Ella zieht beim Spaziergang durch das Basler Gellert-Quartier erneut alle Blicke auf sich. Kaum jemand, der an diesem sonnigen Freitagnachmittag nicht stehen bleibt, um die achtjährige Mopsdame zu betrachten. Grund für die vielen staunenden Menschen ist das ungewöhnliche Fortbewegungsmittel, mit dem die Hündin unterwegs ist: Ein Rollwagen bringt ihr seit kurzer Zeit die durch einen Bandscheibenvorfall verlorene Mobilität zurück. Die Freude darüber, endlich wieder herumtollen zu können, ist dem Tier anzusehen.

Noch vor wenigen Monaten sah die Welt für die quirlige Mopsdame ganz anders aus. Wegen der Erkrankung versagten Ellas Hinterbeine immer mehr, bis sie letztlich nicht mehr laufen konnte. Ihr Herrchen Cyrill Weber suchte damals bereits eifrig nach Wegen, die Lebensqualität des Hundes zu erhöhen. «Ich wusste, dass es Rollwagen für Haustiere gibt», erinnert er sich, «es dauerte jedoch eine Weile, bis ich in der Schweiz auf einen Anbieter stiess.» Fündig wurde er nur wenige Kilometer entfernt von seiner Wohnung in Grossbasel: Eine kurze Autofahrt ins hintere Leimental brachte Ella Anfang dieses Jahres die Möglichkeit zurück, sich draussen auszutoben.

Das Leben behinderter Tiere

In Metzerlen verkauft Sonja Tschudin seit letztem Herbst aus den Vereinigten Staaten importierte Rollwagen für Hunde. Schon zuvor vermietete die diplomierte Tierpsychologin die Fahrzeuge, was sie auch heute noch tut. Seit gut zehn Jahren beschäftigt sie sich damit, das Leben von behinderten Tieren zu verbessern. «Das Ganze fing an, als meine Katze erblindete», sagt Tschudin. Bald rief Tschudin eine Homepage ins Leben, auf der sie Ratschläge zum Umgang mit handicapierten Hunden und Katzen erteilt.

Eine Tierpsychologin aus Metzeleren vertreibt Hunde-Rollwagen. Damit will sie behinderten Hunden die Lebensfreude zurückgeben.

Eine Tierpsychologin aus Metzeleren vertreibt Hunde-Rollwagen. Damit will sie behinderten Hunden die Lebensfreude zurückgeben.

Die Rollwagen seien vor allem für ältere Tiere gedacht, die nicht mehr gut zu Fuss sind. In den meisten Fällen würden sie dazu dienen, Hunden den letzten Lebensabschnitt zu erleichtern, so Tschudin. Bei jüngeren Vierbeinern sind es hingegen Unfälle und Gebrechen, welche die Besitzer veranlassen, ein Gefährt anzuschaffen. Dieses trage zum Muskelaufbau bei, da die Hunde die Bewegung des Wagens mit ihren geschwächten Beinen nachahmen.

Die Tierpsychologin hat selbst einen Hund, der einen Rollwagen benötigt. Bei ihren Ausflügen in die Natur müsse sie den Passanten immer wieder erklären, weshalb ihr Tier hinten zwei Räder hat. «Die meisten zeigen sich interessiert und möchten mehr erfahren.» Den Vorwurf der Tierquälerei habe sie sich sehr selten gefallen lassen müssen; die Leute würden merken, dass sich der Hund im Gefährt wohlfühle.

Auch wenn Cyrill Weber mit Ella spazieren geht, sind die Reaktionen fast ausschliesslich positiv. Der allergrösste Teil finde es gut, dass die Hündin auf diese Weise wieder mobil sei.