Bei schönem Wetter ist der Rhein bunt gesprenkelt. Orange, rote, pinke oder grasgrüne Punkte leuchten im Fluss. Sie transportieren die Wertsachen und Kleider der Rheinschwimmern trocken durch die Fluten und lassen die Touristen entzückt zu den Kameras greifen: die Wickelfische. Und wer hats erfunden? Tilo Ahmels. Als er 1996 von Leipzig nach Basel zog, sei er «fast in Ohnmacht gefallen», als er Menschen im Rhein schwimmen sah. «Ich komme aus der ehemaligen DDR. Die Flüsse waren damals vor allem Abwasserkanäle der Industrie», sagt Tilo Ahmels. Er erinnert sich an einen Witz, den sich die Leute erzählten: Im Fluss könnten wegen der Chemikalien zwar Fotofilme entwickelt werden, Baden sei aber nicht möglich.

Am neuen Wohnort wagte Ahmels schnell den Sprung in den Rhein. «Mitte der 90er-Jahre gehörte man als Rheinschwimmer aber auch in Basel noch zu den Mutigen», schmunzelt er. Einziger Wermutstropfen bei dem neu entdeckten Badespass: Es gab keine Taschen, die seine Habseligkeiten im Wasser gut schützten. Eine Lücke, die der findige Tüftler bald darauf schloss – und einen regelrechten Kult auslöste. Wie Zugvögel kehren seine Wickelfische Jahr für Jahr zurück nach Basel und treiben, häufig in regelrechten Fischschwärmen, den Rhein hinunter.

Am Anfang mit den IWB

Sein erstes Modell des Wickelfischs gab es im Jahr 2002 zu kaufen. Ahmels fand in den IWB eine Partnerin, um die erste Auflage zu produzieren. «Der Fisch steht für die Sauberkeit im Fluss», erklärt Ahmels die gewählte Symbolik. Doch in besagtem Sommer regnete es vorwiegend. Der Start war holprig, der Verkauf gering. Es folgte 2003 der Rekordhitzesommer und Ahmels gelang der Durchbruch mit seinem Wickelfisch. Doch er tüftelte immer weiter. Heute sind die Wickelfische aus dem reissfesten «Ripstop Nylon» – demselben Material wie Fallschirme. Auch der Klettverschluss ist neu: Bleibt der Schwimmer hängen, öffnet sich der Verschluss und wirkt somit nicht wie eine Boje. «Wenn ich all die Wickelfische im Rhein sehe, dann freut mich das natürlich. Gleichzeitig macht es mich auch nervös, da ich mich immer für die Sicherheit verantwortlich fühle», sagt Ahmels.

Für ihn stellt das Flussschwimmen eine Besonderheit der Schweiz dar. Seine eigenen ersten Versuche unternahm er als Knabe in Thüringen. Mit einem aufgeblasenen Traktorreifen paddelte er die Weisse Elster runter. Wieder an Land prangte eine eigentliche Krause aus Dreck an seinem Hals. «Obwohl heute die Flüsse in Deutschland nicht mehr verschmutzt sind, existiert das Flussschwimmen kaum», betont Ahmels. Er selber ist begeistert davon: «Das Schwimmen im Rhein ist so unaufgeregt. Ich brauche keine teure Ausrüstung und kann direkt mit dem Bus zum Tinguely Museum fahren». 17 Grad warm müsse das Wasser allerdings schon sein, damit er seinen Wickelfisch packt.

Auf Trab halten ihn seine Wickelfische und seine Strandkabinen geschäftlich das ganze Jahr hindurch. Letztere entwickelte er, als er mehrfach beobachtete, wie umständlich sich viele Rheinschwimmer umzogen. «Ich erinnerte mich an ein Tuch meiner Mutter, in das sie schlüpfte, um den Hals festmachte und darunter die Kleider wechselte». Auf dieser Basis ist die Strandkabine entstanden: Eine Art doppeltes Badetuch, worin man, vor Blicken geschützt, aus den Badehosen schlüpfen kann. Auch diese Erfindung kam an. Inzwischen gibt es ein französisches Pendant, die «cabine de plage». Obwohl fast jeder Rheinschwimmer über einen Wickelfisch oder etwas Ähnliches verfügt, lässt der Verkauf in Basel nicht nach. Vielmehr wurden sie zu einem Souvenir. «Wenn Touristen die bunten Fische im Wasser sehen, wollen sie auch einen», erzählt Ahmels. Und die Basler würden auch fleissig Wickelfische verschenken.

Der dreifache Vater entwickelt nicht nur Accessoires für Flussschwimmer. Wer sich seine Arbeiten anschaut, merkt schnell: der ehemalige Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte fischt in einem grossen Ideentopf.

Tüfteln auch für Velos

So erfand er die Satteltiere. Das sind Überzüge für Fahrradsättel in Form von Tierköpfen, die in den Veloparkings treu auf ihre Besitzer warten. Auch Hörbücher oder die Krimi-Reihe «Mord an Bord» auf einem Schiff der Basler Personenschifffahrt stammen aus der Feder von Ahmels. «Ich bin ein Projektmensch», sagt der 47-Jährige. Ihn interessieren vor allem die Entwicklung von Ideen und die Zusammenarbeit mit Menschen. Obwohl ihn der Vertrieb und das Marketing weniger reizen, führt er seine Produkte in Personalunion - ausser, eines wird so populär wie der Wickelfisch. «Dann braucht es Vertriebspartner», betont Ahmels. Indem unter anderem die Manor seine Fische verkauft, dehnt sich auch das Revier der Wickelfische stetig aus. So haben sie sich in Bern fest angesiedelt und bereits wurden Exemplare in Genf gesichtet. Der Siegeszug der farbigen Schwimmbegleiter dürfte noch lange nicht vorbei sein. Und neue Ideen hat Tilo Ahmels bereits an der Angel – was daran zappelt, das will er aber noch nicht verraten.