Nähkästchen

Dani von Wattenwyl: «Auch ich hatte kontrollierten Grössenwahn»

Aus dem Nähkästchen zieht Dani von Wattenwyl den Begriff «Müdigkeit». Sie ist ein steter Wegbegleiter im Leben eines Radiomoderators.

Er gehört beinahe zum Stadtbild: Dani von Wattenwyl, das Gesicht von «Telebasel», die Stimme von «Radio Basilisk» – und Schauspieler im «Häbse Theater», wo er derzeit mit dem Stück «Wenns zwölfi schloot» auf Pointenjagd geht.

Herr von Wattenwyl, welchen Begriff haben Sie gezogen?

Dani von Wattenwyl: «Müdigkeit». Ja, das passt zu mir.

Sie sind Jungvater. Etwa deswegen?

Nein, nicht mal. Unser Sohn Henry ist ein guter Schläfer. Seitdem er zwei Wochen alt ist, schläft er durch. Und lange! Früher schlief er bis um neun Uhr, jetzt immerhin noch bis um halb acht. Nein, Müdigkeit passt deswegen so gut zu mir, weil ich jahrelang Frühdienst beim Radio gemacht habe. Da musste ich zum Teil um drei Uhr aufstehen.

Und wie äussert sich die Müdigkeit bei Ihnen?

Wenn ich ganz müde werde, dann spreche ich, wie wenn ich zu viel getrunken hätte. Ich bin dünnhäutig, ungeduldig und uneinsichtig.

Sind das Charaktereigenschaften, die Sie sonst nicht in sich tragen?

Doch, aber ich kann besser damit umgehen. Meine Mutter ist Mittelamerikanerin, mein Vater Schweizer. Ich bin ein Mix, habe die Präzision und die Pünktlichkeit eines Schweizers in mir, aber das Ungestüme, Emotionale und Lockere der Mittelamerikaner. Ich kann also durchaus mal hässig sein, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle.

Wie machen Sie es zu Hause, wenn Sie mal ausschlafen wollen?

Wenn ich in den Ausgang gehe, darf ich ins Gästezimmer gehen und meine Frau kümmert sich um Henry.

Sie sind 46 Jahre alt. Können Sie überhaupt noch Party machen?

Natürlich nicht mehr so viel wie früher, aber ich kann schon noch festen. Da wundern sich viele: Sie denken, wer im Fernsehen die Nachrichten liest, der muss konservativ sein. Was auch oft passiert, ist, dass die Leute zu später Stunde zu mir kommen und mir sagen: «Du bist ja gar nicht so unsympathisch und arrogant, wie ich dachte.»

Was führt dazu, dass man dieses Bild von Ihnen zu haben scheint?

Vielleicht denken die Leute so: Der hat ja kaum was erreicht, ist nur Nachrichtensprecher im Lokalfernsehen, und bildet sich trotzdem was darauf ein.

Sie gehören zur Lokalprominenz. Sind sie es nicht müde, immer und überall erkannt zu werden?

Aber einen Starstatus habe ich ja nicht. Ich kann verstehen, wenn ein Kurt Aeschbacher genug davon hat, dass alle tuscheln. Das passiert, wenn er als Zürcher mal in Basel ist. Bei mir wird nicht getuschelt; es ist normal, wenn man mich irgendwo sieht.

Haben Sie Fans? Oder gar Groupies?

Ich musste auch schon Unterschriften geben (lacht). Und es kommt vor, dass mich die Jugendlichen erkennen. Es ist also nicht so, dass alle nur Podcasts hören. Aber Groupies gabs eigentlich nie. Aber auch schon Fälle, in denen jemand aufdringlich wurde und beispielsweise zu Hause anrief. Das waren dann aber meist andere, tiefer liegende Probleme.

Trauern Sie keiner grösseren Karriere nach? Beim SRF oder als Filmschauspieler? Sie haben ja immerhin die Schauspielschule gemacht?

Ich geniesse mit meinem jetzigen Job, dass ich so vielseitig sein kann. Ich kann schauspielern, Radiosprecher sein und bei «Telebasel» die Nachrichten sprechen. Das lässt sich problemlos kombinieren, was beispielsweise beim SRF nicht möglich wäre. Natürlich, zur grossen Samstagabend-Show würde ich nicht Nein sagen ...

Diese Hoffnung hatten Sie nie?

Jeder, der die Schauspielschule macht, hat einen, ich nenn es mal, «kontrollierten Grössenwahn». Jeder denkt: Die Welt muss mich kennen lernen. Dieser Ehrgeiz ist auch gut, damit sich etwas entwickelt. Den hatte auch ich. Aber bei mir pendelte es sich ziemlich schnell ein, weil ich bereits mit 19 im Radio Fuss fasste und kurz darauf im damaligen Stadtkanal. Meine Kollegen zog es weg. Vor 25 Jahren waren die «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» populär. Alle reisten nach Deutschland und wollten gecastet werden.

Hätten Sie es mit Ihrem schauspielerischen Talent geschafft, wenn Sie alles auf eine Karte gesetzt hätten?

Natürlich, ich bin ja der beste Schauspieler der Welt (lacht). Nein, im Ernst: In der ganzen Kunstwelt ist es doch so, dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein muss. Du begegnest vielen Leuten, die ein wahnsinniges Talent haben, aber irgendwie nie den Durchbruch schaffen. Und andere sind mittelmässig und starten voll durch.

Kennen Sie Probleme, einzuschlafen?

Ja, das kommt häufig vor. Vor Premieren oder nach Theateraufführungen. Da muss man vieles verarbeiten, das gilt für die Wettkampfsportler genauso wie für uns Schauspieler. Statt an die Decke zu starren und zu hoffen, dass die Augen zufallen, sollte man dann aber aufstehen und ein Buch lesen. Und es später nochmals versuchen.

   

Dani von Wattenwyl ist derzeit im Häbse-Theater auf der Bühne zu sehen. Sein Stück «Wenns zwölfi schloot» wird bis zum 12. Mai 2019 aufgeführt.

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