Rhein-Ministerkonferenz

Dank Fischtreppen und Rheintaxi: 2020 ist für Lachse Weg nach Basel frei

WWF-Aktivisten tragen einen grossen Lachs zum Tagungssaal der Basler Rhein-Ministerkonferenz. Dort übergaben sie eine Petition.

WWF-Aktivisten tragen einen grossen Lachs zum Tagungssaal der Basler Rhein-Ministerkonferenz. Dort übergaben sie eine Petition.

Franzosen ermöglichen Lachsen den Durchgang durch ihre Wasserkraftwerke im Elsass, damit die Fische wieder in die Region zurückkehren können. Helfen sollen dabei Fischtreppen und ein sogenanntes Rheintaxi für die Lachse.

Bisher war es ein Einzelfall. Wenn ein Lachs aus der Nordsee den Weg zurück in die Region Basel schaffte, wo er einige Jahre vorher als Jungtier ausgesetzt wurde, war er mit viel Glück durch die Schleusen mehrerer Wasserkraftwerke geschlüpft. Bis 2020 soll die Ausnahme zur Regel werden, das beschloss die Rhein-Ministerkonferenz, die im Basler Congresszentrum tagte.

Der Umweltverband WWF nutzte den Anlass, um Laurent Roy, dem französischen Direktor für Wasser und Biodiversität, eine von rund 12'000 Personen unterschriebene Petition zu überreichen. Diese fordert von Frankreich, die acht Wasserkraftwerke der französischen Electricité de France im Elsass, die dem Lachs den Weg in den Schwarzwald und in die Alpen versperren, mit Fischtreppen passierbar zu machen.

Eine Art Rheintaxi für den Lachs

Zumindest zum Teil rannten sie damit bei Roy offene Türen ein. Die von den Franzosen vorgeschlagene Lösung soll den Lachs tatsächlich 2020 wieder nach Basel bringen. Das funktioniert so: Eine neue Fischtreppe beim Kraftwerk Strassburg wird 2015 fertig sein. Bei einer weiteren in Gerstheim, südlich von Strassburg, wird 2015 mit dem Bau begonnen. Für drei weitere Kraftwerke schlägt Roy eine innovative, bisher so noch nicht umgesetzte Lösung vor: eine Art Rheintaxi für die Lachse.

Diese werden unter Wasser durch einen Lockstrom in einen Käfig gelockt, der die Fische, von einem Schiff gezogen, drei Wasserkraftwerke weiter südlich bei Vogelgrün und Breisach im Altrhein wieder entlässt. Da dieser ökologisch bereits aufgewertet wurde und beim Wehr in Märkt eine Fischtreppe gebaut wird, ist der Weg nach Basel frei.

Roy räumt ein, dass die Situation bei Vogelgrün «technisch sehr schwierig» sei. Dazu soll 2014 ein Colloquium mit internationalen Experten stattfinden. Ruedi Bösiger, Projektleiter Lachs Comeback beim WWF Schweiz, reagiert verhalten auf die Pläne. «Es ist nicht so einfach und ein Stress für die Tiere. Von Vorteil kann sein, dass sich schneller eine Population im Altrhein entwickelt.» Bösiger fragt sich aber, wie es gelingen soll, die Fische in den Altrhein zu locken, da die Strömung im Rheinseitenkanal stärker sei. Vorausgesetzt, der Bau von Fischtreppen bei den Kraftwerken bleibe bei der «Krückenlösung» Rheintaxi verbindlich, sei diese «möglich und ein Etappensieg. Wir müssen aber dranbleiben.»

Die Forderung des WWF, auch die drei verbleibenden Kraftwerke, die parallel zum Altrhein liegen, umzubauen, stösst in Frankreich allerdings auf taube Ohren. «Dafür gibt es keine Pläne. Den Altrhein für die Durchwanderung der Lachse zu nutzen, ist meiner Ansicht nach ökologisch sinnvoll», argumentiert Roy.

An der Rhein-Ministerkonferenz, die alle sechs bis sieben Jahre stattfindet, nahmen auf Einladung von Bundesrätin Doris Leuthard Minister aus sechs Anrainerstaaten des Rheins statt. Die Bundesrätin betonte in ihrer Begrüssung die Bedeutung des Rheins als Lebensader, mit einem Einzugsgebiet von 58 Millionen Einwohnern. «Die Schweiz trägt ihren Teil zu seiner Gesundung bei. Heute können wir in den Seen und Flüssen wieder baden und das Wasser ist trinkbar», fuhr sie fort.

Neben der Verbesserung der Biodiversität und der Optimierung des Hochwasserrisikos beschloss die Konferenz auch, gegen Mikroverunreinigungen wie organische Spurenstoffe von Arzneimitteln vorzugehen.

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