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Dank tiefem Kurs: Einkaufstourismus im Dreiland zieht wieder an - Gewerbeverband zeigt sich gelassen

Der Euro-Kurs ist so tief wie schon lange nicht mehr. Das zieht die Baslerinnen und Basler wieder vermehrt über die Grenze zum Fremdshoppen. Der Basler Gewerbeverband nimmt die Tendenz zur Kenntnis und zeigt sich überraschend gelassen.

Daniel Ballmer
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Einkaufstouristen stehen weiterhin Schlange am deutschen Zoll. Keystone/Ruetschi

Einkaufstouristen stehen weiterhin Schlange am deutschen Zoll. Keystone/Ruetschi

KEYSTONE

Euro-Kurs sinkt und sinkt. Seit zwei Jahren notiert er erstmals wieder unter 1.10. Parallel dazu wird der Franken immer mehr wert. Das führt dazu, dass sich der Einkauf von Herrn und Frau Schweizer im Ausland noch mehr lohnt.

Die Folgen sind klar. Werktags zeigt sich stets dasselbe Bild: In Kolonnen stauen sich Schweizer Autos am deutschen Zoll. Mit vollen Einkaufstaschen und leeren Portemonnaies wollen Einkaufstouristen neben den tiefen Preisen auch von der Rückerstattung der Mehrwertsteuer profitieren.

Das bereitet gerade auch Gabriel Barell Sorgen. Dennoch zeigt sich Basels Gewerbedirektor angesichts des neusten Euro-Tiefstands erstaunlich gelassen. Natürlich vergrössere sich die Preisdifferenz zum Ausland weiter, was zum Nachteil des Schweizer Detailhandels sei. Der Kurs spiele durchaus eine Rolle – gerade bei Personen, die jeden Rappen zweimal umdrehen müssten.

Vielen sei der Aufwand mittlerweile zu gross

Und dennoch: Barell rechnet nicht mit einer weiter wachsenden Welle an Einkaufstouristen. «Einen starken Einfluss haben vor allem grosse Preissprünge, die eine Art Hype auslösen», begründet er. «Das ist hier nicht der Fall.» Denn der Euro-Kurs sinkt langsam, aber stetig. Gleichzeitig aber seien auch im Schweizer Detailhandel wo immer möglich die Preise gesenkt worden, «sodass einige frühere Einkaufstouristen nicht mehr Zeit und Aufwand für einen Auslandseinkauf aufbringen möchten».

Klar aber sei gleichzeitig: Die Grenzsituation bleibe insbesondere für den Detailhandel und die Gastronomie eine Herausforderung. «Denn der Einkaufs- und der Gastronomietourismus ist nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau», sagt der Basler Gewerbedirektor. «Das zeigt sich auch im Arbeitsplatzabbau in diesen Branchen.»

Gewerbedirektor Barell und seine Parkplätze

Auch wenn auf kantonaler Ebene kaum Handlungsspielraum besteht, der Basler Gewerbeverband will sich vor diesem Hintergrund auch weiterhin für möglichst gute Rahmenbedingungen für die regionalen Unternehmen einsetzen. Dabei sieht Barell auch die Politik in der Pflicht. Im Fokus hat er einmal mehr die Parkplatzsituation. So wäre den betroffenen Branchen etwa geholfen, wenn die Tarife in staatlichen Parkhäusern oder auf den Allmendparkplätzen in der Innenstadt gesenkt würden.

«Leider agiert die Basler Regierung hier sehr zögerlich», kommentiert Barell. Auch etwas grosszügigere Ladenöffnungszeiten oder mehr Abendverkäufe würden dem Detailhandel helfen. «Solche Vorschläge werden aber von Gewerkschaftsseite reflexartig bekämpft». Sie sind bisher auch an der Urne jeweils abgelehnt worden.