Malama
Daniel Stolz muss sich zwischen Nationalrat und Grossrat entscheiden

Der Basler FDP-Präsident Daniel Stolz wird wohl Peter Malamas Nachfolger im Nationalrat. Dafür würde der 44-Jährige sogar auf das würdevolle Amt des Grossratspräsidenten verzichten.

Andreas Maurer
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Den Höhepunkt seiner knapp zwölfjährigen Grossratskarriere hat er in Reichweite: Turnusgemäss wäre der heutige Statthalter Daniel Stolz der nächste Basler Grossratspräsident. Doch wahrscheinlich wird er diesen Höhepunkt verpassen. Nach der gestrigen Absage des ersten Nachrückenden Baschi Dürr steht Stolz im Fokus für die Nachfolge des verstorbenen FDP-Nationalrats Peter Malama. Stolz lässt durchblicken, dass er nicht beide Ämter annehmen wird.

Definitiv entscheiden will sich der FDP-Präsident, der gestern ein schon länger geplantes verlängertes Wochenende im Piemont verbracht hat, noch nicht: «Ich muss zuerst mit meinem Arbeitgeber sprechen.» Der 44-jährige Geschäftsleiter der Aidshilfe beider Basel betont, dass er seine Arbeit sehr ernst nehme. «Ich will beides richtig machen. Dafür braucht es eine Lösung.» Es ist zu erwarten, dass er eine entsprechende Lösung zum Beispiel in Form einer Pensumsreduktion als Geschäftsleiter finden wird. Schliesslich war seine Nationalratskandidatur mit dem Arbeitgeber abgesprochen. Lange wird man auf die Antwort nicht warten müssen: Mitte Woche sucht Stolz das Gespräch mit dem Vorstand der Aidshilfe.

Wer wird Grossratspräsident?

Im Fall der zu erwartenden Annahme des Nationalratsmandats wird Stolz das würdevolle Amt des Grossratspräsidenten wohl schweren Herzens ablehnen. Definitiv entscheiden wird er sich auch in dieser Frage erst nach einem Gespräch: diesmal mit den Kollegen des Ratsbüros. Fest steht für ihn aber: «Ich sehe keinen Weg, die Arbeit als Geschäftsleiter, Nationalrat und Grossratspräsident und ein bisschen Privatleben unter einen Hut zu bringen.» Diese Einschätzung bestätigt Markus Lehmann (CVP): Nach seiner Wahl in den Nationalrat vor einem Jahr amtete er noch zwei Monate als Grossratspräsident. «Das war definitiv zu viel. Ein Jahr lang hätte ich das nicht machen wollen», betont er. Schon als gewöhnlicher Parlamentarier in Basel und Bern kommt es zu Kollisionen: Dieses Jahr fehlte Lehmann an rund vier Sitzungstagen in Basel wegen gleichzeitiger Termine in Bern. Als Grossratspräsident musste Lehmann zusätzlich einige der bis 22 Uhr dauernden Abendsitzungen des Nationalrats schwänzen, da er gleichzeitig in Basel für Repräsentationsauftritte gebucht war.

Baschi Dürr hat verzichtet

Vor einem ähnlichen Dilemma stand bis gestern Baschi Dürr. Als erster Nachrückender auf der FDP-Nationalratsliste öffneten sich für ihn die Türen nach Bundesbern, wovon er seit seiner Kindheit träumt. Trotzdem verzichtete er gestern definitiv. Damit will er klar zum Ausdruck bringen, dass es ihm ernst ist mit seiner Regierungskandidatur. Dürr ist zwar überzeugt, dass das Stimmvolk ein derartiges Doppelmandat nicht grundsätzlich ablehnen würde. «Ich würde mir aber nicht zutrauen, beide Ämter gleichzeitig zu beginnen.» Er möchte weder taktieren noch mit einem Fallschirm in die Regierungswahlen gehen, betont Dürr. Das Nationalratsmandat wäre dann eine Art Trostpreis: «Das würde dem Amt nicht gerecht werden.»

Stolz zeigt grossen Respekt vor diesem Entscheid: «Würde er nur an seine Karriere denken, hätte er das Nationalratsmandat angenommen. Er politisiert sehr konsequent.» Ein ähnlich konsequenter Entscheid wird diese Woche von Stolz erwartet.