterstützen wird.»

Die besondere Konstellation ruft nun weitere Parteien auf den Plan: Beflügelt von den Wahlsiegen in Baselland, Zürich und Luzern überlegen sich die Basler Grünliberalen (GLP), einen eigenen Ständeratskandidaten zu portieren. Die jetzige Auswahl mit Frehner rechts und Anita Fetz links hinterlasse eine Lücke, findet GLP-Präsident David Wüest-Rudin. Ein Ständeratskandidat der Mitte könnte jene Wähler ansprechen, die für den Atomausstieg, aber gegen eine linke Politik seien. Gestern spät abends beriet der GLP-Vorstand über Chancen und Risiken einer Kandidatur.