François Hollande, Conchita Wurst, der Teufel: Sie alle fanden den Weg auf den Münsterhügel. Am Abend strahlten sie in ihrer vollen Pracht. D Ladäärne-Usschtellig auf dem Münsterplatz präsentiert die Doppelmoral im besten Licht, beleuchtet die dunkle Seite der Macht – und zoomt die Selbstdarstellung ganz nah heran. Die Leichtigkeit des Humors trägt die thematische Schwere. Das Lachen will dabei – wie die Selfies – geteilt werden: «Haben Sie den Vers gelesen? Der ist zu gut!»

Die Galerie der Laternen zog Tausende an. Im Vergleich zu der Innenstadt ist die Fasnachtswelt auf dem Münster ruhiger, nachdenklicher. Der Spaziergang durch die Laternen ist gleichzeitig ein Gang durch die globalen und lokalen Geschehnisse, Aufreger oder Trends der letzten Jahre.

Die Laterne der Schnooggekerzli, liefert dabei eine beeindruckende Übersicht. Da tanzt Alexis Sorgas (es gliehe nume d Sohle, die händ jo gar kai Kohle), es knabbert ein Murmeltier als Nagra Endnager, Sabine Pegoraro erntet einen Salat im Strebergärtli und die Silhouette des Roche-Turms ist Too big to Fehl. Wie in einer Briefmarkensammlung reiht die Clique Bild an Bild.

Ein grosses Gemälde zeigt der Stamm der Spezi-Clique. Unter dem Motto S Paradyys macht d Dyyre zue verknüpft er auf seiner detailverliebten Laterne die Schöpfungsgeschichte mit der Schweizer Abschottungspolitik (Im paradyys duesch s Läbe gniesse und am liebschte d Gränze schliesse). Auch ein Seitenhieb auf die regionale Zugehörigkeit wird ausgeteilt: Für d Baselbieter allem aa, fot s Ussland scho bim Joggeli aa. Basel-Stadt versus Basel-Landschaft: Verschiedene Laternen beleuchten diesen Graben. So lodert der rote Baselstab der Gundeli Gniesser, Alti Garde, auf dem Scheiterhaufen. Spöttisch heisst es: Baselbieter wämmer blyybe und wytter rooti Zaale schryybe!

Im Gegensatz zu den vorhersehbaren Themen wie jenem der Fusionsinitiative oder des Roche-Turms überrascht die Sujet-Wahl um TV-Moderatorin Tamara Wernli. Ihre Kolumne über das Stillen in der Öffentlichkeit hievt sie barbusig auf die Laterne des VKB Stamm.

Entblösst werden auch die Regierungsräte. In schwärzestem Humor respektive Leder zerrt sie die Dupf-Club, Stammclique, ins Rampenlicht: Eine Domina hält alle sieben Politiker an der Leine – auf der Rückseite prostituiert sich die Stadt als Basel Whore für ein paar Uhren und Schmuckstücke.

Im Gegensatz zu anderen Jahren sind die Regierungsräte nur selten auf einer Laterne. Dagegen dominiert neben den zahlreichen Selfie-Sujets das Gefühl der Angst. Die eigentliche Apokalypse zeigt eindrücklich der Stamm der Märtplatz-Clique: Das Böse macht sich über die Welt her, im Höllenfeuer lodern neben Putin und Obama auch Jesus: Yich hoff, ass es do nit Beschwärde haglet, well dä grilliert isch und nit gnaglet. Schwarz leuchtet der Humor wunderschön im Laternenglanz.