Persönlich
Darf man Komplimente?

Lea Meister
Lea Meister
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Die Vorzüge des Gegenübers - ob oberflächlich oder tiefgründig - sollen wieder vermehrt ausgesprochen werden können.

Die Vorzüge des Gegenübers - ob oberflächlich oder tiefgründig - sollen wieder vermehrt ausgesprochen werden können.

Samstagabend im Garten beim Grillfest: Ein Freund sagt einer Freundin, dass er sie eine tolle Frau finde. Ohne Hintergedanken. Sie wird etwas rot, bedankt sich und holt sich noch ein Glas Prosecco. Er wollte das einfach einmal loswerden. Was eigentlich ein Kompliment sein sollte, kommt einem vor wie ein Geständnis.

Doch weshalb haben wir teilweise verlernt, Komplimente als solche zu akzeptieren? Ist es eine Folge des verschärften Geschlechterdiskurses? Befürchten gerade wir Frauen zu schnell eine Form von Belästigung, wo gar keine ist? Und weshalb machen wir kaum mehr geschlechterübergreifende Komplimente? Ich glaube, es ist hauptsächlich Unsicherheit, gespickt mit einem gewissen Respekt vor der Reaktion.

Ich möchte wissen, ob ebendiese Reaktion darauf geschlechterabhängig ist. Also sage ich einem guten Freund, dass er eine angenehme Erscheinung sei – ganz ohne Hintergedanken. Er bedankt sich, bleibt aber relativ unbeeindruckt. Ich zucke mit den Schultern und hole mir noch etwas Teigwarensalat.

«Du hast ihm gesagt, dass er dir gefällt?», fragt mich mein Freund nur wenige Momente später etwas irritiert. Ich muss lachen. Ist das Kompliment also doch angekommen.
Mein Aufruf: Macht Euch gegenseitig Komplimente und erlaubt Euch vor allem wieder öfter, echte Komplimente als solche zu identifizieren. Dann könnt Ihr Euch auch darüber freuen.