Am Seidenhof prangt nun eine Tafel mit den Gesichtern von Zar Alexander I. und Heinrich Pestalozzi. Der Schweizer Pädagoge und der russische Herrscher hatten sich hier 1814 getroffen. Zar Alexander, der sich für die Ideen des Schweizers interessierte, hatte Pestalozzi in seinem damaligen Hauptquartier empfangen.

Tafel gegen Brunnen

Gestern trafen wieder Vertreter der beiden Länder am Basler Totentanz zusammen: Regierungspräsident Guy Morin empfing den Botschafter der Russischen Föderation, Alexander Golovin. Die Tafel sei ein sichtbares Zeichen für die Partnerschaft zwischen Basel und Moskau, ein Gegengeschenk für den Basiliskenbrunnen, den Morin in Moskau eingeweiht hatte, so Golovin. «Hier trafen sich zwei grosse Persönlichkeiten jener Epoche», so der russische Botschafter weiter. Zar Alexander sei ein Herrscher gewesen, «der die Lage der untersten Schichten der Gesellschaft verbessern» wollte.

Historische Freundschaftsbande

Morin lobte die Zusammenarbeit zwischen der russischen Hauptstadt und Basel, diese werde «so gut weiterlaufen, wie sie begonnen hat, nämlich fruchtbar und gut». Er verwies darauf, dass Alexander I. sich am Wiener Kongress 1814 dafür starkgemacht hatte, dass die Schweiz als unabhängiger und neutraler Staat erhalten bleibt. Dass also bereits vor 200 Jahren eine russisch-schweizerische Freundschaft bestand.

Marschmusik und Stechschritt

Der Anlass wurde von den Suworow-Kadetten musikalisch umrahmt. Die Rekrutenformation der russischen Militärmusik-Akademie spielte, marschierte, tanzte und sang, sodass Morin meinte: «Sie haben sich definitiv fürs Basel Tattoo empfohlen.»
Hintergrund von Heldentaten

Die Schweiz spielt für die russische Armee und insbesondere für die Suworow-Kadetten eine grosse historische Rolle. Hier schlug ihr Namensgeber, Feldmarschall Alexander Wassiljewitsch Suworow, im zweiten Koalitionskrieg 1799 einige Schlachten gegen die Truppen des französischen Kaisers Napoleon Bonaparte. Suworow überquerte dabei die Alpen gleich zwei Mal und gewann den legendären Kampf an der Teufelsbrücke im Gotthardmassiv. Jedes Jahr finden deshalb in der Schweiz die Suworow-Festspiele statt, um des Mannes zu gedenken, den Botschafter Golovin gestern als «Grossen Strategen des Vaterländischen Krieges» bezeichnete.

Zwei Köpfe in Bronze

Die Tafel am Seidenhof wurde im Beisein der Besitzer der Liegenschaft und verschiedener Vertreter der Basler Wirtschaft und der Schweizer Armee unter Trommelwirbeln enthüllt. Es handelt sich um ein Bronze-Relief aus dem Atelier des russischen Bildhauers Vladimir Surowzew, der in Europa schon verschiedene Denkmäler gestaltet hat.