Revitalisierung

Dank dem Mittagsgeschäft: Markthalle bekommt die Kurve

Besonders über Mittag herrscht hier ein richtiges Gewusel. Künftig soll das auch am Abend so sein.

Besonders über Mittag herrscht hier ein richtiges Gewusel. Künftig soll das auch am Abend so sein.

In diesem Jahr wurde klar: Das Konzept der Markthalle hat sich gut entwickelt. Über Mittag strömen die Hungrigen nur so in die Halle, das wollen die Betreiber nun auch am Abend erreichen.

Am 15. Oktober 1929 wurde die Basler Markthalle als Engros-Umschlagsplatz für Gemüse und Früchte in Betrieb genommen. 84 Jahre später wurde dieser architektonisch einzigartigen Halle, nach längerem Leerstand und weniger erfolgreichen Raumvermarktungskonzepten, erneut Leben eingehaucht.

Nach zwei Jahren darf man sagen: Die Revitalisierung ist ein Grosserfolg. Über Mittag strömen Scharen hungriger Menschen an die mittlerweile 30 Essstände. Auch am Abend finden immer mehr Leute den Weg in die Markthalle. Auch optisch ist die Arbeit der Betreibergruppe erkennbar: Die elf «Boxen» mit den Läden oder vermietbaren Räumen am Rand der Halle haben ein einheitliches Gesicht bekommen.

Versuch und Irrtum

Der Aufbau sei Schritt für Schritt erfolgt, das Mittagsangebot sehr rasch angenommen worden – rascher als erwartet, sagt Alexandra «Alex» Dill, Sprecherin der Betreibergruppe Markthallen AG. «Wir hätten das nie gedacht.» Anderes habe weniger Erfolg gehabt, wie etwa die Marktstände mit Frischware. «Das funktioniert irgendwie anders», resümiert sie. Jetzt sei man dazu übergegangen, Themenmärkte zu organisieren. Gut angelaufen sind der Nachtflohmarkt am Samstag und der Sonntags-Flomi sowie der Juramarkt, an dem Kulinarik aus den Kantonen Jura und Baselland angeboten wird.

Jetzt sollen die Abende noch stärker belebt werden. Dill: «Unser Ziel: gleich viele Menschen wie über Mittag.» Mit der Bar Hinz & Kunz, die das Prädikat «Newcomer-Bar des Jahres 2015» erhalten hatte, sei ein guter Anfang gemacht.

Non-Profit-Organisation

Die Markthalle-Betreiberfirma sieht sich als Non-Profit-Organisation. «Viele arbeiten ehrenamtlich oder im Praktikum mit, auch im Verwaltungsrat», sagt Dill. Insgesamt sind sie 20 Leute mit insgesamt zehn Stellen. «Niemand macht ein grosses Geschäft im monetären Sinne, aber alle stellen mit Herzblut etwas auf die Beine. Es zeichnet sich ab, dass das Unterfangen auch finanziell tragfähig wird. Es geht uns primär darum, Gestaltungsraum zu schaffen und Basel, um eine attraktive Nutzung unter dieser das Stadtbild prägenden Kuppel zu ermöglichen. Geld brauchen wir zur Existenzsicherung – unserer Existenz und jener der Markthalle, darüber hinaus hat Geld nicht Selbstzweck», so Dill. Wie die meisten im Verwaltungsrat (der gleichzeitig die Geschäftsleitung ist), hat sie noch weitere Jobs, mit denen sie etwas Geld verdient. «Wir gehören zur Generation Y. Wir haben hier ein Ziel. Wir wollen etwas bewegen und bewirken – in der Stadt.»

In diesem Jahr haben bereits einige Firmen das Weihnachtsessen abgehalten, teils in den separierten Räumen am Rande der Halle, teils im öffentlichen in der Hallenmitte – oder beidem. Viel sei erreicht worden, jetzt gehe es darum, zu konsolidieren. «Wir haben alles aus dem Boden gestampft, mussten alles ausprobieren und viel improvisieren.» So war beispielsweise hie und da der dominante Currygeruch ein Problem. Jetzt haben die sechs geruchsintensivsten Stände eine eigene Küche bekommen, als nächstes folgen mobile Dunstabzugshauben.

Eigene Marktordnung

Im Frühling eingerichtet wurde eine Geschirrwasch-Strasse, beschafft als Occasion in der Markthalle Bern. Verschiedentlich wurden auch schon Kongresse abgehalten, während der Baselworld wurde die Markthalle sogar zum Diamanten-Showroom. Sie findet im kommenden Jahr nicht mehr in der Markthalle statt. Dafür kommt aber während der Art Basel die «Volta Show».

Die Streetfood-Stände bezahlen eine Miete und arbeiten auf eigene Rechnung. Sie müssen eine zehnseitige Marktordnung unterzeichnen, in der sie sich unter anderem zur Einhaltung von Arbeitsrecht, Lebensmittelverordnung, etc. verpflichten. Für die Einhaltung der Gesetze sind die Standbetreiber selbst verantwortlich. Die Betreiberorganisation verlangt von ihnen aber die Versicherungspolicen und die Mehrwertsteuer-Nummer. Die Küchen dürfen beispielsweise nicht mit offenem Feuer oder Gas hantieren. Dazu kommen markthallenspezifische Vorschriften.

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