FCB-Saisonabos sind begehrte Objekte und werden Spiel für Spiel unter Freunden hundert- wenn nicht tausendfach weitergegeben, wenn der Inhaber verhindert ist. Gratis, für ein Bier oder gegen einen kleinen Unkostenbeitrag kommt dadurch ein Nicht-Abonnent in den Genuss eines Stadionbesuchs. Diese Idee des unkommerziellen Saison-Abo-Weitergebens möchten die Initianten der neuen Internetplattform splitseat.ch ins digitale Zeitalter transferieren und weiter ausbauen.

«Wir kommen vom Eishockey und haben Saisonabis des SC Bern», erklärt Roland Hug. «Wenn wir aber selber ein Turnier spielen, sind plötzlich massenhaft nicht gebrauchter Abos da. An anderen Spieltagen hingegen werden wir nach einem freien Abo gefragt und haben keins.» Die Lösung: Eine Online-Plattform, um nicht gebrauchte Saisonabos gegen eine kleine Gebühr öffentlich oder im erweiterten Freundeskreis anzubieten und sich mit dem Abnehmer direkt über die Übergabemöglichkeiten abzusprechen. «Dies würde zwar theoretisch auch über Facebook funktionieren, aber solche Einträge richten sich doch eher an eine gezielte Gruppe und erreichen längst nicht alle Freunde. Deshalb glauben wir, dass unser Ansatz Sinn macht.»

Ausweitung auf andere Länder

Nachdem Hug und sein Geschäftspartner Roland Hasler in diesem Frühling in der Region Bern einen Testlauf durchgeführt hatten, haben sie ihre Plattform vor einem Monat offiziell aufgeschaltet. Seither ist es möglich, Saisonabos für Fussball- und Eishockeyspiele in der ganzen Schweiz, Österreich und Deutschland anzubieten. Weitere Sportarten und Länder werden folgen. «Wir sind zufrieden mit der Entwicklung im ersten Monat und haben bereits rund hundert registrierte Saisonkarten im Angebot – allerdings hauptsächlich noch für YB- und SCB-Spiele», sagt Hug.

Damit ihr Startup Erfolg hat und die beiden Informatiker in Zukunft davon leben können, muss die Benutzeranzahl kräftig wachsen. «Bei einer Provision von 2.50 Franken pro erfolgreicher Vermittlung müssen wir eine grosse Anzahl Nutzer haben», sagt Hug. Die angefragten Sportclubs hätten laut Hug grösstenteils positiv auf das neue Angebot reagiert. «Jeder Zuschauer im Stadion ist wichtig», habe etwa der Verantwortliche beim FC St. Gallen gesagt.

FCB mit eigenem Angebot

Auch der FCB stört sich nicht am Angebot von splitseat.ch. Allerdings sagt Mediensprecherin Andrea Roth auf Anfrage, dass der FCB bereits die Möglichkeit für das Freischalten von einzelnen Spielen für Jahreskarteninhaber biete. «Dies kann von den Jahreskarteninhaber direkt über die eigene Ticketing-Plattform erledigt werden und ist schon seit mehreren Jahren in Verwendung», so Roth.

Splitseat-Gründer Hug sagt, dass dieses Vorgehen auch bei ausländischen Top-Clubs weit verbreitet sei. «Es ist allerdings primär ein kommerzieller Ansatz, denn die Tickets werden häufig zu Tagespreisen erneut verkauft, wobei die Saisonabo-Inhaber nur einen Teil der so erzielten Einnahmen erhalten.» Bei www.splitseat.ch sei der kommerzielle Aspekt weniger wichtig. Es sei viel mehr eine Möglichkeit, durchs Weitergeben seines Saisonabos jemandem eine Freude zu machen.