Zoo Basel
Dank ihm gibt es noch Störche in der Schweiz

Bruno Gardelli kümmert sich seit Jahrzehnten um die grossen Vögel im Basler Zolli. Ohne ihn gäbe es in der Schweiz keine Störche mehr. Alleine im Zoo Basel leben 24 Paare mit insgesamt 48 Jungtieren. Schweizweit gibt es 380 Storchen-Brutpaare.

Muriel Mercier
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Bruno Gardelli arbeitet seit 40 Jahren im Basler Zoo – und seit 30 Jahren lebt er seine Passion für Störche hier aus.

Bruno Gardelli arbeitet seit 40 Jahren im Basler Zoo – und seit 30 Jahren lebt er seine Passion für Störche hier aus.

Juri Junkov

Klapper, klapper, klapper – der Lärm über den Köpfen der Zollibesucher ist nicht zu überhören. Jungstörche sind in der Luft. Sie lernen fliegen, wie Kleinkinder laufen lernen. Dafür müssen die edlen, weiss-schwarz gefiederten Vögel ins harte Training. Und sie sind dieses Jahr spät dran.

Das Regenwetter der letzten Tage unterbrach ihre Übungen. Denn bei Regen werden die Flügel schwerer und sie müssten öfter schlagen, was Energie kostet, erklärt Bruno Gardelli, der sich im Zolli um fast alle grossen Vögel kümmert. «Die Störche nutzen gerne die Thermik. Mit der warmen Luft steigen sie in die Höhe und können segeln.»

Gardelli ist ein wandelndes Storchen-Lexikon. Kein Wunder, denn er beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit diesem Vogel. Sein Interesse für die Tiere hat er auf Reisen im Ausland aber auch in der Schweiz entdeckt. Und als dann aufgrund des Projekts der Wiederansiedlung der Störche in der Schweiz Anfang der 80er-Jahre auch die ersten Störche im Zolli wieder auftauchten, war es um ihn definitiv geschehen.

Bodenstörche lockten Wilde an

Damit der Storchenbestand wuchs, hielt man damals die Jungstörche bis zu ihrem dritten Lebensjahr gefangen. Dann nämlich sind sie geschlechtsreif. Früher lebten im Basler Zoo einige kupierte Storchenpaare – also Tiere, die nicht fliegen können. Im Frühling haben diese jeweils am Boden genistet und dabei so laut geklappert, dass wilde Störche auf sie aufmerksam wurden, gelandet – und sogar geblieben sind.

Anhand der Beringung der Tiere konnte festgestellt werden, dass immer dieselben nach Basel kamen und auch immer mehr Vögel landeten. Ab 1996 habe man aufgehört, die Störche zurückzuhalten, denn die Wiederansiedlung war erfolgreich, erklärt Gardelli. Und dies, obwohl der Verlust an Tieren jeweils gross ist. Nur etwa ein Drittel aller Störche überlebt ihre erste grosse Reise. Der Rest stirbt unterwegs, vor allem durch Unfälle. «Wir in Basel sorgen uns um den Bestand der Tiere. Wir sehen uns als Brutstätte und haben das Ziel vor Augen, dass die Vögel ausfliegen und sich in der Region verteilen.»

Auch wenn Gardellis Passion für Störche unüberseh- und hörbar ist – in seiner Freizeit ist er für die Institution Storch Schweiz in der Nordwestschweiz unterwegs und sorgt ebenfalls für die Beringung der Tiere – kümmert er sich im Zolli unter anderem noch um die Pinguine, Pelikane, Eulen und Wasservögel. Als Erstes bereitet er am Morgen für alle das Futter vor. Von Äpfeln über Fische, Salat und Beeren bis hin zu Ratten. Er legt täglich mehrere Kilometer zurück, weil die Gehege und Teiche seiner Tiere über den ganzen Park verteilt sind. Die Volieren der meisten Vögel reinigt er alle drei Tage, die Pinguin-Anlage täglich. Auch Gartenarbeiten gehören zu seinen Aufgaben.

Nach einem kurzen Abstecher kommt Gardelli wieder auf die Zolli-Störche zu sprechen. Diese suchen ihre Nahrung nämlich selber, erklärt er. «Je nach Alter der Jungtiere verändert sich auch die Grösse des Futters.» Von Fliegen für die neu Geschlüpften über Käfer, Regenwürmer, kleine Schlangen bis hin zu Wühlmäusen, die die Altvögel ausserhalb der Stadt suchen.

Verunglückte Störche

Seine Storchensaison ist für dieses Jahr bald zu Ende. Bis Ende August sind alle Vögel Richtung Süden unterwegs. «Jetzt erhalte ich vor allem Anrufe, wenn jemand einen verunfallten Storch findet.» Ab September beruhige sich die Situation für dieses Jahr.

Warum seine Faszination für Vögel so gross ist, erklärt Gardelli mit einfachen Worten: «Man sieht sie einfach. Im Vergleich zu einem Fisch.» Um diese beobachten zu können, müsse man tauchen gehen. Der gelernte Maurer ist denn auch oft in der Natur unterwegs, er wandert gerne. «Es gibt viele Menschen, die wandern, aber daneben nichts sehen und hören.» Das findet er schade: «Tiere und Pflanzen gehören doch zu uns. Ich kann mir nicht vorstellen, zu wandern, ohne Tiere zu beobachten. Das würde mich traurig machen.»

Dass er sich so stark für die Störche einsetzt, hat auch mit der damit verbundenen abwechslungsreichen Arbeit zu tun. Unter anderem mit der intensiven Zusammenarbeit mit der Feuerwehr bei der Beringung der Tiere sowie mit dem Beobachten des Vogelzugs.