Herr Arni, was ist das Thema?

Ich habe «Gerechtigkeit» aus dem Nähkästchen gezogen.

Was löst der Begriff bei Ihnen aus?

Wenn jemand ungerecht behandelt wird, setze ich mich für diese Person ein. Gerade in meinem Job spielt Gerechtigkeit eine grosse Rolle. Ich wollte stets gerecht zu allen Markthändlern und Standbetreibern an der Herbstmesse und am Weihnachtsmarkt sein.

Gelingt Ihnen das? Sie entscheiden, wer mitmachen darf. 1000 Bewerbungen gehen für die Herbstmesse jeweils ein, 509 sind schliesslich dabei.

Sicher gab es während meiner elfjährigen Amtszeit Fälle, die sich ungerecht behandelt gefühlt haben. Verständlich, da hängen Existenzen davon ab. Schausteller und Markthändler sind ein sehr direktes Volk ...

... wurden Sie also schon angefeindet?

Nein, die Contenance verloren hat nie jemand. Ich habe von Beginn weg einen respektvollen Umgang gepflegt, so kam es auch zurück. Eine gewisse Distanz ist auch wichtig: Ich sieze konsequent alle Händler, es sei denn, ich kenne sie oder ihn von anderen Tätigkeiten, der Fasnacht etwa. Das «Du» ist in heiklen Situationen nicht unbedingt förderlich.

Können Sie persönliche Präferenzen ausblenden bei der Auswahl?

Ich lege meine private Messesicht sehr gut ab, ja. Und ich treffe die Entscheide nicht alleine: Mein Team und ich gehen bei der Auswahl nach fairen Kriterien vor.

Was sind das für Kriterien?

Das Produkt muss attraktiv sein, zum Konzept passen. Das Angebot ergänzen. Die Herbstmesse hat einen klaren Basler Bezug, traditionelle Anbieter sind wichtig, damit der Charakter der Messe bewahrt wird. Da passt ein Oktoberfest-Hüttengaudi nicht hin. Solche Bewerbungen erhalten wir immer wieder. Und auch das Preis-Leistungs-Verhältnis spielt eine Rolle. Wir wollen keine überteuerte Messe.

Die Leute haben aber den Eindruck, die Herbstmesse wird immer teurer.

Natürlich hat es über die Jahrzehnte wegen der Teuerung Änderungen gegeben. Und die Technologien werden immer ausgeklügelter; das kostet. Ansonsten kann ich sagen: Die vergangenen Jahre ist die Mäss nicht teurer geworden, die Bahnen schlagen nicht auf. Der maximale Preis für eine Fahrt beträgt 12 Franken.

Was ist für Sie persönlich das Highlight an der diesjährigen Herbstmesse?

Es wäre ungerecht, etwas hervorzuheben. Aber ich denke, der Aussichtsturm «City Skyliner» wird begeistern. Das ist sehr entspannend, entschleunigend da oben. Und eine Fahrt kostet nur sieben Franken.

Waren Sie schon auf jeder Bahn?

Ich probiere jedes Jahr alle neuen aus, ja.

Und da ertragen Sie alles?

Naja... Ich bin jetzt 42 Jahre alt, und bei gewissen Bahnen braucht's schon Überwindung, etwa beim Chaos-Pendel auf dem Kasernenareal. Aber das gehört zu diesem Job!

Zu Ihrem Job gehört auch, dafür zu sorgen, dass die Herbstmesse attraktiv bleibt. Viele Standbetreiber klagen aber über einen starken Besucherrückgang in den vergangenen Jahren.

Das ist nicht belegbar. Es ist uns nicht möglich, das Besucheraufkommen an öffentlichen Plätzen ohne Eintritt zu messen. Wir stellen aber fest, dass, wenn die Umstände stimmen, die Herbstmesse-Plätze sehr gut besucht sind. Aber natürlich kennen wir die einzelnen Umsätze nicht.

Die Herbstmesse könnte also auch noch grösser werden, wenn es so gut läuft, wie Sie sagen?

Das ist im Moment nicht vorgesehen.

Ist es aber denkbar, dass die Halle 1 der Messe dereinst genutzt wird, wie es in der Politik gefordert wird?

Hierzu befindet sich eine Interpellation in Beantwortung.

Was ist eigentlich Ihre erste Erinnerung an die Messe?

Als ich ein Kind war, traten Artisten auf, wie die Dame ohne Kopf. Das gibt es heute nicht mehr. Und damals wollte ich unbedingt eine Affenshow auf dem Münsterplatz sehen, eine Art Geisterbahn, wo ein Gorilla ausgebrochen ist – und habe damit meinen ganzen Mässbatze verprasst (lacht). Ich mochte die Herbstmesse immer gerne. Sie war eine Art Hafen für mich, ein sorgenfreier Ort. Etwa während der Rekrutenschule oder der Studienzeit.

Sie sagen es: Die Tendenz geht weg von Showbuden. Hin zu immer wilderen, technisch ausgeklügelten Bahnen. Was ist sonst noch hip im Messegeschäft? Was kommt bei den Besuchern an?

Abgesehen davon, dass die Besucher zunehmend den Adrenalin-Kick suchen, sind interaktive Stände mit Virtual Reality- und Lasertechnologien gefragt.

Können Sie überhaupt noch entspannt, ganz privat, an die Herbstmesse?

Es ist schon schwierig, ich bin da schnell in diesem organisatorischen Konstrukt drin. Aber meine drei Töchter sorgen dann für Ablenkung.

Hat jede von ihnen einen gleich grossen Messebatzen zur Verfügung?

Ja klar. Gerechtigkeit ist ihnen enorm wichtig. Sonst gäbe es wohl Krach (lacht). Den gibt es hin und wieder auch, wenn sich eine ungerecht behandelt fühlt. Gut so, man muss sich in so einem Fall wehren.

Im kommenden Jahr werden Sie nur privat an der Herbstmesse unterwegs sein. Ab 1. Dezember amten Sie als Leiter der Allmendverwaltung. Wie gehen Sie mit Themen wie der zunehmenden Mediterranisierung um?

Es ist noch zu früh, um mich zu meiner dereinstigen Ausrichtung zu äussern. Ich will das hier abschliessen und mich am neuen Ort zuerst einarbeiten.

Warum der Wechsel?

Nach elf Jahren ist das sicher naheliegend. Ein tolle Chance, um mich weiterzuentwickeln. Ich habe mich bereits intensiv mit der Nutzung von öffentlichem Raum befasst in meiner jetzigen Funktion. Von dem her ist das eine gute Fortsetzung.

Ihr Nachfolger bei Messen und Märkte ist noch immer nicht bekannt.

Es gibt eine Auswahl, und diese wird nun bearbeitet. Das wird bald kommuniziert.

Was geben Sie ihr oder ihm für einen Tipp?

Keinen; jeder hat seinen eigenen Stil. Einfach, dass man diesen Job mit Herzblut machen muss. Das ist nur gerecht den Händlern und Standbetreibern gegenüber, die mit voller Leidenschaft dabei sind.