Danielle Bürgin, worüber plaudern wir?

Ich habe «Wunschkonzert» aus dem Nähkästchen gefischt.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was wäre das?

Hm, schwierig ... Ich wünschte mir, dass ich die Freiheiten, die ich in der Schweiz als Mensch habe, so lange wie möglich behalten kann. Wir sind hier schon ziemlich privilegiert.

Welche Freiheiten schätzen Sie am meisten?

Dass ich meinen Traumjob ausüben und davon leben kann. Radio X ist ein nicht-kommerzieller Sender, bei dem ich viele Freiheiten habe, bis zu einem gewissen Grad völlig freie Hand bei der Musikauswahl und Gestaltung der Sendungen – ein schönes Wunschkonzert für mich.

Sie beschäftigen sich tagtäglich und seit Jahren mit Musik, sind immer auf der Suche nach neuen Tracks und Bands. Wo holen Sie sich Inspirationen?

Früher war der Plattenladen, in meinem Fall das Roxy, meine Hauptinspirations- und Bezugsquelle. Mittlerweile recherchiere und beziehe ich Vieles im Netz. Dank der Digitalisierung ist die Auswahl heute riesig, es ist viel einfacher geworden, Musik zu produzieren. Als Konsument hat man die Qual der Wahl – und muss noch mehr filtern als früher.

Als DJ Feline sind Sie ein grosser Name in Basel. Legen Sie noch mit Platten auf oder mit dem Laptop?

Schon vorwiegend mit Platten. Aber mittlerweile auch ab und zu mit digitalen Sounddateien.

Muss ein richtiger DJ nicht mit Platten auflegen?

Nein. Einen guten DJ macht aus, dass er seinen eigenen Stil entwickelt und die richtige Musikauswahl für das jeweilige Publikum trifft. Wie er das macht, ist schlussendlich egal.

Wenn Sie in Clubs wie dem «Elysia» auflegen, dann meist elektronische Musik. Was hören Sie privat?

Neben ruhigeren elektronischen Tracks höre ich viel Musik aus Afrika. Dort passiert enorm viel Spannendes. Ein gutes Beispiel: Tshegue, die im Kongo geboren ist. Ihr Konzert am Open Air Basel hat mich umgehauen! Allerdings höre ich in letzter Zeit auch viel Jazz. Oder oftmals gar nichts, wenn ich nach einem langen Arbeitstag nach Hause komme. Ein solcher besteht zu 85 Prozent aus Musikhören. Dann ist auch Stille mal ganz schön.

Wie steht es um die Basler Clubkultur? Es gibt immer noch Leute, die sich die glorreichen 1990er-Jahre mit Bimbotown und Co. zurückwünschen.

Auch heute kann sich Basel zeigen, hier finden sich ein paar exzellente Clubs. Aber es stimmt, es hat einen enormen Wandel gegeben. Früher hatten die Clubs was Subkulturelles, waren nicht so durchgestylet. Heute ist es für die Menschen selbstverständlich, am Wochenende zu elektronischer Musik zu tanzen. In Clubs, die über modernstes Equipment in jeglicher Hinsicht verfügen. Das war früher entspannter, improvisierter.

Wie wollen die Leute in ein paar Jahren ausgehen? Was ist die Clubkultur der Zukunft?

Gerade Junge äussern mir gegenüber den Wunsch nach familiärer Atmosphäre. Die Leute wollen Intimität, sich zu etwas bekennen – und Teil einer Community sein. Deshalb funktionieren kleinere Lokale und Bars so gut in dieser Stadt.

Sie waren wegen Ihrer Profession und Ihrer Leidenschaft für Musik bestimmt schon an Hunderten Konzerten. Wen haben Sie noch nicht live erlebt, wollen aber unbedingt?

Radiohead! Die habe ich effektiv noch nie gesehen. Sänger Thom Yorke stellt für mich eine Wahnsinnsinspiration dar. Ein Genie, gerade auch, weil er so viele Musikstile miteinander vermischt und vereint.

Als Präsidentin und Mitgründerin des Open Air Basel könnten Sie ihn doch für nächstes Jahr anfragen!

Ja genau, für eine kleine Clubsession (lacht) im Renée! Ziemlich unwahrscheinlich, dass das klappt, schon allein wegen der Gage.

Dann wieder ganz realistisch: Das 10. Open Air Basel fand am vergangenen Wochenende statt. Wen wünschen Sie sich im kommenden Jahr auf der Bühne der Kaserne?

Das Live-Projekt des Musikers Nicolas Jaar fände ich grossartig. Aber dass es dann tatsächlich klappt, hängt von so vielen Faktoren ab – etwa: Ist die Band dann grade auf Tour? Wenn ja, befindet sie sich am jeweiligen Datum in der Nähe? Und so weiter.

Die Hauptkonzerte des Open Air Basel fanden in diesem Jahr erstmals drinnen in der Reithalle der Kaserne statt. Bleibt das so?

Die Debriefing-Sitzung folgt erst. Bis dahin macht sich das Team Gedanken, und dann entscheiden wir. Wichtig ist die Auswertung der Feedbacks der Besucher, ob sie sich eine Weiterführung dieses Konzepts wünschen. Die Wetterunabhängigkeit war schon toll für uns. Ich war viel entspannter so, weil ich nicht ständig die Wetter-Apps checken musste. Da verkommt man schnell zum Nervenbündel.

Falls das neue Konzept beibehalten wird, wäre ein Namenswechsel angezeigt?

Gut möglich, ja. Die Frage wäre auf jeden Fall berechtigt.

Hätten Sie nicht mal Lust, auch ausserhalb von Basel was zu bewegen?

Natürlich. Aber da hat sich bis jetzt einfach nichts ergeben, und vielleicht hat mir auch der Mut gefehlt. Kommt dazu, dass ich mich mit Basel sehr verbunden fühle und sehr glücklich bin mit den Projekten hier. Es ist mir noch nie langweilig geworden hier!