Zolli

Da freuen sich die Affen: Der Futtermeister bringt Menüs wie im Fünf-Sterne-Hotel

Wermelinger bringt jeden Tag ab 7 Uhr den Tierpflegern Gemüse und Früchte vorbei, die diese im Laufe des Tages ihren Tieren verfüttern

Wermelinger bringt jeden Tag ab 7 Uhr den Tierpflegern Gemüse und Früchte vorbei, die diese im Laufe des Tages ihren Tieren verfüttern

Der Futtermeister Stefan Wermelinger sorgt dafür, dass die Mägen bei den Zolli-Bewohnern alle voll werden.

Was für eine Speisekarte: 20 Fenchel, 8 Lauchstangen, 6 Randen und eben so viele Eier. So sieht ein Teil des täglichen Menüplans von Faddama, Goma, Quarta, Joas, Zungu und Silberrücken M’Tongé aus. «Das Gemüse, das die sechs Gorillas im Zolli jeden Tag vorgesetzt bekommen, ist erstklassig», stellt Stefan Wermelinger klar. Es wird nämlich auch in Fünf-Sterne-Hotels für die Gäste gebraucht. Wermelinger ist der Futtermeister im Zolli, bereitet für jedes Zootier Frühstück und Mittagessen vor und fährt die Mahlzeiten jeden Morgen ab 7 Uhr mit seinem kleinen Lieferwagen zu den Gehegen.

Die Klammeraffen warten sehnsüchtig darauf, dass Wermelinger endlich vorbeikommt.

Die Klammeraffen warten sehnsüchtig darauf, dass Wermelinger endlich vorbeikommt.

Routiniert belädt er die Ladefläche seines orangen Lieferwagens. In den Eimern befinden sich Salat, Tomaten, Karotten, Trauben und so weiter. Das Affenhaus gehört zur ersten Station auf seiner Tour. Erwartungsvoll sitzen die Klammeraffen hinter den Gehegegittern und lassen ihren Tierpfleger nicht aus den Augen. Für sie hat Futtermeister Wermelinger vor allem Gemüse und Salat in die Eimer abgefüllt: «Bei den Kleinaffen muss man die Futtermenge und Zusammensetzung im Auge haben. Sie haben hier ja nicht so viel Bewegung wie in freier Natur.» Konsequenz: «Es gibt für sie nicht viel Süsses, sonst werden sie zu dick.»

Ein Bauer liefert frisches Gras

Überhaupt werden den Tieren am Morgen das Gemüse und erst am Nachmittag die Früchte in den Käfig gelegt. «Es ist wie bei den Menschen: Wenn sie zuerst Süsses bekommen, haben sie danach kein Interesse mehr an Gemüse.»

Nach den Kleinaffen sind die Menschenaffen dran. Bei ihnen hat sich die Zubereitung des Futters seit Kisoros Tod – der Silberrücken starb im Mai an einem Fuchsbandwurm – verändert. Heute werde das Gemüse zur Abtötung der Fuchsbandwurmeier gedämpft, bevor es die Affen bekommen, so Wermelinger. Mais und belaubte Äste gehören dazu. Und manchmal gibt es Hüttenkäse als Überraschung.

Für Nachschub bei den Ästen, dem Laub und Gras sorgt eine Equipe von Zolli-Mitarbeitern, die regelmässig mit Förstern in den Wald geht. Giraffen, Elefanten und die Affen haben Freude an dem Grünzeug. Zudem liefert ein regionaler Bauer jeden Tag frisches Gras, unter anderem für die Bisons und Muffons.

Stefan Wermelinger, der Landschaftsgärtner gelernt hat, fährt seit zwei Jahren als Futtermeister seine drei Nahrungstouren im Zolli. Mit Gemüse und Früchten kannte er sich schon aus, übernahm er doch zuvor den Einkauf von ebendiesen für Grossbetriebe und Gastronomie. Vieles andere aber habe er dazulernen müssen. Neben den Namen unbekannter Tierarten und deren Vorlieben musste sich der 32-Jährige Wissen über Fische aneignen. Dies ist wichtig für die Belieferung der Weiher-Dienstler, die sich um die Flamingos, Pelikane und Pinguine kümmern. In vier grossen Kübeln transportiert Wermelinger heute Hering, Makrelen und Sprotten. Auch in einigen Schalen für die Vögel, die in den Volieren platziert werden, finden sich neben Körnern, Früchten und Insekten ein paar Fische.

Hasen liegen im Tiefkühler parat

Nach gut zwei Stunden ist der Futtermeister mit seinen drei Futtertouren fertig. Dann geht es ums Vorbereiten für den kommenden Tag: Gemüse rüsten, Früchte und Fische bereitstellen und auch Trockenfutter zubereiten. Hinten rechts im grossen Kühlschrank führt eine Türe in den Tiefkühler. Dort sind die Tiere für die Fleischfresser gelagert – Tauben, Küken oder Hasen. Und in einem anderen Kühlraum auch Laub, damit die Pflanzenfresser im Winter Blätter von den Ästen reissen können, wie Wermelinger erklärt. Vor einiger Zeit habe er mit Arbeitskollegen diese Idee gehabt, um den Laubfressern während der kalten Monate eine Freude zu machen.

Der Zolli ist bedacht, Nahrung, die in der Region erhältlich ist, auch aus dieser zu beziehen. Früchte für Tiere, für die zum Beispiel Ananasse wichtig sind, werden im Süden eingekauft. Der Zolli verfügt über eine eigene Metzgerei, in der mehrmals jährlich auch Huftiere, die im Zoo aufgewachsen sind, zur Verfütterung an andere Zollitiere wie zum Beispiel Löwen und Wildhunde verarbeitet werden.

Erste Erfahrung bei Javaneraffen

Stefan Wermelinger bringt aber nicht nur Fleischstücke zu den Fleischfressern. Am Nachmittag macht er sich auf, lebendige Insekten – vor allem Grillen und Heuschrecken – bei den Tierpflegern zu verteilen. Auch diese gehören zu den Leibspeisen der Vögel, Affen und Reptilien. Der Zoo Basel ist schweizweit der einzige Betrieb, der heute noch Grillen und andere Futterinsekten im grossen Stil züchtet. Damit ist eine optimale Futterqualität gewährleistet. In einer grossen Box befinden sich bis zu 10 000 Tiere, führt Wermelinger aus. Und im Lagerraum daneben befindet sich die Mäusezucht.

Derzeit absolviert Wermelinger die zweijährige berufsbegleitende Ausbildung zum Tierpfleger. Dabei wird er betriebsintern auf die Pflege einer Vogelart, eines Reptils und je eines Fleisch- und eines Pflanzenfressers ausgebildet. Seine ersten Tierpflegererfahrungen sammelt er nun bei den Javaneraffen. Fährt er dort mit seinem Futterwagen durch, sitzt bereits einer der beiden Bosse am Gitter und hofft auf einen Leckerbissen. «Den ich ihm gerne gebe, wenn ich in diesem Tierdienst eingeteilt bin.»

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