Bummelsunntig

«Dätsch durch d’Gasse» – am zweiten Bummel treten die Diskussionen in den Hintergrund

Bei prächtigem Wetter riefen die Aktiven die Fasnacht nochmals in Erinnerung. Kein Thema mehr sind die politische Korrektheit und das viel diskutierte Sujet der alten Garde der «Alte Stainlemer».

Die «Orginal-Chnulleri» stimmten im 10er-Tram aus dem Leimental kommend die Fahrgäste auf den Bummelsonntag ein. Doch statt «Glory Hallelujah» sangen sie nur noch «mir sind d Chnulleri und mir hän Durscht». Ein Plädoyer für die Minibar im Tram. Am Barfüsserplatz spielten auf der Treppe zur Streitgasse die «Sonate Schlyffer» ein Konzert und bildeten so eine grosse Traube. Zudem erfreuten sie die Wirte der umliegenden Restaurants, die alle ihre Tischchen besetzen konnten.

Auf dem Platz spielte die «Schotte-Clique» bereits wehmütig «An Tagen wie diesen». Ja, es war ein sonniger und warmer Bummelsonntag und die ersten haben realisiert, dass mit der Fasnacht 2019 langsam aber sicher Schluss ist. Nebenan füllte die «Lämpe Clique» die Pause der Schotten. Die Gugge, die aus Biel stammt, versuchte mehr oder weniger erfolglos das Publikum zum Klatschen zu animieren. Anscheinend war der vorgegebene Rhythmus zu kompliziert. Der letzte 16er, der noch durch die Falknerstrasse will, schleicht einer kleinen Pfeifer-Gruppe hinterher. Auf der Paraderoute, der Freien Strasse wird es langsam immer voller. Der Würstchenverkäufer schwitzt und hat bereits einen Lieferengpass.

Der Vortrab der jungen «Schnooggekerzli» verteilte kleine Fähnchen, die das Publikum gleich artig schwenkte, um die nachfolgenden jungen Tambouren und Pfeifer zu motivieren – perfektes Selbstmarketing. Es folgten die Jugendgugge «Graffitti-Spukker», die den anderen Guggen gehörig Dampf machte, die «Junge Pfluderi» oder «d Verschnuuffer». Fünf junge «Olymper» nehmen sich die Freiheit und trommeln nochmals durch die Einkaufsstrasse, als ihre Kollegen bereits Pause machen.

Die jungen Garden scheinen –neben jenen der Männercliquen, natürlich – aktuell gut durchmischt zu sein. Es versuchen sich viele Buben im Pfeifen und Mädchen beim Trommeln. In den Gesprächen ist vor allem das schöne Wetter ein Thema. So hätten die «drey scheenschte Dääg» sein sollen. Kein Thema mehr sind die politische Korrektheit und das viel diskutierte Sujet der alten Garde der «Alte Stainlemer». Oder doch? Am Restaurant Schnabel hängt ein grosses Transparent der «Seibi»: «Due nid hasse, dätsch durch d’Gasse», steht darauf und recht haben sie: Der Bummelsonntag ist zu kurz um nicht noch einmal kräftig «z ruesse und z pfyffe».

Im «Gläbbergässli» sorgen auch keine pöbelnden Personen für weniger Komfort, nur eine Baustelle engt den Aktionsradius der Cliquen ein. Apropos Aktionsradius: Auch ein Schnitzelbänggler bummelte mit: Der «Bolderi» schritt mit Larve und Helgen eilig die Streitgasse hinunter. Auffallend waren die Kleidungen der Mitwirkenden. Früher bummelte man in «zivil», heute trägt die Bummlerin oder der Bummler mindestens ein Cliqueshirt oder -jäckchen. Die meisten Cliquen, insbesondere jene mit Testosteronüberschuss, tragen Anzüge und Krawatte oder die Damen ziehen etwas Schickes aus dem Kleiderkasten. Man könnte beinahe von Bummel-Uniform sprechen. Auffallend viele Damen tragen rote Hüte. Eine Hommage an die erste Fasnacht der ersten Obfrau Pia Inderbitzin?

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