Welchen Wein kann ich dem Schwiegervater mitbringen? Welcher Jahrgang ist besonders zu empfehlen? Für welchen Tropfen lohnt es sich, etwas mehr auszugeben? Selbst für erfahrene Weinliebhaber ist es manchmal schwierig, sich einen Überblick zu verschaffen. Am Samstag startet die diesjährige Basler Weinmesse. Rund 3500 Weine aus aller Welt werden hier angeboten. Eine Auswahl, die gerade für jene Besucher zur Herausforderung wird, die aus weinbildungsfernen Schichten stammen. Und weil der erste Schritt in neue Geschmackswelten ein kleiner für die Menschheit, aber persönlich immer ein grosser ist, hier ein paar Tipps für Laien von Experten.

Eintritt in die heiligen Hallen. Und nun?

Der Laie sollte erst einmal wissen, was er eigentlich will, muss sich überlegen, was ihm schmeckt. Und er sollte wissen, bei welcher Gelegenheit er den Wein auftischen will. Für einen Apéro etwa rät der Liebhaber eher zu einem leichten Weisswein oder Rosé. Schwieriger wirds beim Essen. Auch hier haben Experten eine Faustregel bereit: Der Wein sollte dem Essen entsprechen. Schade ist, wenn der Wein das Essen geschmacklich übertüncht – oder umgekehrt. Zu einem leichten Essen wie Fisch bietet sich ein Weisswein an. Wird Wild aufgetischt, passt dazu ein schwerer Roter. Und nicht vergessen: Preisgrenze festlegen. Zwischen 15 und 25 Franken gibt es sehr gute Weine. Teurere Tropfen bringen für den blutigen Anfänger eigentlich gar nichts.

Doch wo finden wir, was wir wollen?

An der Basler Weinmesse gibt es ganz unterschiedliche Anbieter: Produzenten, Händler und Grossisten. Für den Laien, der erst einmal einen Überblick gewinnen will, bietet sich daher am ehesten ein Händler an, der über ein breites Spektrum Bescheid weiss. Das aber reicht dem unsicheren Besucher meist noch nicht angesichts des unübersichtlichen Angebots mit Tausenden von Weinen. Ein Tipp: Der Laie kann sich nach dem Medaillenspiegel mit prämierten Weinen richten. Im Messekatalog gilt es, einen Aussteller zu suchen, der viele Medaillen aufweist, ist von einem solchen doch eine kompetente Beratung zu erwarten.

Wie aber verrate ich mich nicht schon im ersten Moment als Laie?

Zusammenfassend: Eine gute Vorbereitung ist auch hier alles. Wir überlegen uns also bereits im Vorfeld, was wir eigentlich wollen, und picken uns mithilfe des Medaillenspiegels die Aussteller heraus, deren Stand wir besuchen wollen. Denn merke:

Der Laie verrät sich dadurch, dass er suchend durch die Messe geht, weil er nicht genau weiss, was er will. So viel zu den Basics. Aber auch wenn man einen Stand nun zielstrebig ansteuert, irgendwann steht man vor dem Händler, und der will wissen, was man möchte. Dann sitzt man auf dem Trockenen, denn Weine sind eine Wissenschaft, und die Sprache ist es auch.

Am Stand. Nun gilts ernst.

Vorsicht! Der Fettnäpfchen sind gar viele, in die der Laie treten kann. Er sollte Interesse zeigen, Fragen stellen. Oft fällt der Anfänger mit einem Halbwissen auf, das er
vom Hörensagen hat. Und ganz wichtig: Er sollte sich Zeit lassen. Es geht hier nicht um ein Wettrennen, das gewinnt, wer bis am Abend am meisten Stände besucht hat. Auch sind Besucher ungern gesehen, die den Wein glasweise einfach runterkippen. Der Laie soll verschiedenste Weine kosten, offen für Neues sein. Nur über die Vielfalt lernt man die Welt des Weines kennen. Und der Laie darf auch nicht immer alles glauben, rät der Experte. Der Wein, der mir am besten schmeckt, ist der beste. Ganz egal, was der Händler sagt.

Nun lockt die Praxis, aber wie degustiere ich richtig?

Auch hier im Voraus gut zu wissen: erst den Weissen, dann den Roten, zum Schluss den Dessertwein. Man darf nicht mit einem sehr aromatischen Wein starten. Denn probiert man danach einen leichten Wein, wird der Geschmack verfälscht. Eselsbrücke: Nach Rot
ist Weiss tot.

Und nun gehts endlich ans Eingemachte.

Der Geübte schnüffelt zuallererst am Glas, ob dieses auch sicher nicht riecht. Dann wird der Wein im Glas betrachtet (wie gesagt: Zeit lassen!). Rein technisch hält der Profi das Glas nie am Bauch, sondern am Stiel oder Fuss. Nun riechen wir am Wein, schwenken das Glas und riechen wieder. Es ist so weit: Den ersten Schluck im Mund drehen und runterschlucken (langsam!). Wenn der Wein nun nicht dem persönlichen Geschmack entspricht, getrost gleich wegstellen. Ansonsten: der zweite Schluck. Diesen allerdings empfiehlt es sich, in einen bereitstehenden Becher auszuspucken. Man sollte bei einer Degustation nicht zu viel trinken (wirklich nicht). Zwei Gründe: Die Geschmacksknospen machen das nicht mit. Und: Bei einem Messebesuch sollte man nüchtern sein, sonst lässt man sich plötzlich zu einem Kauf überreden, den man gar nicht wollte.

Doch alles nur Show?

Letztlich aber ist gut zu wissen: Um das Degustieren wird oft ein grösseres Tamtam gemacht, als es eigentlich ist, sind sich Experten einig. Unter dem Strich zählt nur eines: Schmeckt mir der Wein oder nicht?

Zu viel Informationen. Ich verstehe immer noch nur Bahnhof?

Macht nichts. Wer sich immer noch total überfordert fühlt, kann jederzeit auf die Basler Feinmesse umschwenken, den «Treffpunkt Biergenuss» oder die «Welt der Spirituosen» besuchen und auf die Weinmesse pfeifen.

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Basler Weinmesse 2018: 27.10. bis 4.11. Messe Basel, Halle 2.1. Mo - Sa
15 - 21 Uhr, So 13 - 19 Uhr. www.baslerweinmesse.ch

Basler Feinmesse 2018: 1. - 4.11. Messe Basel, Halle 2.1. Do - Sa 15 - 21 Uhr, So 13 - 19 Uhr. www.feinmesse.ch; www.weltderspirituosen.ch;
www.treffpunktbiergenuss.ch