Die Heimat liegt Tausende Kilometer entfernt. Die Sprache in der neuen Stadt ist schwer verständlich, die Kultur fremd, das Geld knapp. Wie kann man vor diesem Hintergrund im neuen Land ankommen? Wo lernt man Menschen aus der Region kennen? Diese Fragen stellten sich auch die Theologin Monika Hungerbühler von der Offenen Kirche Elisabethen und Astrid Geistert, Leiterin des Oekumenischen Seelsorgediensts für Asylsuchende der Region Basel. Daraus entstand das Projekt «Da-Sein» der Offenen Kirche Elisabethen, wo Asylsuchende ihren Alltag durchbrechen und Einheimische treffen können.

Dafür stellt die Offene Kirche Elisabethen seit zwei Wochen den Garten und ihre Räume im Untergeschoss des Pfarrhauses zur Verfügung. Vorerst an zwei Tagen pro Woche. «Die meisten Flüchtlinge kommen nur mit Schweizern in Kontakt, die bei den Behörden arbeiten. Hier erwarten wir nichts von ihnen. Sie dürfen einfach Mensch sein», sagt Monika Hungerbühler. Ein fixes Tagesprogramm sei deshalb nicht angedacht. Im Garten steht ein Pingpong-Tisch, drinnen gibt es Brettspiele, Bücher und eine Thermosflasche mit heissem Kaffee. Im hinteren Raum reihen sich Bilderbücher aneinander und ein rotes Schaukelpferd steht auf einer grossen Baby-Decke. Auf seinem Rücken sitzt ein Plüschpanda. Die Einrichtung ist noch provisorisch. In den nächsten Wochen beginnen die Bauarbeiten für die Räumlichkeiten von «Da-Sein». Eine Küche wird eingebaut, der grosse Aufenthaltsraum ausgebaut.

Ab dem Herbst soll einmal pro Woche gemeinsam gekocht und gegessen werden. Auch Angebote wie Stadtführungen, Nähen oder kleinere Ausflüge sind nach dem Umbau angedacht. «Alle Aktivitäten beschränken sich auf einen Nachmittag. Denn die Asylsuchenden können sich aufgrund ihrer unsicheren Situation nicht verpflichten», sagt Nicole Schwarz. Die soziokulturelle Animatorin ist die Projektmanagerin von «Da-Sein».

Vorerst zieht das Projekt – während den Bauarbeiten im Sommer – aber in grosse Zelte im Garten des Pfarrhauses. «Viel wichtiger als ein fixfertiger Raum ist die gemeinsame Zeit und unsere Präsenz», sagt Monika Hungerbühler. Als Co-Leiterin der Offenen Kirche Elisabethen klingeln bei ihr jede Woche Asylsuchende an der Tür: «Die Kirche ist bekannt dafür, dass man einen Gesprächspartner oder einen warmen Platz findet, wo man verweilen darf.» Mit dem Projekt «Da-Sein» wolle die Offene Kirche Elisabethen den Ort der Gastfreundschaft für alle Menschen in der Stadt ausbauen, sagt die Theologin.

Expats als Freiwillige

Unterstützung erhielt die Kirche für das Projekt schnell. Die beiden Landeskirchen und massgeblich die Christoph-Merian-Stiftung sichern die finanzielle Grundlage; zwölf Freiwillige den Austausch. Darunter sind Basler, ehemalige Asylsuchende oder Expats. Gerade Letztere zeigten ein reges Interesse an der ehrenamtlichen Tätigkeit. «Auch sie suchen den Kontakt zu Schweizern und wollen sich hier einbringen», sagt Nicole Schwarz. Sie führte mit allen Interessierten ein Gespräch, um sie kennen zu lernen. «Wer hier arbeitet, braucht ein gesundes Selbstbewusstsein und muss sich abgrenzen können. Denn man muss die schweren Schicksale aushalten können», sagt die Projektleiterin.

Robel Daniel aus Äthiopien ist einer der ehrenamtlichen Helfer. Er erfuhr über die GGG vom Projekt. Innert kurzer Zeit wurde «Da-Sein» zu einem wichtigen Bezugspunkt für ihn. Er weiss aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, als Flüchtling Einheimische kennen zul ernen. «Bestehen aber die Kontakte, dann sind die meisten Menschen sehr hilfsbereit. Für die Integration ist ein solcher Austausch enorm wichtig», sagt Robel Daniel. Das bestätigt auch Asylkoordinatorin Renate Gäumann: «Gelebtes zivilgesellschaftliches Engagement im Flüchtlingsbereich bedeutet gelebte Integration – beidseitig.»